Die menge an sonnenlicht, die eine rhabarberpflanze im laufe des tages erhält, beeinflusst maßgeblich ihre wuchskraft und die qualität der ernte. Rhabarber gilt als sonnenanbeter, der für eine optimale entwicklung mindestens sechs bis acht stunden direktes licht benötigt, um ausreichend energie zu produzieren. Über die großen blätter betreibt die staude intensive photosynthese, was für den aufbau der dicken, fleischigen stiele und die speicherung von reservestoffen unerlässlich ist. Dennoch zeigt sich die pflanze in bezug auf den standort erstaunlich anpassungsfähig, solange bestimmte mindestanforderungen erfüllt sind.
Ein sonniger standort fördert nicht nur ein schnelles wachstum im frühjahr, sondern sorgt auch für eine intensivere rote ausfärbung vieler sorten. Die wärme der sonne erwärmt den boden frühzeitig, was den austrieb im märz beschleunigt und somit eine frühere ernte ermöglicht. In schattigen lagen hingegen bleiben die stiele oft blasser und entwickeln ein weniger intensives aroma, was für manche kulinarische anwendungen jedoch durchaus gewünscht sein kann. Die richtige lichtplanung im garten ist daher ein wichtiger baustein für den langfristigen erfolg bei der rhabarberkultivierung.
Halbschatten als alternative zum vollen licht
Obwohl rhabarber die pralle sonne liebt, kommt er auch an halbschattigen plätzen im garten meist erstaunlich gut zurecht. Besonders in regionen mit sehr heißen und trockenen sommern kann ein leichter schatten während der mittagsstunden sogar von vorteil sein. Er verhindert, dass die großen blätter zu schnell welken oder durch intensive uv-strahlung verbrennungen erleiden, was den stress für die pflanze reduziert. In solchen lagen bleibt der boden zudem länger gleichmäßig feucht, was die bewässerungsintervalle etwas verlängern kann.
An schattigeren plätzen wächst der rhabarber oft etwas langsamer, was die ernteperiode leicht nach hinten verschieben kann. Die stiele neigen dazu, etwas länger und dünner zu werden, da die pflanze versucht, ihre blätter dem licht entgegenzustrecken. Wer mehrere rhabarberstauden an unterschiedlichen lichtstandorten pflanzt, kann durch die zeitversetzte reife die gesamte erntezeit geschickt verlängern. Wichtig bleibt jedoch, dass auch im halbschatten keine staunässe entsteht, da die abtrocknung der blätter hier etwas länger dauert.
Auswirkungen von lichtmangel auf die vitalität
Ein dauerhafter standort im tiefen schatten, beispielsweise unter dichten baumkronen oder an der nordseite von gebäuden, ist für rhabarber ungeeignet. Lichtmangel führt dazu, dass die pflanze ihre reserven aufbraucht, ohne durch photosynthese genügend neue energie gewinnen zu können. Die staude wird mit den jahren immer schwächer, bildet nur noch kümmerliche stiele aus und verliert schließlich ihre widerstandskraft gegen krankheiten. Auch die einlagerung von reservestoffen für den winter wird massiv beeinträchtigt, was zum absterben des wurzelstocks führen kann.
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Sollten benachbarte sträucher oder bäume im laufe der jahre zu viel schatten werfen, ist ein rechtzeitiger rückschnitt dieser gehölze ratsam. Alternativ kann man den rhabarberstock im zeitigen frühjahr ausgraben und an einen helleren platz im garten umpflanzen. Man erkennt lichtmangel oft an einer extremen streckung der blattstiele und sehr kleinen, hellgrünen blattspreiten, die kaum noch produktiv sind. Eine gute lichtversorgung ist somit die basis für eine langlebige und gesunde pflanze, die jedes jahr verlässliche erträge liefert.
Lichtsteuerung bei der verfrühten ernte
In der professionellen kultur wird der lichtbedarf des rhabarbers manchmal bewusst manipuliert, um besonders zarte und milde stiele zu erhalten. Beim sogenannten „treiben“ wird der rhabarberstock im frühen frühjahr mit lichtundurchlässigen gefäßen oder schwarzen folien abgedeckt. Durch den völligen lichtentzug wachsen die stiele extrem schnell in die höhe, bleiben aber zartrosa und enthalten deutlich weniger ballaststoffe und säure. Diese methode, die ursprünglich aus england stammt, nutzt den überlebensdrang der pflanze aus, die verzweifelt nach licht sucht.
Nach einer solchen verfrühung unter lichtabschluss muss der pflanze jedoch eine längere regenerationsphase gegönnt werden, damit sie sich erholen kann. Die gebleichten stiele sind eine delikatesse, aber der energetische aufwand für die staude ist enorm hoch, da sie keine photosynthese betreiben konnte. Im normalen hausgarten reicht meist das natürliche sonnenlicht aus, um schmackhaften und gesunden rhabarber zu produzieren. Letztlich ist das zusammenspiel von licht, wärme und wasser der motor, der diese faszinierende nutzpflanze zu ihren höchstleistungen antreibt.