Der schwarze Holunder gehört zu den heimischen Gehölzen und ist von Natur aus hervorragend an die mitteleuropäischen Winter angepasst. Er zählt zu den frostharten Pflanzen, die selbst zweistellige Minusgrade ohne dauerhafte Schäden überstehen können. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die besonders jungen Pflanzen oder solchen in Kübelhaltung den Übergang in das neue Frühjahr erleichtern. Ein gut vorbereiteter Strauch startet im März deutlich kraftvoller in die neue Vegetationsperiode.

Sobald die Tage kürzer werden und die ersten Nachtfröste drohen, beginnt der Holunder, seine Nährstoffe aus den Blättern in das alte Holz und die Wurzeln zurückzuziehen. Dieser natürliche Prozess wird durch das Gelbwerden und schließlich den Abwurf des Laubes sichtbar gemacht. Das herabgefallene Laub sollte unter dem Strauch verbleiben, da es eine natürliche Isolierschicht gegen Bodenfrost bildet. Wer seinen Garten sehr ordentlich hält, kann stattdessen eine Schicht aus Stroh oder Tannenreisig aufbringen.

Ein wichtiger Faktor für die Winterhärte ist der Zeitpunkt der letzten Düngung im Spätsommer. Man sollte darauf verzichten, nach dem Monat Juli stickstoffreiche Dünger auszubringen, da diese das Wachstum neuer, weicher Triebe fördern. Diese jungen Zweige haben vor dem Winter keine Zeit mehr, richtig zu verholzen und würden beim ersten starken Frost unweigerlich erfrieren. Ein gut ausgereiftes Holz ist die beste Versicherung gegen Kälteschäden an der gesamten Pflanze.

Auch die Wasserversorgung spielt im Winter eine oft unterschätzte Rolle, besonders bei langanhaltenden Kahlfrösten ohne Schneedecke. An sonnigen Wintertagen verdunsten die Zweige des Holunders Feuchtigkeit, die sie aus dem gefrorenen Boden nicht nachliefern können. In solchen Phasen droht der Strauch eher zu vertrocknen als zu erfrieren, was als Frosttrocknis bezeichnet wird. Ein Gießen an frostfreien Tagen kann daher bei extremer Trockenheit durchaus sinnvoll sein.

Schutzmaßnahmen für junge Pflanzen

Frisch gepflanzte Holundersträucher verfügen noch nicht über das tiefreichende Wurzelsystem ihrer älteren Artgenossen. In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung ist daher ein zusätzlicher Schutz im Wurzelbereich sehr empfehlenswert. Eine Anhäufung von Erde oder eine dicke Schicht aus reifem Kompost schützt die zarten Wurzeln vor dem Durchfrieren. Dies ist besonders wichtig in Regionen mit sehr rauen Wintern oder in zugigen Lagen.

Bei sehr jungen Exemplaren kann es auch ratsam sein, den Stammfuß mit einer Manschette aus Schafwolle oder Jute zu umwickeln. Dies verhindert Spannungsrisse in der Rinde, die durch große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht entstehen können. Wenn die Wintersonne auf den gefrorenen Stamm trifft, dehnt sich die Rinde einseitig aus, was zu tiefen Rissen führen kann. Solche Wunden sind im Frühjahr oft ideale Eintrittspforten für Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze.

Sollte es im späten Frühjahr zu extremen Spätfrösten kommen, wenn der Holunder bereits ausgetrieben hat, ist schnelle Hilfe gefragt. Ein einfaches Vlies, das über Nacht locker über den Strauch geworfen wird, schützt die empfindlichen jungen Blätter und Blütenansätze. Diese Fröste im April oder Mai sind oft gefährlicher als der tiefste Winter, da das Pflanzengewebe dann voll im Saft steht. Ein kurzer Schutz für wenige Nächte kann die gesamte Ernte des Jahres retten.

Man sollte jedoch darauf achten, den Winterschutz nicht zu früh anzubringen und auch rechtzeitig wieder zu entfernen. Eine zu warme Einpackung kann dazu führen, dass der Strauch vorzeitig austreibt und dann erst recht frostempfindlich wird. Die Natur gibt meist den richtigen Rhythmus vor, an dem man sich als Gärtner orientieren sollte. Ein bisschen Wachsamkeit reicht völlig aus, um die jungen Pflanzen sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen.

