Der Schnitt und Rückschnitt bei Kohlrabi unterscheidet sich grundlegend von der Pflege von Obstgehölzen oder Zierpflanzen, da es sich um eine einjährige Gemüsepflanze handelt. Dennoch spielen gezielte Eingriffe an der Blattmasse und die richtige Behandlung der Pflanze vor und nach der Ernte eine wichtige Rolle für die Pflanzengesundheit und die Qualität der Knolle. Ein sachkundiger Umgang mit dem Messer fördert die Belüftung, reduziert den Krankheitsdruck und optimiert die Nährstoffverteilung innerhalb der Pflanze während der kritischen Wachstumsphasen. In den folgenden Kapiteln erfährst du, wann und wie du zur Schere greifen solltest, um deine Kohlrabikulturen professionell zu betreuen.
Die gezielte Blattpflege während des Wachstums
Während der Wachstumsphase ist es oft sinnvoll, die untersten Blätter der Kohlrabipflanze zu entfernen, sobald diese den Boden berühren oder gelblich werden. Diese Blätter haben meist ihre maximale Photosyntheseleistung bereits überschritten und dienen oft als Brücke für bodenbürtige Pilzsporen oder als Versteck für Schnecken. Durch das Entfernen dieser bodennahen Blätter wird die Luftzirkulation rund um die sich entwickelnde Knolle erheblich verbessert, was das Risiko für Fäulnis minimiert. Du solltest darauf achten, die Blätter mit einem sauberen Schnitt direkt am Stängel abzutrennen, ohne dabei die empfindliche Haut der Knolle zu verletzen.
Ein zu starker Rückschnitt der gesunden Blattmasse sollte jedoch unbedingt vermieden werden, da die Blätter die Fabriken der Pflanze sind, in denen die Energie für die Knollenbildung produziert wird. Jedes Blatt trägt zur Versorgung der Knolle mit Kohlenhydraten bei, und ein radikaler Schnitt würde das Wachstum abrupt verlangsamen oder gar stoppen. Man entfernt daher nur so viel, wie für die Hygiene und Belüftung unbedingt notwendig ist, und belässt den Großteil des Laubes an der Pflanze. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Blattfläche und Knollenvolumen ist das Ziel eines jeden professionellen Gärtners bei der Pflege seiner Kohlrabi.
In Phasen von starkem Schädlingsbefall, wie beispielsweise durch die Raupen des Kohlweißlings, kann ein teilweiser Rückschnitt der am stärksten geschädigten Blätter helfen, die Population einzudämmen. Wenn man bemerkt, dass bestimmte Blätter fast komplett skelettiert sind, ist es besser, diese zu entfernen und mitsamt den Schädlingen aus dem Garten zu entsorgen. Die Pflanze kann ihre verbliebene Energie dann in die Regeneration neuer, gesunder Blätter stecken, anstatt die irreparablen Reste mühsam mitversorgen zu müssen. Man sollte nach einem solchen Eingriff für eine ausreichende Wasser- und Nährstoffzufuhr sorgen, um die Erholung der Kohlrabi zu unterstützen.
Die Herzblätter im Zentrum der Pflanze sind tabu für jegliche Schnittmaßnahmen, da sie das primäre Wachstumsorgan darstellen und die zukünftige Entwicklung der Knolle steuern. Verletzungen in diesem Bereich führen oft zum sogenannten „Herzloswerden“, bei dem die Pflanze keine neuen Blätter mehr bilden kann und die Knollenbildung einstellt. Man sollte bei allen Arbeiten im Beet, sei es beim Hacken oder beim vorsichtigen Ausputzen, immer einen Sicherheitsabstand zum Herz der Pflanze einhalten. Eine intakte Herzregion ist die Lebensversicherung für eine erfolgreiche Ernte am Ende der Saison.
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Wurzelbeschnitt und seine physiologischen Auswirkungen
Ein Wurzelbeschnitt wird bei Kohlrabi normalerweise nur indirekt während des Pikiervorgangs oder beim Umpflanzen der Setzlinge durchgeführt. Durch das leichte Einkürzen der längsten Wurzeln beim Umsetzen wird die Pflanze angeregt, vermehrt feine Seitenwurzeln zu bilden, was die Nährstoffaufnahme im neuen Substrat verbessert. Dieser Effekt ist jedoch nur bei sehr jungen Pflanzen wünschenswert und sollte bei älteren Exemplaren im Beet unbedingt vermieden werden. Man muss beim Pflanzen darauf achten, dass die Wurzeln nicht geknickt oder in zu kleine Löcher gequetscht werden, was einem unfreiwilligen Rückschnitt gleichkäme.
