Der regelmäßige Schnitt ist die am häufigsten durchgeführte Pflegemaßnahme und beeinflusst die Physiologie des Grases maßgeblich. Ein korrekter Schnitt fördert die Bestockung, also die Bildung neuer Seitentriebe, und führt so zu einer dichten und teppichartigen Rasennarbe. Man muss jedoch verstehen, dass jeder Schnitt auch einen Stressfaktor für die Pflanze darstellt, da die Photosynthesefläche abrupt reduziert wird. Die richtige Technik und das passende Timing sind daher entscheidend für die langfristige Gesundheit und Schönheit der Fläche.
Schnitthöhe und Schnittfrequenz im Sommer
Die optimale Schnitthöhe für den Rotschwingel liegt in der Regel zwischen drei und fünf Zentimetern. In schattigen Bereichen sollte die Höhe eher am oberen Ende dieses Bereichs angesiedelt sein, um mehr Blattfläche für die Photosynthese zu erhalten. Ein zu tiefer Schnitt, das sogenannte „Skalpieren“, schädigt den Vegetationspunkt der Gräser und kann zu dauerhaften Kahlstellen führen. Man sollte niemals mehr als ein Drittel der aktuellen Halmlänge auf einmal entfernen, um den Schock für die Pflanze zu minimieren.
Während der Hauptwachstumszeit im Frühjahr und Frühsommer kann ein wöchentlicher Schnitt notwendig sein, um die gewünschte Optik beizubehalten. Durch das regelmäßige Kappen der Spitzen wird die Pflanze dazu angeregt, Energie in die Breite statt in die Höhe zu investieren. Dies führt zu der geschätzten Dichte, die Unkraut kaum eine Chance lässt, sich zwischen den Halmen anzusiedeln. Wenn das Gras aufgrund von Trockenheit langsamer wächst, sollte man die Frequenz des Mähens entsprechend reduzieren.
In heißen Sommermonaten empfiehlt es sich, die Schnitthöhe generell etwas anzuheben, um die Verdunstung aus dem Boden zu verlangsamen. Die längeren Halme bieten einen natürlichen Hitzeschutz für die empfindliche Basis der Gräser und die Bodenoberfläche. Zudem können längere Blätter in Stresszeiten mehr Energie produzieren und speichern, was die Überlebenschance bei extremer Hitze erhöht. Sobald die Temperaturen im Spätsommer sinken, kann man allmählich wieder zur gewohnten Schnitthöhe zurückkehren.
Man sollte das Gras nach Möglichkeit nur bei trockenem Wetter mähen, um ein sauberes Schnittbild zu gewährleisten. Nasses Gras verklebt den Mäher und wird oft eher abgerissen als glatt geschnitten, was die Wundheilung der Pflanzen verzögert. Zudem neigt nasses Schnittgut dazu, Klumpen zu bilden, die die darunterliegende Grasnarbe ersticken können, wenn sie nicht entfernt werden. Ein Schnitt am späten Nachmittag oder frühen Abend ist ideal, da die Pflanzen danach Zeit haben, sich in der kühleren Nachtluft zu erholen.
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Werkzeugwahl und technische Voraussetzungen
Die Qualität des Schnitts hängt untrennbar mit dem Zustand des verwendeten Rasenmähers zusammen. Für die feinen Halme des Rotschwingels sind besonders scharfe Messer unerlässlich, um die Zellen glatt zu durchtrennen. Stumpfe Messer quetschen und fransen die Halme aus, was zu unschönen weißlich-braunen Blattspitzen führt, die die gesamte Optik des Rasens trüben. Ein jährlicher Schliff der Messer vor Beginn der Saison ist für jeden professionellen Gärtner eine Selbstverständlichkeit.
