In der klassischen Literatur zum Gemüsebau wird das Thema Beschneiden bei Kichererbsen oft nur am Rande erwähnt. Dennoch kann ein gezielter Eingriff mit der Schere oder den Fingern die Vitalität und den Ertrag dieser Hülsenfrucht positiv beeinflussen. Es geht dabei weniger um einen radikalen Rückschnitt, wie man ihn von Obstbäumen kennt, sondern vielmehr um eine feine Steuerung des Wachstums. Mit dem richtigen Wissen über die Physiologie der Pflanze kannst du die Energie gezielt in die Bildung der Schoten lenken.

Kichererbse
Cicer arietinum
Pflegeleicht
Naher Osten
Einjährige Hülsenfrucht
Umgebung & Klima
Lichtbedarf
Volle Sonne
Wasserbedarf
Niedrig (Trockenheitsresistent)
Luftfeuchtigkeit
Niedrig bis mäßig
Temperatur
Warm (18-30°C)
Frosttoleranz
Frostempfindlich (0°C)
Überwinterung
Keine (Einjährig)
Wachstum & Blüte
Höhe
20-50 cm
Breite
20-40 cm
Wachstum
Moderat
Schnitt
Nicht erforderlich
Blütekalender
Juni - Juli
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Boden & Pflanzung
Bodenansprüche
Wohl drainiert, sandig-lehmig
Boden-pH
Neutral bis alkalisch (6.0-8.0)
Nährstoffbedarf
Gering (Stickstofffixierend)
Idealer Standort
Gemüsegarten / Feld
Merkmale & Gesundheit
Zierwert
Gering
Laubwerk
Kleine, gefiederte Blättchen
Duft
Keine
Toxizität
Ungiftig (Essbare Samen)
Schädlinge
Hülsenfruchtbohrer, Blattläuse
Vermehrung
Samen

Das Entspitzen für eine bessere Verzweigung

Kichererbsen neigen manchmal dazu, einen dominanten Haupttrieb zu bilden, der schnell in die Höhe schießt, während die Seitenverzweigung auf der Strecke bleibt. Wenn die Jungpflanze eine Höhe von etwa 15 bis 20 Zentimetern erreicht hat, kannst du die oberste Triebspitze vorsichtig ausbrechen oder abschneiden. Dieser kleine Eingriff hebt die sogenannte Apikaldominanz auf und regt die Pflanze dazu an, vermehrt Seitentriebe aus den Blattachseln zu bilden. Eine buschigere Pflanze bietet mehr Ansätze für Blüten und ist insgesamt standfester gegenüber Wind.

Durch das Entspitzen erhöhst du nicht nur potenziell den Ertrag, sondern sorgst auch für eine kompaktere Wuchsform. In Gärten mit begrenztem Platz oder in windanfälligen Lagen ist dies ein großer Vorteil. Achte jedoch darauf, dass du diesen Eingriff nur bei gesunden und kräftigen Pflanzen vornimmst. Eine schwächliche Pflanze würde durch den Verlust ihrer Triebspitze eher gestresst werden und im Wachstum stagnieren. Der ideale Zeitpunkt ist ein trockener Tag, damit die kleinen Wunden schnell und sauber verheilen können.

Helena
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Es ist interessant zu beobachten, wie die Pflanze bereits wenige Tage nach dem Entspitzen ihre Strategie ändert. Die neu entstehenden Seitentriebe füllen den Raum schneller aus und sorgen für eine bessere Bodenbeschattung. Dies unterdrückt wiederum das Unkrautwachstum im unmittelbaren Umkreis der Pflanze. Man erzielt also mit einem einzigen Schnitt mehrere positive Effekte für das gesamte Mikrosystem des Beetes. Die Kichererbse zeigt hier eine bemerkenswerte Regenerationskraft.

Übertreibe es jedoch nicht mit dem Beschneiden der Seitentriebe. Jeder Trieb trägt Blätter, die für die Photosynthese wichtig sind, und jede übermäßige Entfernung von Grünmasse schwächt die Pflanze insgesamt. Das Ziel ist eine harmonische Balance zwischen vegetatievem Wachstum und generativer Phase. Beobachte, wie deine spezifische Sorte auf das Entspitzen reagiert, da es hier von Pflanze zu Pflanze feine Unterschiede geben kann.

