Die erfolgreiche Kultivierung von Kohlrabi beginnt bereits mit der sorgfältigen Planung der Aussaat und der Wahl der passenden Vermehrungsmethode für den eigenen Standort. Ob man sich für die Vorzucht auf der Fensterbank oder die Direktsaat im Freiland entscheidet, hängt maßgeblich von der Jahreszeit und den klimatischen Bedingungen ab. Ein tieferes Verständnis für die Keimbiologie der Samen ist essenziell, um kräftige Jungpflanzen zu erhalten, die später robuste Knollen bilden können. In diesem Artikel erfährst du alles Wissenswerte über die technischen Abläufe und die professionellen Kniffe bei der Pflanzung dieser beliebten Kohlart.

Kohlrabi
Brassica oleracea var. gongylodes
Pflegeleicht
Mittelmeerraum
Gemüse (Zweijährig)
Umgebung & Klima
Lichtbedarf
Sonnig
Wasserbedarf
Gleichmäßig feucht
Luftfeuchtigkeit
Mittel (60-70%)
Temperatur
Kühler (15-20°C)
Frosttoleranz
Frosthart (-5°C)
Überwinterung
Im Freien (frosthart)
Wachstum & Blüte
Höhe
25-40 cm
Breite
20-30 cm
Wachstum
Schnell
Schnitt
Nicht erforderlich
Blütekalender
Mai - Juni
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Boden & Pflanzung
Bodenansprüche
Humusreich, lehmig
Boden-pH
Neutral (6.5-7.5)
Nährstoffbedarf
Hoch (alle 2 Wochen)
Idealer Standort
Gemüsegarten, Sonne
Merkmale & Gesundheit
Zierwert
Gering (essbar)
Laubwerk
Blaugrün, wachsartig
Duft
Keiner
Toxizität
Ungiftig
Schädlinge
Kohlfliegen, Blattläuse
Vermehrung
Samen

Die Auswahl des Saatguts und die Keimbedingungen

Die Qualität des Saatguts bildet das Fundament für ein gesundes Pflanzenwachstum und eine ertragreiche Ernte in deinem Gemüsegarten. Man sollte beim Kauf auf frisches Saatgut achten, da die Keimfähigkeit bei Kreuzblütlern mit zunehmendem Alter der Samen spürbar nachlassen kann. Es gibt eine Vielzahl an Sorten, die sich in ihrer Reifezeit, Schossfestigkeit und natürlich in der Farbe der Knollen deutlich voneinander unterscheiden. Du kannst zwischen frühen Sorten für das Frühbeet und robusteren Riesensorten für den Herbstanbau wählen, um die Saison voll auszunutzen.

Die Keimung der Kohlrabisamen erfolgt am besten bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad Celsius unter kontrollierten Bedingungen. Das Substrat sollte fein krümelig, nährstoffarm und frei von Unkrautsamen sein, um den Keimlingen einen optimalen Start ohne Konkurrenz zu ermöglichen. Man sät die Samen etwa einen Zentimeter tief ein und hält die Erde während der gesamten Keimphase gleichmäßig feucht, aber niemals klatschnass. Ein heller Standort nach dem Auflaufen der ersten Keimblätter verhindert, dass die jungen Pflanzen vergeilen und schwache Stängel entwickeln.

Lichtmangel während der frühen Entwicklungsphase ist einer der häufigsten Fehler, die bei der Vermehrung in Innenräumen gemacht werden. Die Keimlinge benötigen viel Photonenenergie, um stabile Zellwände und ein kompaktes Wachstumsmuster auszubilden, das sie für das spätere Auspflanzen fit macht. Man kann mit speziellen Pflanzenlampen nachhelfen, falls das natürliche Tageslicht im zeitigen Frühjahr an der Fensterbank noch nicht ausreichend intensiv ist. Sobald sich das erste echte Blattpaar nach den Keimblättern zeigt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um die kleinen Pflanzen in größere Gefäße zu pikieren.

Das Pikieren erfordert eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl, um die empfindlichen Wurzeln der jungen Kohlrabipflanzen nicht zu verletzen. Man hebt die Pflänzchen vorsichtig mit einem Pikierstab aus der Erde und setzt sie in Einzeltöpfe mit etwas nährstoffreicherer Anzuchterde um. Dabei sollte man sie bis knapp unter die Keimblätter einpflanzen, was die Standfestigkeit verbessert und die Bildung zusätzlicher Seitenwurzeln am Stängel anregt. Ein guter Kontakt zwischen den Wurzeln und der neuen Erde wird durch leichtes Andrücken und anschließendes Angießen mit einer feinen Brause sichergestellt.

