Das erfolgreiche Pflanzen der Blaurege bildet das Fundament für eine gesunde Entwicklung und eine reiche Blüte in den kommenden Jahrzehnten. Da diese Kletterpflanze sehr langlebig ist, muss die Standortwahl und die Bodenvorbereitung mit größter Sorgfalt getroffen werden. Einmal etabliert, lässt sich die Blaurege nur schwer umpflanzen, weshalb Fehlentscheidungen zu Beginn später nur mühsam korrigiert werden können. Neben der Neupflanzung bietet die Vermehrung bestehender Exemplare eine spannende Möglichkeit, den eigenen Gartenbestand gezielt zu erweitern.
Der ideale Zeitpunkt für die Pflanzung der Blaurege liegt entweder im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb oder im Herbst. Im Frühjahr gepflanzte Exemplare haben den Vorteil, dass sie über den Sommer ein starkes Wurzelsystem entwickeln können. Eine Herbstpflanzung hingegen nutzt die Restwärme des Bodens, was die Wurzelbildung vor dem Wintereinbruch fördert. In beiden Fällen ist es wichtig, die jungen Pflanzen in der ersten Zeit konsequent mit ausreichend Wasser zu versorgen.
Bei der Auswahl der Jungpflanze im Fachhandel sollte man bevorzugt auf veredelte Exemplare zurückgreifen, da diese deutlich früher blühen. Aus Samen gezogene Pflanzen können oft zehn Jahre oder länger benötigen, bis sie die ersten Blüten hervorbringen. Eine Veredelung garantiert zudem die Sortenechtheit, sodass man genau die gewünschte Blütenfarbe und Duftintensität erhält. Gesunde Pflanzen erkennt man an einem kräftigen Ballen und schädlingsfreien Blättern oder Knospen.
Bevor die Pflanze in die Erde kommt, sollte der Wurzelballen in einem Eimer mit Wasser gründlich gewässert werden. Das Pflanzloch muss mindestens doppelt so groß und tief wie der Wurzelballen sein, um dem Erdreich die nötige Lockerheit zu geben. Eine Zugabe von reifem Kompost im unteren Bereich des Lochs bietet einen idealen Startdünger für die ersten Wochen. Nach dem Einsetzen wird die Erde festgetreten und ein Gießrand modelliert, um das Wasser direkt zu den Wurzeln zu leiten.
Vorbereitung des Pflanzlochs und der Erde
Die Bodenqualität an der vorgesehenen Stelle entscheidet maßgeblich über die Wachstumsgeschwindigkeit der jungen Blaurege. Wenn der Boden zu kompakt oder lehmig ist, sollte er durch die Einmischung von Sand oder feinem Kies durchlässiger gemacht werden. Eine gute Drainage ist lebensnotwendig, da die Wurzeln der Blaurege empfindlich auf stehendes Wasser reagieren. Die Zugabe von Hornspänen sorgt für eine langfristige Versorgung mit organischem Stickstoff während der Anwuchsphase.
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Es ist ratsam, die Wände des Pflanzlochs mit einer Grabgabel aufzulockern, damit die feinen Wurzeln leichter in das umliegende Erdreich eindringen können. Wenn die Blaurege direkt an eine Hauswand gepflanzt wird, sollte ein Mindestabstand von 30 bis 50 Zentimetern eingehalten werden. Dieser Abstand verhindert, dass das Fundament die Wurzelentwicklung behindert oder die Pflanze zu trocken steht. Eine Wurzelsperre kann sinnvoll sein, wenn Leitungen oder empfindliche Pflasterungen in der Nähe verlaufen.
Die Erde sollte nach dem Pflanzen gründlich eingeschlämmt werden, um Hohlräume zwischen den Wurzeln zu schließen. Dies gewährleistet einen optimalen Bodenkontakt und verhindert das Austrocknen der feinen Wurzelhaare in der ersten Zeit. Eine oberflächliche Schicht aus Mulch hilft dabei, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und Unkrautwuchs zu unterdrücken. Der Mulch sollte jedoch nicht direkt den Stamm berühren, um Fäulnis an der Rinde zu vermeiden.
In sandigen Böden kann die Beigabe von Bentonit oder Lehmmehl die Wasserhaltefähigkeit deutlich verbessern. Blauregen sind durstige Pflanzen, weshalb eine gute Wasserspeicherung im Boden die Pflegearbeit im Sommer erheblich erleichtert. Es ist wichtig, den pH-Wert des Bodens im neutralen oder leicht sauren Bereich zu halten, um Nährstoffblockaden zu vermeiden. Eine regelmäßige Kontrolle der Bodenbeschaffenheit zahlt sich durch ein gesundes und kräftiges Erscheinungsbild der Pflanze aus.
