Die Neuanlage oder Vermehrung eines Lorbeers ist eine lohnende Aufgabe für jeden passionierten Hobbygärtner. Man legt hiermit den Grundstein für eine Pflanze, die über Generationen hinweg als treuer Begleiter dienen kann. Da der Lorbeer eher langsam wächst, ist beim Pflanzen und bei der Aufzucht eine gewisse Geduld erforderlich. Mit den richtigen Techniken lässt sich jedoch eine hohe Erfolgsquote bei der Etablierung neuer Exemplare erzielen.
Beim Einpflanzen eines gekauften Lorbeers sollte man zunächst den Wurzelballen in einem Eimer mit Wasser vollständig vollsaugen lassen. Dies garantiert, dass die Pflanze von Anfang an über ausreichend Feuchtigkeit in ihren Zellen verfügt. Das Pflanzloch oder der neue Kübel muss groß genug sein, um den Wurzeln ausreichend Raum zur Entfaltung zu bieten. Man füllt den Boden zunächst mit einer Schicht aus hochwertiger Erde, bevor man die Pflanze vorsichtig einsetzt.
Die richtige Pflanztiefe ist entscheidend für die spätere Standfestigkeit und das Anwachsen der jungen Wurzeln. Der Lorbeer sollte genau so tief stehen, wie er zuvor in seinem Anzuchttopf gestanden hat. Ein zu tiefes Einpflanzen kann dazu führen, dass der Stammfuß zu faulen beginnt, was die Pflanze dauerhaft schädigt. Nach dem Auffüllen der Resthohlräume drückt man die Erde gleichmäßig an und wässert die Neuanpflanzung sehr gründlich ein.
Man sollte junge Pflanzen in der ersten Zeit nach dem Einsetzen besonders genau im Auge behalten. Ein leichter Stützstab kann helfen, den Lorbeer bei Wind stabil zu halten, bis die Wurzeln festen Halt im Boden gefunden haben. In dieser Phase ist ein konstanter Feuchtigkeitsgrad wichtig, ohne dass der Boden dabei matschig wird. Eine Mulchschicht aus organischem Material kann helfen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Unkraut zu unterdrücken.
Die klassische Vermehrung durch Stecklinge
Die Vermehrung über Stecklinge ist die gängigste Methode, um identische Klone einer besonders schönen Mutterpflanze zu erhalten. Man schneidet hierfür im Spätsommer etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter lange Triebe ab, die an der Basis bereits leicht verholzt sind. Die unteren Blätter werden entfernt, damit nur die obere Blattpartie erhalten bleibt, um die Verdunstung zu reduzieren. Ein sauberer Schnitt schräg unterhalb eines Blattknotens erhöht die Chancen auf eine schnelle Wurzelbildung.
Als Substrat für die Stecklinge eignet sich eine spezielle Anzuchterde, die nährstoffarm und besonders luftdurchlässig zusammengesetzt ist. Man steckt die vorbereiteten Triebe etwa zur Hälfte in das Substrat und drückt dieses leicht an. Um die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten, kann man eine transparente Haube oder eine Folie über das Gefäß stülpen. Es ist wichtig, diese Abdeckung täglich kurz zu lüften, um Schimmelbildung und Fäulnisprozesse zu vermeiden.
Ein heller Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung ist für die Bewurzelung der Stecklinge ideal geeignet. Die Bodentemperatur sollte konstant zwischen 20 und 25 Grad Celsius liegen, was im Haus meist gut realisierbar ist. Man muss nun Geduld aufbringen, da die Bildung der ersten Wurzeln beim Lorbeer mehrere Monate dauern kann. Erst wenn sich ein deutlicher neuer Blattaustrieb zeigt, kann man davon ausgehen, dass die Vermehrung erfolgreich war.
Sobald die jungen Pflanzen ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt haben, können sie vorsichtig in kleine Einzeltöpfe umgetopft werden. In dieser Phase beginnt man langsam damit, die Pflanzen an die normale Luftfeuchtigkeit ohne Schutzhaube zu gewöhnen. Eine erste vorsichtige Düngung kann erfolgen, sobald die Pflanze stabil wächst und mehrere neue Blattpaare gebildet hat. So zieht man sich Schritt für Schritt eine neue Generation robuster Lorbeersträucher heran.