Vorzucht und Abhärtung der Jungpflanzen

Die Vorzucht im Haus bietet den großen Vorteil, dass man einen deutlichen Zeitvorsprung gegenüber der Direktsaat im kalten Freiland gewinnen kann. Man beginnt etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Auspflanztermin mit der Aussaat in Schalen oder kleinen Töpfen unter Glas. Während dieser Zeit entwickeln die Pflanzen ein kräftiges Wurzelsystem, das ihnen den Übergang in den Gartenboden erheblich erleichtert und den Stress minimiert. Du solltest die Pflanzen regelmäßig kontrollieren, um sicherzustellen, dass sie genügend Platz haben und nicht durch Schädlinge wie Trauermücken gefährdet werden.

Ein entscheidender Schritt vor dem endgültigen Umzug ins Freiland ist das sogenannte Abhärten der jungen Gemüsepflanzen. Dabei gewöhnt man sie schrittweise an die direkten Sonnenstrahlen, den Wind und die schwankenden Außentemperaturen, die im Garten herrschen. Man stellt die Töpfe anfangs nur für wenige Stunden an einen geschützten, schattigen Platz im Freien und holt sie nachts wieder zurück ins schützende Haus. Diese Prozedur stärkt die Kutikula der Blätter und verhindert, dass die Pflanzen bei intensivem Sonnenlicht verbrennen oder durch einen Kälteschock im Wachstum stagnieren.

Die Temperaturführung während der Vorzucht hat einen massiven Einfluss auf die spätere Neigung der Pflanzen zum Schossen oder zur vorzeitigen Blütenbildung. Zu kühle Temperaturen über einen längeren Zeitraum können dem Keimling signalisieren, dass er bereits einen Winter durchlebt hat, was die generative Phase auslöst. Man spricht hierbei von Vernalisation, die man durch eine konstante Wärme von über 12 Grad Celsius in der Anzuchtphase vermeiden sollte. Ein professioneller Gärtner achtet daher penibel darauf, dass die Jungpflanzen niemals extremer Kälte ausgesetzt werden, bevor sie eine gewisse Größe erreicht haben.

Die Wasserversorgung während der Vorzucht muss sehr präzise erfolgen, um Wurzelfäule durch stehendes Wasser in den Anzuchtgefäßen zu unterbinden. Es ist ratsam, die Pflanzen von unten zu bewässern, indem man Wasser in die Untersetzer füllt und die Erde die Feuchtigkeit aufsaugen lässt. Dies fördert das Wurzelwachstum in die Tiefe und hält die Blattoberflächen trocken, was das Risiko für Pilzinfektionen wie den Falschen Mehltau reduziert. Sobald der Wurzelballen gut durchwurzelt ist und die Pflanzen eine Höhe von etwa zehn Zentimetern erreicht haben, sind sie bereit für das Beet.

Das Auspflanzen in das endgültige Gartenbeet

Der ideale Zeitpunkt für das Auspflanzen ist gekommen, wenn keine starken Nachtfröste mehr zu erwarten sind und der Boden sich bereits leicht erwärmt hat. Man bereitet das Beet vor, indem man die Erde tiefgründig lockert und gegebenenfalls eine Handvoll reifen Kompost in jedes Pflanzloch einarbeitet. Ein Pflanzabstand von etwa 25 bis 30 Zentimetern zwischen den Pflanzen und den Reihen sorgt dafür, dass jede Kohlrabi genügend Licht und Nährstoffe erhält. Du solltest darauf achten, dass die Pflanzen nicht tiefer gesetzt werden, als sie zuvor im Topf standen, da dies die Knollenbildung behindern könnte.

Beim Einsetzen in das Pflanzloch muss man besonders vorsichtig sein, um den Wurzelballen so wenig wie möglich zu stören oder gar aufzureißen. Man drückt die Erde rund um die Pflanze sanft an, sodass ein guter Bodenschluss entsteht, der die Wasseraufnahme aus der Umgebung unmittelbar ermöglicht. Ein kleiner Gießrand um jede Pflanze hilft dabei, das Gießwasser direkt an die Wurzeln zu leiten, anstatt es ungenutzt über das gesamte Beet abfließen zu lassen. Unmittelbar nach dem Pflanzen ist ein gründliches Angießen obligatorisch, um den sogenannten Pflanzschock zu überwinden und das Anwachsen zu beschleunigen.

