Die erfolgreiche Pflanzung und Vermehrung der Schiefteller ist die Grundlage für eine prächtige Sammlung dieser außergewöhnlichen Gewächse in deinem Zuhause. Da diese Pflanzen aus Rhizomen wachsen, unterscheidet sich der Prozess deutlich von der Aussaat herkömmlicher Sommerblumen aus dem Samentütchen. Es ist ein faszinierendes Erlebnis zu beobachten, wie aus den kleinen, fast unscheinbaren schuppigen Gebilden kräftige Pflanzen entstehen. Mit dem richtigen Wissen über den idealen Zeitpunkt und die korrekte Technik sicherst du dir Jahr für Jahr eine blühende Vielfalt.
Der beste Zeitpunkt für das Pflanzen der Rhizome liegt im zeitigen Frühjahr, meist zwischen Februar und April. Sobald die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, regen die Hormone in den Rhizomen das Wachstum an. Du solltest sie erst aus ihrem Winterquartier holen, wenn du ihnen einen warmen Platz zum Keimen bieten kannst. Ein heller Platz auf der Fensterbank ist ideal, um die ersten zarten Triebe aus der Erde zu locken.
Bevor du mit dem Pflanzen beginnst, solltest du die Rhizome genau inspizieren und auf ihre Vitalität prüfen. Gesunde Exemplare fühlen sich fest an und zeigen oft schon winzige, helle Vegetationspunkte an den Enden. Wenn du Rhizome entdeckst, die weich, matschig oder völlig vertrocknet sind, solltest du diese aussortieren, da sie keine gesunden Pflanzen mehr hervorbringen. Eine gute Vorbereitung des Pflanzmaterials ist der erste Schritt zu einem üppigen Blütenmeer.
Wähle für die Pflanzung flache Schalen oder Töpfe aus, da Schiefteller eher flach wurzelnde Pflanzen sind. Ein zu tiefer Topf birgt die Gefahr, dass die untere Erdschicht zu lange feucht bleibt und die Rhizome von unten her zu faulen beginnen. Kunststofftöpfe halten die Feuchtigkeit gleichmäßiger, während Tontöpfe atmungsaktiver sind, aber öfter kontrolliert werden müssen. Letztlich hängt die Wahl des Gefäßes von deinen individuellen Gießgewohnheiten und dem Standort ab.
Der korrekte Pflanzvorgang Schritt für Schritt
Fülle das Pflanzgefäß zunächst etwa zwei Drittel hoch mit einem lockeren, leicht feuchten Substrat deiner Wahl. Die Rhizome werden dann flach auf die Erdoberfläche gelegt, wobei man auf einen ausreichenden Abstand zwischen den einzelnen Stücken achten sollte. In einen Topf mit zwölf Zentimetern Durchmesser passen je nach Größe etwa drei bis fünf Rhizome. Wenn du sie zu dicht pflanzt, konkurrieren die Triebe später um Licht und Platz, was zu einem schwächeren Wuchs führt.
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Nachdem die Rhizome platziert sind, bedeckst du sie mit einer etwa zwei bis drei Zentimeter dicken Schicht aus feiner Erde. Drücke die Oberfläche nur ganz leicht mit den Fingern an, damit die Struktur des Bodens locker bleibt und die Triebe leicht durchstoßen können. Es ist wichtig, dass die Rhizome nicht zu tief vergraben werden, da dies den Austrieb unnötig verzögert oder sogar verhindert. Ein lockeres Bett ist genau das, was die kleinen Kraftpakete jetzt für einen optimalen Start brauchen.
Das erste Angießen sollte sehr behutsam erfolgen, um die Rhizome nicht wegzuspülen oder die Erde zu stark zu verdichten. Verwende am besten eine Sprühflasche oder eine Gießkanne mit einer sehr feinen Brause und handwarmes Wasser. Das Substrat sollte gleichmäßig feucht sein, aber auf keinen Fall darf Wasser im Untersetzer stehen bleiben. In der Phase vor dem Austrieb ist der Wasserverbrauch der Pflanze noch minimal, daher ist weniger hier oft mehr.
Stelle die Töpfe nach dem Pflanzen an einen warmen Ort mit Temperaturen um die zweiundzwanzig Grad Celsius. Licht ist in den ersten Tagen noch nicht so entscheidend, da der Austrieb zunächst aus den Reserven des Rhizoms erfolgt. Sobald sich jedoch die ersten grünen Spitzen zeigen, benötigen die jungen Pflanzen so viel Licht wie möglich, ohne der direkten Mittagssonne ausgesetzt zu sein. Ein heller Standort sorgt für kompakte, kräftige Triebe und verhindert ein unschönes Vergeilen der Pflanzen.