Die Vermehrung durch Absenker
Die Vermehrung durch Absenker ist eine der sichersten und einfachsten Methoden, um identische Klone einer bestehenden Blaurege zu gewinnen. Hierzu wird ein langer, biegsamer Trieb aus dem unteren Bereich der Pflanze vorsichtig zum Boden gebogen. An der Stelle, die den Boden berührt, wird die Rinde leicht angeritzt, um die Wurzelbildung an diesem Punkt zu stimulieren. Dieser Teil des Triebes wird dann etwa zehn Zentimeter tief in der Erde vergraben und mit einem Stein oder Haken fixiert.
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Der Absenker bleibt so lange mit der Mutterpflanze verbunden, bis er ein eigenes, kräftiges Wurzelsystem entwickelt hat. Dieser Prozess dauert in der Regel ein volles Jahr, manchmal sogar zwei Vegetationsperioden, je nach Witterung. Während dieser Zeit muss die Erdstelle des Absenkers konstant feucht gehalten werden, damit die Wurzelbildung nicht unterbrochen wird. Sobald der neue Trieb kräftig austreibt, kann er von der Mutterpflanze getrennt und umgepflanzt werden.
Diese Methode hat den großen Vorteil, dass die junge Pflanze während der kritischen Phase der Wurzelbildung noch von der Mutterpflanze versorgt wird. Das Ausfallrisiko ist daher minimal im Vergleich zur Stecklingsvermehrung oder der Anzucht aus Samen. Die so gewonnenen Pflanzen blühen genauso schnell wie die Mutterpflanze, da es sich um genetisch identisches Material handelt. Es ist eine kostengünstige und effektive Art, den Garten mit weiteren Exemplaren der Lieblingssorte zu bereichern.
Der beste Zeitpunkt für das Ansetzen von Absenkern ist das späte Frühjahr, wenn die Säfte in der Pflanze kräftig steigen. Man sollte darauf achten, dass der ausgewählte Trieb gesund und nicht zu stark verholzt ist, um die Biegsamkeit zu gewährleisten. Das Ende des Triebes sollte aus der Erde herausragen und an einem kleinen Stab senkrecht nach oben geführt werden. So erhält man von Anfang an eine gerade wachsende Jungpflanze, die später leichter zu erziehen ist.
Anzucht aus Samen und Veredelung
Die Vermehrung aus Samen ist für geduldige Gärtner eine interessante Herausforderung, auch wenn die Ergebnisse oft erst nach vielen Jahren sichtbar werden. Die Samen der Blaurege befinden sich in harten Hülsen, die im Herbst geerntet und über den Winter trocken gelagert werden. Vor der Aussaat im Frühjahr müssen die Samen für etwa 24 Stunden in lauwarmem Wasser vorquellen, um die harte Schale aufzuweichen. Die Aussaat erfolgt in Töpfen mit Anzuchterde, die an einem hellen und warmen Ort aufgestellt werden.
Da die Sämlinge genetisch variieren, kann man nie genau vorhersagen, welche Blütenfarbe oder Duftintensität die neue Pflanze haben wird. Oft sind die Blüten von Sämlingen kleiner oder weniger zahlreich als bei den veredelten Kultursorten aus dem Handel. Dennoch ist es ein faszinierendes Experiment, die Entwicklung von einem kleinen Keimling bis zu einer mächtigen Kletterpflanze zu beobachten. Man sollte jedoch bedenken, dass der Platzbedarf im Garten groß ist und die Wartezeit auf die Blüte Frustration auslösen kann.
Die Veredelung ist die professionelle Methode, um hochwertige Sorten auf robuste Unterlagen zu bringen und so die Blühwilligkeit zu steigern. Dabei wird ein Edelreis einer blühfreudigen Sorte auf die Wurzel eines Sämlings oder einer Wildform gesetzt. Diese Technik erfordert handwerkliches Geschick und die richtige Zeitwahl, meist im späten Winter oder zeitigen Frühjahr. Die erfolgreiche Verbindung der beiden Pflanzenteile sorgt dafür, dass die positiven Eigenschaften beider Partner kombiniert werden.
Für den Hobbygärtner ist die Veredelung oft zu komplex, weshalb der Kauf einer bereits veredelten Pflanze meist die bessere Wahl ist. Man erkennt diese Pflanzen an der typischen Verdickung an der Basis des Stammes, der sogenannten Veredelungsstelle. Diese Stelle muss beim Pflanzen immer über der Erdoberfläche bleiben, damit das Edelreis keine eigenen Wurzeln bildet. Nur so bleibt die vorteilhafte Wirkung der Unterlage erhalten und die Pflanze entwickelt sich sortentypisch.