Spindelmäher sind für diese feine Grasart besonders gut geeignet, da sie das Gras nach dem Scherenprinzip schneiden. Sie liefern das präziseste Schnittbild und fördern eine extrem dichte und kurzgehaltene Rasennarbe, wie man sie von Golfgrüns kennt. Für den normalen Hausgebrauch sind jedoch hochwertige Sichelmäher meist praktischer, da sie auch mit etwas höherem Gras oder kleinen Hindernissen besser zurechtkommen. Unabhängig vom System sollte der Mäher immer auf die richtige Höhe eingestellt und regelmäßig gereinigt werden.
Das Mähen mit Fangkorb ist empfehlenswert, wenn man verhindern möchte, dass Schnittgut die Grasnarbe beschattet oder die Bildung von Rasenfilz fördert. Wenn man jedoch sehr häufig mäht und nur minimale Spitzen kürzt, kann das Schnittgut als natürlicher Dünger auf der Fläche verbleiben (Mulchen). Hierfür gibt es spezielle Mulchmäher, die die Halme sehr fein zerkleinern und so die Zersetzung durch Mikroorganismen beschleunigen. Man sollte das Mulchen jedoch nur bei trockenem Wetter und gesundem Rasenbestand praktizieren.
Die Radstellung des Mähers sollte so gewählt werden, dass keine tiefen Spuren in den Boden gedrückt werden, was besonders bei weichem Untergrund passieren kann. Es ist ratsam, die Mährichtung bei jedem Durchgang zu variieren, um ein einseitiges Umlegen der Halme zu vermeiden. Dies stellt sicher, dass alle Gräser gleichmäßig erfasst werden und sich keine unerwünschten „Muster“ im Wuchs bilden. Die technische Wartung des Geräts umfasst auch die Kontrolle der Räder und der Motorleistung, um ein konstantes Ergebnis zu erzielen.
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Regeneration nach einem radikalen Rückschnitt
Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Rasen über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel während eines Urlaubs, zu hoch gewachsen ist. In einem solchen Fall sollte man niemals versuchen, das Gras in einem einzigen Durchgang wieder auf die normale Höhe zu stutzen. Stattdessen nähert man sich der Zielschnitthöhe in mehreren Etappen über mehrere Tage hinweg an. Dies gibt den Pflanzen die nötige Zeit, ihren Stoffwechsel und die Saftströme an die neue Situation anzupassen.
Nach einem stärkeren Rückschnitt benötigt der Rasen zusätzliche Unterstützung in Form von Wasser und eventuell einer leichten Düngergabe. Die offenen Schnittwunden führen kurzzeitig zu einer erhöhten Verdunstung, die durch ausreichende Bodenfeuchtigkeit ausgeglichen werden muss. Ein leichter Regenschauer oder eine kontrollierte Bewässerung nach dem Mähen wirkt oft Wunder für die schnelle Erholung der Pflanzen. Man sollte den Rasen nach einem solchen Eingriff für einige Tage etwas weniger stark belasten als gewohnt.
Falls der Rasen durch Pflegefehler oder Krankheit stark verunkrautet ist, kann ein gezielter Rückschnitt in Kombination mit Vertikutieren den Neuanfang erleichtern. Dabei wird die Fläche sehr kurz gemäht, um den Filz und die Unkräuter besser erreichen und entfernen zu können. Solche radikalen Maßnahmen sollten jedoch nur in den wachstumsstarken Phasen im Frühjahr oder frühen Herbst durchgeführt werden. Danach ist eine gezielte Nachsaat oft der beste Weg, um die Lücken schnell wieder mit gesundem Rotschwingel zu schließen.
Beobachtung ist auch nach dem Schnitt der Schlüssel zum Erfolg: Wie reagiert das Gras auf die gewählte Höhe? Wenn die Fläche nach dem Mähen gelblich wirkt, war der Schnitt vermutlich zu tief und das Gras muss sich erst regenerieren. Ein gesund reagierender Rasen zeigt bereits nach ein bis zwei Tagen frische, grüne Spitzen, die aus der Basis heraustreiben. Ein kluger Gärtner passt seine Strategie ständig an die Vitalität seiner Pflanzen an und belohnt sie mit einem fachgerechten und schonenden Schnitt.