Die Aufzucht aus Samen
Die Aussaat von Lorbeersamen ist eine Methode für besonders geduldige Gärtner, die den gesamten Lebenszyklus miterleben möchten. Man sollte darauf achten, möglichst frisches Saatgut zu verwenden, da die Keimfähigkeit mit der Lagerdauer schnell abnimmt. Vor der Aussaat können die Samen für etwa 24 Stunden in lauwarmem Wasser eingeweicht werden, um die harte Schale aufzuweichen. Dies simuliert den natürlichen Prozess und beschleunigt den Keimvorgang der ansonsten eher trägen Samen.
Man sät die Samen in flache Schalen mit Anzuchtsubstrat und bedeckt sie etwa einen Zentimeter tief mit Erde. Auch hier ist eine gleichmäßige Feuchtigkeit sowie eine warme Umgebungstemperatur für den Erfolg maßgeblich entscheidend. Es kann oft viele Wochen oder sogar Monate dauern, bis sich die ersten Keimlinge an der Oberfläche zeigen. Man sollte die Aussaatgefäße daher nicht zu früh entsorgen, falls sich scheinbar gar nichts im Topf bewegt.
Sobald die Keimlinge groß genug sind, um sie sicher zu greifen, müssen sie in größere Gefäße pikiert werden. Dabei sollte man sehr vorsichtig vorgehen, um die feinen und empfindlichen Wurzeln der Jungpflanzen nicht zu beschädigen. Eine lockere, nährstoffarme Erde fördert in dieser frühen Phase ein weit verzweigtes und stabiles Wurzelsystem. Die jungen Sämlinge sind noch sehr empfindlich gegenüber direktem Sonnenlicht und benötigen einen geschützten Platz.
Die Entwicklung aus Samen dauert wesentlich länger als bei der Stecklingsvermehrung, führt aber oft zu sehr vitalen Pflanzen. Man beobachtet bei Sämlingen häufig eine natürliche Variation in der Blattform und im Wuchsrhythmus der Pflanze. Dies macht die Aufzucht aus Samen zu einem spannenden Experiment für alle, die das Besondere suchen. Mit der Zeit entwickeln sich aus den kleinen Trieben stattliche Pflanzen, die ihren eigenen Charakter zeigen.
Wurzelbildung und Etablierung im Kübel
Ein gesundes Wurzelsystem ist das Fundament für ein langes Leben des Lorbeers in einem Pflanzgefäß. Man sollte bei der Auswahl des Kübels stets darauf achten, dass dieser ausreichend Abzugslöcher für das Gießwasser besitzt. Eine Drainageschicht aus Kies oder Tonscherben verhindert, dass die Wurzeln im Wasser stehen und dadurch ersticken. Die Wurzeln des Lorbeers bevorzugen ein Milieu, das zwar feucht, aber immer gut mit Sauerstoff versorgt ist.
Wenn man eine junge Pflanze in einen Kübel setzt, sollte man das Substrat nicht zu stark komprimieren. Die Wurzeln benötigen Porenräume in der Erde, um sich ungehindert ausbreiten und das Gefäß durchwurzeln zu können. Man kann durch leichtes Klopfen gegen die Topfwand dafür sorgen, dass sich die Erde gleichmäßig um den Ballen verteilt. Eine abschließende Schicht aus feinem Kies kann die Verdunstung an der Oberfläche reduzieren und sieht zudem gepflegt aus.
In den ersten Jahren ist das Wurzelwachstum oft stärker ausgeprägt als das sichtbare Wachstum der oberirdischen Pflanzenteile. Man sollte sich davon nicht beunruhigen lassen, da die Pflanze erst ein stabiles Fundament für die Krone errichtet. Ein regelmäßiges Überprüfen der Wurzelsubstanz beim Umtopfen gibt Sicherheit über den Gesundheitszustand der gesamten Pflanze. Gesunde Wurzeln haben eine helle, fast weißliche Farbe und riechen frisch nach Erde.
Falls man feststellt, dass die Wurzeln bereits ringförmig am Topfrand wachsen, sollte man sie vorsichtig auflockern. Dies regt die Bildung neuer Feinwurzeln an, die für die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen zuständig sind. Eine gute Etablierung im Kübel ist Voraussetzung dafür, dass der Lorbeer auch heiße Sommertage ohne Schäden übersteht. Man belohnt die Pflanze für ein starkes Wurzelwerk durch eine ausgewogene Versorgung mit allen notwendigen Elementen.