Vermehrung durch Rhizomteilung
Die einfachste Methode, um deine Bestände zu vergrößern, ist die Teilung der Rhizome beim Umtopfen im Frühjahr. Da Schiefteller im Laufe einer Saison oft mehrere neue Rhizome bilden, vermehren sie sich bei guter Pflege fast von selbst. Du kannst die länglichen Rhizome vorsichtig in zwei oder drei Stücke brechen, wobei jedes Teil mindestens einen Vegetationspunkt haben sollte. Diese Teilstücke wachsen in der Regel problemlos zu eigenständigen, blühfähigen Pflanzen heran.
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Achte darauf, dass die Bruchstellen sauber sind und nicht unnötig gequetscht werden, um Infektionen zu vermeiden. Manche Gärtner bestäuben die Wundflächen mit etwas Holzkohlepulver, um Fäulniserreger abzuwehren und die Heilung zu beschleunigen. Es ist ratsam, die geteilten Rhizome nach dem Brechen ein paar Stunden an der Luft antrocknen zu lassen, bevor sie wieder in die Erde kommen. Dies festigt das Gewebe an der Schnittstelle und reduziert das Risiko von Schimmelbildung im feuchten Substrat.
Die Teilung ist auch eine gute Gelegenheit, veraltete oder schwache Partien der Pflanze zu verjüngen. Oft sind die ältesten Teile der Rhizome weniger vital und bringen nur noch spärliche Triebe hervor. Indem du nur die kräftigsten und frischesten Teilstücke für die Weiterkultur auswählst, steigerst du die Qualität deiner Pflanzen von Jahr zu Jahr. So bleibt deine Sammlung gesund und die Blütenpracht bleibt über die Saisons hinweg auf einem hohen Niveau.
Die geteilten Stücke werden genauso behandelt wie ganze Rhizome und in frische Erde gelegt. Schon nach wenigen Wochen wirst du sehen, wie aus jedem kleinen Teilstück neues Leben erwacht und die ersten Blättchen erscheinen. Es ist eine sehr effektive und kostengünstige Methode, um Freunden eine Freude zu machen oder den eigenen Bestand massiv zu erweitern. Wer einmal mit der Rhizomteilung Erfolg hatte, wird diese Technik immer wieder gerne anwenden.
Vermehrung durch Kopfstecklinge im Sommer
Wenn du während der Wachstumsperiode im Sommer weitere Pflanzen gewinnen möchtest, ist die Vermehrung durch Stecklinge eine hervorragende Option. Hierfür schneidest du etwa fünf bis acht Zentimeter lange Triebspitzen ab, die idealerweise noch keine Blütenknospen tragen. Der Schnitt sollte direkt unterhalb eines Blattknotens mit einem scharfen, sauberen Messer erfolgen. Entferne die unteren Blätter, damit nur der nackte Stängel in das Bewurzelungsmedium eingesteckt wird.
Als Substrat für die Stecklinge eignet sich eine Mischung aus Torfersatz und viel Sand oder reinem Perlit besonders gut. Die Stecklinge werden etwa zwei Zentimeter tief eingesteckt und die Erde um den Stiel herum leicht festgedrückt. Um die Luftfeuchtigkeit hochzuhalten, kannst du eine Plastiktüte über den Topf stülpen oder ihn in ein Minigewächshaus stellen. Achte darauf, täglich zu lüften, damit sich kein Kondenswasser staut und die empfindlichen Stiele zu faulen beginnen.
Die Bewurzelung erfolgt bei warmen Temperaturen meist innerhalb von zwei bis drei Wochen recht zuverlässig. Du erkennst den Erfolg daran, dass die Stecklinge anfangen, neue Blätter aus der Mitte heraus zu schieben. Sobald sie ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt haben, können sie in normales Substrat umgetopft und wie erwachsene Pflanzen weiterkultiviert werden. Oft blühen diese jungen Pflanzen sogar noch im selben Spätsommer, wenn sie früh genug geschnitten wurden.
Diese Methode bietet den Vorteil, dass du gezielt besonders schöne oder kräftige Exemplare deiner Sammlung duplizieren kannst. Zudem ist es eine gute Möglichkeit, Pflanzen zu retten, deren unterer Teil vielleicht beschädigt wurde oder die zu lang geworden sind. Stecklingsvermehrung erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als die Arbeit mit Rhizomen, ist aber für ambitionierte Hobbygärtner eine sehr lohnende Beschäftigung. Mit etwas Übung wirst du eine sehr hohe Erfolgsquote bei der Bewurzelung deiner Schiefteller erreichen.