Holunder im Kübel überwintern

Wer seinen Holunder in einem Topf oder Kübel auf der Terrasse kultiviert, muss deutlich mehr Aufwand für die Überwinterung betreiben. Da das Erdvolumen im Gefäß begrenzt ist, friert der Wurzelballen viel schneller komplett durch als im offenen Boden. Ein durchgefrorener Topf unterbricht die Wasseraufnahme vollständig und gefährdet die Vitalität des Strauches massiv. Daher sollte der Kübel idealerweise an einer geschützten Hauswand oder in einer windgeschützten Ecke platziert werden.

Um den Topf vor Frost zu schützen, kann man ihn mit Luftpolsterfolie, Jutesäcken oder speziellen Thermomatten umwickeln. Auch das Aufstellen des Gefäßes auf eine dicke Styroporplatte oder Holzfüße verhindert, dass die Kälte direkt vom Boden in den Kübel zieht. Die Oberseite der Erde sollte mit einer Schicht aus Tannenreisig oder trockenem Laub abgedeckt werden. Diese Maßnahmen schaffen ein Puffer, der extreme Temperaturschwankungen im Inneren des Topfes deutlich abmildert.

Die Wasserversorgung muss auch beim Kübel-Holunder im Winter im Auge behalten werden, da er im begrenzten Erdreich kaum Reserven hat. An frostfreien Tagen sollte der Boden kontrolliert und bei Bedarf mäßig gegossen werden, damit der Ballen nicht völlig austrocknet. Staunässe muss jedoch unbedingt vermieden werden, da gefrierendes Wasser im Topf die Wurzeln mechanisch zerstören kann. Ein guter Wasserabzug am Boden des Gefäßes ist daher auch im Winter eine absolute Grundvoraussetzung.

Ein heller, unbeheizter Raum wie eine Garage oder ein Kaltwintergarten kann ebenfalls als Winterquartier dienen, falls es draußen zu extrem wird. Die Temperaturen sollten dort jedoch nicht dauerhaft über fünf Grad steigen, damit der Strauch seine notwendige Winterruhe einhalten kann. Zu warme Überwinterung führt zu einem schwachen, vergeilten Austrieb, der im Frühjahr sehr anfällig für Schädlinge ist. Sobald die stärksten Fröste vorbei sind, sollte der Holunder wieder an die frische Luft umziehen.

Vorbereitung auf das Frühjahr

Der Winter ist auch eine gute Zeit, um sich Gedanken über den kommenden Rückschnitt des Holunders zu machen. Während der Saftruhe ist das Gerüst des Strauches ohne Laub sehr gut erkennbar, was die Planung erleichtert. Man kann bereits im Spätwinter damit beginnen, abgestorbene oder beschädigte Äste zu entfernen, solange es nicht extrem friert. Ein sauberer Schnitt verhindert, dass im Frühjahr unnötig Energie in kranke Pflanzenteile investiert wird.

Mit dem Ende des Winters und den ersten wärmeren Sonnenstrahlen beginnt der Boden aufzutauen und die Wurzeln werden wieder aktiv. Jetzt ist der richtige Moment, um alte Mulchschichten zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzulockern. Wenn die Erde wieder aufnahmefähig ist, kann eine erste vorsichtige Gabe von reifem Kompost als Starthilfe ausgebracht werden. Dies gibt der Pflanze die nötigen Nährstoffe für den bevorstehenden, oft sehr rasanten Austrieb.

Vermeiden sollte man es jedoch, bei gefrorenem Boden zu viel auf der Wurzelscheibe herumzutreten, um Bodenverdichtungen zu verhindern. Die feinen Wurzeln sind bei Frost sehr spröde und können leicht brechen, was die Wasseraufnahme im Frühjahr beeinträchtigen würde. Ein vorsichtiger Umgang mit dem Boden rund um den Stamm zahlt sich durch ein gesundes Wachstum aus. Geduld ist im späten Winter oft die wichtigste Tugend des Gärtners.

Sobald die Knospen anfangen zu schwellen, zeigt der Holunder an, dass er den Winter erfolgreich überstanden hat. Ab diesem Zeitpunkt kann man die Winterschutzmaßnahmen schrittweise abbauen, um die Pflanze an die Außenwelt zu gewöhnen. Ein kräftiges Durchtreiben der Blätter ist das sicherste Zeichen für eine gelungene Überwinterung. Nun beginnt ein neues Gartenjahr, in dem der Holunder wieder mit seinen Blüten und Beeren begeistern wird.