Die Orientierung der Reihen sollte im Idealfall in Nord-Süd-Richtung verlaufen, um eine maximale Lichtausbeute über den ganzen Tag hinweg zu garantieren. Dies ist besonders wichtig in Gärten mit begrenztem Platzangebot oder wenn benachbarte, höhere Kulturen Schatten auf das Kohlrabibeet werfen könnten. Man kann zwischen den Kohlrabi-Reihen auch schnell wachsende Kulturen wie Radieschen oder Pflücksalat einsäen, die geerntet sind, bevor der Kohl den Platz beansprucht. Diese Form der Mischkultur optimiert die Flächennutzung und hält den Boden durch die dichte Beschattung länger feucht und aktiv.

Falls nach dem Auspflanzen doch noch einmal eine Kaltfront droht, sollte man die jungen Pflanzen kurzzeitig mit einem Garten-Vlies oder einem Folientunnel abdecken. Diese einfachen Schutzmaßnahmen verhindern Frostschäden an den empfindlichen Blättern und sorgen dafür, dass das Wachstum nicht abrupt unterbrochen wird. Man sollte die Abdeckung jedoch entfernen, sobald die Temperaturen wieder steigen, um die Belüftung zu verbessern und die Pflanzen zu stärken. Eine aufmerksame Beobachtung der Wettervorhersage gehört in dieser kritischen Phase des Gartenjahres zum Pflichtprogramm eines jeden passionierten Gärtners.

Direktsaat im Freiland als Alternative

Die Direktsaat von Kohlrabi ist vor allem für späte Sorten oder in Regionen mit einem sehr milden Klima eine zeitsparende und effektive Methode der Vermehrung. Man sät die Samen ab Ende April direkt in die vorbereiteten Reihen aus, wobei man auf eine gleichmäßige Verteilung des Saatguts achten sollte. Da die Samen im Freiland ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind, ist ein feuchtes und fein krümeliges Saatbett hier von noch größerer Bedeutung als bei der Vorzucht. Du kannst die Aussaatreihen mit Markierstäben kennzeichnen, um bei der späteren Unkrautbekämpfung nicht versehentlich die jungen Keimlinge zu entfernen.

Sobald die Keimlinge eine handliche Größe erreicht haben, müssen sie auf den gewünschten Endabstand von etwa 25 Zentimetern in der Reihe ausgedünnt werden. Man entfernt dabei die schwächeren Pflanzen und lässt nur die kräftigsten Exemplare stehen, damit diese sich optimal entwickeln können. Die entnommenen Pflänzchen können, sofern sie vorsichtig herausgehoben wurden, an anderer Stelle im Garten wieder eingesetzt oder direkt in der Küche verwendet werden. Diese Methode erfordert zwar etwas mehr Geduld beim Keimen, führt aber oft zu besonders robusten Pflanzen, die tief im Boden verwurzelt sind.

Ein Vorteil der Direktsaat besteht darin, dass die Pflanzen kein Umpflanzen erleben und somit keinen Stillstand im Wachstum durch den Wurzelverlust hinnehmen müssen. Sie entwickeln von Anfang an ein Pfahlwurzelsystem, das sie widerstandsfähiger gegen kurze Trockenperioden im Sommer macht, da sie Wasser aus tieferen Schichten ziehen können. Man sollte jedoch bedenken, dass direkt gesäte Bestände länger im Beet stehen und somit länger vor Vogelfraß oder Schnecken geschützt werden müssen. Ein Schutznetz über den Reihen kann hier Wunder wirken und die jungen Keimlinge vor hungrigen Gartenbewohnern bewahren.

Die Pflege der direkt gesäten Kohlrabi unterscheidet sich im weiteren Verlauf kaum von der Pflege der vorgezogenen Exemplare hinsichtlich Düngung und Bewässerung. Man muss lediglich in der Anfangsphase akribischer auf das Aufkommen von Unkraut achten, da die Keimlinge anfangs recht klein und unscheinbar sind. Regelmäßiges Hacken und gegebenenfalls das Nachsäen an kahlen Stellen sorgen für einen gleichmäßigen Bestand und eine harmonische Entwicklung der Knollen. Mit der richtigen Sortenwahl und ein wenig Geschick lässt sich so über viele Monate hinweg eine kontinuierliche Versorgung mit frischem Kohlrabi sicherstellen.