Die Zitronenmelisse ist eine dankbare und wuchsfreudige Pflanze, deren Kultivierung im eigenen Garten oder auf dem Balkon mit einfachen Mitteln gelingt. Der Prozess der Pflanzung und Vermehrung ist unkompliziert und bietet auch Gartenanfängern schnelle Erfolgserlebnisse. Ob durch Aussaat, Teilung des Wurzelstocks oder durch Stecklinge, es gibt verschiedene Methoden, um diese aromatische Heil- und Gewürzpflanze zu vermehren und so für einen stetigen Nachschub an frischen Blättern zu sorgen. Die richtige Vorbereitung des Bodens und die Wahl des passenden Zeitpunktes sind dabei entscheidend für ein gesundes Anwachsen und eine kräftige Entwicklung der jungen Pflanzen.

Der optimale Zeitpunkt für die Pflanzung von vorgezogenen Jungpflanzen oder die Aussaat direkt ins Freiland ist das Frühjahr, nachdem die letzten starken Fröste vorüber sind. Dies ist in der Regel ab Mitte Mai der Fall. Eine Pflanzung im Spätsommer ist ebenfalls möglich, sollte aber früh genug erfolgen, damit die Pflanzen vor dem Einbruch des Winters noch ausreichend Zeit haben, um ein kräftiges Wurzelsystem zu entwickeln. Bei der Pflanzung ist ein Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern zwischen den einzelnen Exemplaren einzuhalten, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten und der Pflanze genügend Raum zur Ausbreitung zu geben.

Bevor die Jungpflanzen in die Erde kommen, sollte der Boden gut vorbereitet werden. Eine tiefgründige Lockerung und die Anreicherung mit reifem Kompost schaffen ideale Startbedingungen. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen sein. Nachdem die Pflanze eingesetzt wurde, wird das Loch mit der vorbereiteten Erde aufgefüllt, die Erde leicht angedrückt und anschließend kräftig angegossen. Dieses sogenannte Einschlämmen sorgt für einen guten Bodenschluss und erleichtert den Wurzeln das Anwachsen.

Die Kultivierung der Zitronenmelisse im Topf auf dem Balkon oder der Terrasse ist eine hervorragende Alternative, insbesondere um ihre starke Ausbreitung zu kontrollieren. Hierfür sollte ein ausreichend großes Pflanzgefäß mit einem Durchmesser von mindestens 30 Zentimetern und Abzugslöchern am Boden gewählt werden, um Staunässe zu vermeiden. Als Substrat eignet sich eine hochwertige Kräuter- oder Gemüseerde, die für eine gute Struktur mit etwas Sand oder Perlit vermischt werden kann. Auch bei der Topfkultur ist das regelmäßige Gießen nach der Pflanzung entscheidend für den Erfolg.

Vermehrung durch aussaat

Die Vermehrung der Zitronenmelisse durch Samen ist eine kostengünstige und einfache Methode, um eine größere Anzahl von Pflanzen zu ziehen. Die Aussaat kann entweder im Frühjahr direkt ins Freiland oder bereits ab März in Töpfen auf der Fensterbank erfolgen. Zitronenmelisse ist ein Lichtkeimer, was bedeutet, dass die Samen nicht oder nur sehr dünn mit Erde bedeckt werden dürfen, damit sie keimen können. Die Samen werden einfach auf die vorbereitete, feinkrümelige Erde gestreut und leicht angedrückt, um einen guten Bodenkontakt sicherzustellen.

Bei der Vorkultur im Haus werden die Samen in Anzuchtschalen mit Aussaaterde gesät und an einem hellen, warmen Ort bei Temperaturen um 20 Grad Celsius aufgestellt. Die Erde muss während der gesamten Keimdauer, die etwa zwei bis drei Wochen beträgt, gleichmäßig feucht gehalten werden, am besten mit einer Sprühflasche, um die feinen Samen nicht wegzuschwemmen. Sobald die Keimlinge die ersten richtigen Blätter nach den Keimblättern entwickelt haben, können sie pikiert, also in einzelne kleine Töpfe vereinzelt werden, um ihnen mehr Platz zum Wachsen zu geben.

Nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr zu erwarten sind, können die jungen Pflanzen dann ins Freiland oder in größere Kübel umgepflanzt werden. Vor dem endgültigen Auspflanzen ist es ratsam, die Jungpflanzen langsam an die Außenbedingungen zu gewöhnen. Dazu werden sie über einen Zeitraum von etwa einer Woche tagsüber an einen geschützten, halbschattigen Platz im Freien gestellt und nachts wieder hereingeholt. Dieser Prozess, auch Abhärten genannt, reduziert den Pflanzschock und fördert ein zügiges Weiterwachsen am endgültigen Standort.

Die Direktsaat ins Freiland erfolgt ab Mai, sobald der Boden ausreichend erwärmt ist. Hierbei wird das Saatbett gut vorbereitet, von Unkraut befreit und feinkrümelig geharkt. Die Samen werden breitwürfig oder in Reihen ausgesät und ebenfalls nur leicht angedrückt. Auch hier ist es entscheidend, das Saatbett bis zur Keimung konstant feucht zu halten. Nach dem Aufgehen der Saat müssen die jungen Pflänzchen eventuell vereinzelt werden, um den empfohlenen Pflanzabstand von 30 bis 40 Zentimetern zu gewährleisten.