Die Reinigung des Bestandes

Während der laufenden Saison ist es sinnvoll, vertrocknete oder krank wirkende Blätter im unteren Bereich der Pflanze regelmäßig zu entfernen. Diese Blätter erhalten oft kaum noch Licht und sind aufgrund der Nähe zum Boden am ehesten gefährdet, von Pilzsporen besiedelt zu werden. Durch das vorsichtige Auslichten verbesserst du die Luftzirkulation im Inneren des Pflanzenbusches erheblich. Trockene Luft ist der natürliche Feind vieler Krankheitserreger, die eine hohe Luftfeuchtigkeit bevorzugen.

Sollten sich Triebe zeigen, die offensichtlich von Schädlingen befallen oder deformiert sind, solltest du diese ebenfalls konsequent herausschneiden. Dies verhindert eine weitere Ausbreitung von Problemen auf die gesunden Teile der Kultur. Verwende für diese Arbeiten immer eine scharfe und saubere Schere, um das Pflanzengewebe nicht zu quetschen. Ein sauberer Schnitt heilt wesentlich schneller und bietet weniger Angriffsfläche für Sekundärinfektionen. Die Hygiene am Arbeitsgerät ist hierbei oberstes Gebot.

Ein weiterer Aspekt der Reinigung ist das Entfernen von Trieben, die zu flach am Boden liegen. Diese „Bodenreiter“ tragen oft Schoten, die bei Regen verschmutzen oder anfangen zu faulen, weil sie keinen Kontakt zur trockenen Luft haben. Wenn du diese Triebe frühzeitig entfernst oder hochbindest, konzentriert die Pflanze ihre Kraft auf die höher gelegenen Etagen. Dies führt zu einer gleichmäßigeren Reifung und einer besseren Qualität der geernteten Kichererbsen.

Denke daran, dass das Beschneiden auch eine Gelegenheit zur Inspektion ist. Während du dich über die Pflanzen beugst, siehst du Details, die dir im Vorbeigehen entgehen würden. Du erkennst den ersten Blattlausbefall oder Nährstoffmangel viel eher und kannst entsprechend gegensteuern. Das Hantieren an den Pflanzen schafft eine tiefere Verbindung zu deinem Garten und lässt dich die Entwicklung deiner Schützlinge hautnah miterleben.

Schnittmaßnahmen am Ende der Saison

Gegen Ende der Vegetationsperiode, wenn die ersten Schoten bereits braun werden, kann ein leichter Rückschnitt der noch grünen, blütenlosen Triebspitzen sinnvoll sein. Die Pflanze stellt zu diesem Zeitpunkt oft noch neues Grün her, das jedoch keine Chance mehr hat, vor dem ersten Frost reife Samen zu produzieren. Durch das Entfernen dieser jungen Triebe zwingst du die Kichererbse förmlich dazu, ihre gesamte Restenergie in die Ausreifung der bereits vorhandenen Schoten zu stecken. Dies beschleunigt den Reifeprozess und verbessert die Lagerfähigkeit der Samen.

Achte darauf, diesen späten Rückschnitt nicht zu radikal durchzuführen. Die Pflanze benötigt immer noch einen gewissen Anteil an aktiven Blättern, um die Samen mit Nährstoffen zu versorgen. Es geht lediglich darum, die Neubildung von unwirtschaftlichem Gewebe zu stoppen. In Regionen mit kurzen Sommern kann dieser Kniff den Unterschied zwischen einer erfolgreichen Ernte und vielen unreifen Schoten ausmachen. Es ist eine Technik der gezielten Ressourcensteuerung kurz vor dem Ziel.

Nachdem die Ernte abgeschlossen ist, folgt der finale „Rückschnitt“, der eigentlich ein Abräumen des Beetes ist. Wie bereits erwähnt, sollten die Wurzeln im Boden verbleiben, während du die oberirdischen Teile knapp über der Erdoberfläche abschneidest. Diese Pflanzenreste sind wertvolles Material für den Kompost oder können gehäckselt als Mulch dienen. So schließt du den Kreislauf der Nährstoffe und bereitest die Fläche auf die nächste Saison vor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kichererbse zwar keinen obligatorischen Schnitt benötigt, aber sehr positiv auf kleine korrigierende Eingriffe reagiert. Ob durch Entspitzen in der Jugend oder Auslichten im Sommer – du hast es in der Hand, die Vitalität deiner Pflanzen zu fördern. Gehe stets mit Bedacht vor und lerne aus der Reaktion deiner Pflanzen. So wirst du mit der Zeit ein Gespür dafür entwickeln, wann die Schere zum Einsatz kommen sollte und wann man der Natur besser ihren freien Lauf lässt.