Verletzungen des Wurzelsystems durch zu tiefes Hacken im Beet können das Wachstum der Kohlrabi empfindlich stören und zu einem vorzeitigen Verholzen der Knolle führen. Da Kohlrabi flach wurzelt, reagiert er sehr sensibel auf mechanische Einwirkungen im oberflächennahen Bodenbereich, die die feinen Wurzelhaare zerstören. Ein gestörtes Wurzelsystem kann die Knolle in Stresszeiten nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen, was die gefürchteten Qualitätseinbußen im Fruchtfleisch provoziert. Du solltest daher im unmittelbaren Umkreis der Pflanzen nur sehr oberflächlich arbeiten oder den Boden durch Mulchen locker halten, um auf das Hacken verzichten zu können.
Ein gezielter Wurzelrückschnitt bei der Ernte ist hingegen notwendig, um die Knolle für die Lagerung oder den Verkauf vorzubereiten und den Feuchtigkeitsverlust zu minimieren. Man schneidet die Hauptwurzel etwa ein bis zwei Zentimeter unterhalb der Knolle sauber ab, wobei ein scharfes Messer die Entstehung von Quetschwunden verhindert. Diese saubere Schnittstelle trocknet schnell ab und bildet einen natürlichen Verschluss, der das Eindringen von Keimen während der Lagerung erschwert. Die entnommenen Wurzelreste können im Boden verbleiben und dort verrotten, sofern keine Anzeichen für Krankheiten wie Kohlhernie vorliegen.
In spezialisierten Anbauformen, wie etwa in Hydrokulturen, wird das Wurzelwachstum durch regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls durch technisches Einkürzen gesteuert, um eine Überwucherung der Systeme zu verhindern. Für den klassischen Erdanbau im Garten ist dies jedoch nicht relevant und würde mehr Schaden als Nutzen anrichten. Man sollte die Wurzeln als das fundamentale Versorgungssystem betrachten, das so ungestört wie möglich arbeiten muss, damit die Knolle oberirdisch prall und saftig werden kann. Die Pflege des Untergrunds ist somit indirekt die wichtigste Form der „Schnittpflege“ für das gesamte Wurzelsystem der Kohlrabi.
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Maßnahmen nach der Ernte und Beetreinigung
Nachdem die Kohlrabiknolle geerntet wurde, bleibt oft ein beträchtlicher Teil der Pflanze im Boden zurück, der fachgerecht entfernt oder verarbeitet werden muss. Man sollte den verbliebenen Wurzelstock zeitnah aus der Erde ziehen, um zu verhindern, dass dieser erneut austreibt oder als Wirt für Schädlinge und Krankheiten dient. Diese Pflanzenreste sind wertvolles organisches Material und können nach dem Zerkleinern auf den Komposthaufen gegeben werden, sofern sie gesund sind. Ein sauber geräumtes Beet ist die beste Voraussetzung für die Vorbereitung der Fläche auf die nächste Kultur im Rahmen deiner Fruchtfolge.
Der Rückschnitt der Blätter unmittelbar nach der Ernte dient auch dazu, die Verdunstung über das Laub zu stoppen und die Knolle somit länger knackig zu halten. Wenn du den Kohlrabi nicht sofort verbrauchst, solltest du die großen Blätter entfernen, aber die kleinen Herzblätter als Frischeindikator stehen lassen. Die Blätter selbst sind übrigens kein Abfall, sondern können in der Küche wie Spinat oder für Suppen verwendet werden, da sie sehr mineralstoffreich sind. Man kann die Blätter auch fein hacken und als direkten Mulch wieder auf das Beet ausbringen, um dem Boden Nährstoffe zurückzugeben.
Sollten die Pflanzen während der Saison von Krankheiten befallen worden sein, ist ein gründlicher Rückschnitt und das vollständige Entfernen aller Pflanzenteile aus dem Gartenbereich zwingend erforderlich. In diesem Fall dürfen weder Blätter noch Wurzeln kompostiert werden, da viele Erreger den Kompostierungsprozess überdauern und im nächsten Jahr wieder im Garten verteilt würden. Man entsorgt solches Material am besten über die Biotonne oder, falls erlaubt, durch kontrolliertes Verbrennen, um die Hygiene im Garten sicherzustellen. Diese konsequente Nachbereitung schützt deine zukünftigen Kulturen vor einem unnötig hohen Infektionsdruck aus dem Boden.
Abschließend lässt sich sagen, dass der bewusste Einsatz von Schnittmaßnahmen die Vitalität deiner Kohlrabi-Kultur maßgeblich unterstützt, wenn man die biologischen Grundlagen beachtet. Weniger ist oft mehr, besonders wenn es um den Erhalt der funktionalen Blattfläche während der Hauptwachstumszeit geht. Mit ein wenig Erfahrung wirst du schnell lernen, welche Blätter entfernt werden müssen und wie du die Pflanze bei der Ernte optimal behandelst. Ein fachgerecht gepflegter und beernteter Kohlrabi ist das Ergebnis einer Kette von kleinen, wohlüberlegten Handgriffen, die in der Summe zum gärtnerischen Erfolg führen.