Vermehrung durch teilung

Die Teilung des Wurzelstocks ist die einfachste und schnellste Methode zur Vermehrung von Zitronenmelisse und eignet sich hervorragend zur Verjüngung älterer, verholzter Pflanzen. Der beste Zeitpunkt für die Teilung ist entweder das zeitige Frühjahr, kurz bevor der Neuaustrieb beginnt, oder der Herbst nach der letzten Ernte. Die Mutterpflanze sollte bereits gut etabliert und mindestens zwei bis drei Jahre alt sein, damit sie den Eingriff gut verkraftet. Durch die Teilung erhält man sofort kräftige, neue Pflanzen, die genetisch identisch mit der Mutterpflanze sind.

Zur Teilung wird der gesamte Wurzelballen der Pflanze vorsichtig mit einer Grabegabel aus der Erde gehoben. Dabei sollte man darauf achten, das Wurzelsystem so wenig wie möglich zu verletzen. Die anhaftende Erde wird grob abgeschüttelt, um die Wurzelstruktur besser erkennen zu können. Anschließend wird der Wurzelstock mit einem scharfen Messer, einem Spaten oder auch mit den Händen in mehrere Teilstücke zerlegt. Jedes Teilstück muss über mindestens zwei bis drei gesunde Triebe oder Knospen sowie über einen ausreichenden Anteil an Wurzeln verfügen.

Die so gewonnenen Teilstücke können sofort wieder an einem neuen Standort oder in Töpfen eingepflanzt werden. Kranke oder verholzte Teile des alten Wurzelstocks sollten dabei entfernt und entsorgt werden. Das Pflanzloch wird wie bei einer Neupflanzung vorbereitet, und die neuen Pflanzen werden in der gleichen Tiefe eingesetzt, in der sie zuvor gestanden haben. Nach dem Einpflanzen wird die Erde gut angedrückt und die Pflanzen werden kräftig angegossen, um das Anwachsen zu fördern.

Die Teilung dient nicht nur der Vermehrung, sondern auch der Vitalisierung der Pflanze. Ältere Zitronenmelissenstauden neigen dazu, von innen her zu verkahlen und im Wuchs nachzulassen. Durch das Teilen und Umpflanzen der vitalen äußeren Teile wird die Pflanze quasi verjüngt und zu neuem, kräftigem Wachstum angeregt. Es empfiehlt sich, diese Maßnahme alle drei bis vier Jahre durchzuführen, um die Pflanze gesund und produktiv zu halten.

Vermehrung durch stecklinge

Eine weitere effektive Methode zur vegetativen Vermehrung der Zitronenmelisse ist die Gewinnung von Stecklingen. Diese Methode ist besonders im späten Frühjahr oder im Sommer erfolgreich, wenn die Pflanze im vollen Wachstum steht. Für die Stecklingsvermehrung werden etwa 10 bis 15 Zentimeter lange, gesunde und nicht blühende Triebspitzen von der Mutterpflanze abgeschnitten. Der Schnitt sollte idealerweise schräg unterhalb eines Blattknotens erfolgen, da sich hier die meisten wachstumsfördernden Hormone befinden und die Wurzelbildung angeregt wird.

Nach dem Schneiden werden die unteren Blätter des Stecklings entfernt, sodass nur noch die oberen zwei bis drei Blattpaare stehen bleiben. Dies reduziert die Verdunstungsfläche und stellt sicher, dass der Steckling seine Energie auf die Wurzelbildung konzentrieren kann. Die vorbereiteten Stecklinge können nun entweder in ein Wasserglas gestellt oder direkt in ein Anzuchtsubstrat gesteckt werden. Bei der Methode im Wasserglas bilden sich die Wurzeln meist innerhalb von zwei bis drei Wochen, und man kann den Fortschritt gut beobachten. Das Wasser sollte alle paar Tage gewechselt werden.

Für die Bewurzelung in Erde werden die Stecklinge etwa zwei bis drei Zentimeter tief in kleine Töpfe mit einer Mischung aus Anzuchterde und Sand gesteckt. Das Substrat sollte stets leicht feucht gehalten, aber nicht nass sein. Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, die für die Wurzelbildung förderlich ist, kann eine durchsichtige Plastiktüte oder eine abgeschnittene Plastikflasche über den Topf gestülpt werden. Der Standort sollte hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung sein.

Sobald die Stecklinge neue Blätter austreiben und beim leichten Ziehen einen Widerstand zeigen, haben sie erfolgreich Wurzeln gebildet. Dies ist in der Regel nach drei bis vier Wochen der Fall. Die jungen Pflanzen können dann in größere Töpfe oder, wenn das Wetter es zulässt, direkt ins Freiland umgepflanzt werden. Die Stecklingsvermehrung ist eine zuverlässige Methode, um schnell und einfach genetisch identische Klone der Mutterpflanze zu erhalten und deren positive Eigenschaften, wie ein besonders intensives Aroma, zu bewahren.