Der prozess des pflanzens und die anschließende vermehrung dieser faszinierenden gewächse erfordern sowohl geduld als auch ein gewisses maß an fachkenntnis. Wer sich dazu entschließt, eine eigene sammlung aufzubauen, wird schnell feststellen, wie viel freude die beobachtung der ersten keimlinge oder wurzeln bereiten kann. Es ist eine wunderbare möglichkeit, die natur hautnah zu erleben und die lebenszyklen einer so komplexen pflanze wie dieser zu verstehen. Ein erfolgreicher start beginnt dabei immer mit der sorgfältigen auswahl des ausgangsmaterials und der vorbereitung der richtigen umgebung.

Optimaler zeitpunkt und bodenvorbereitung

Der ideale zeitpunkt für das pflanzen im freien liegt zweifellos im späten frühjahr, wenn keine gefahr mehr durch nächtliche frostperioden besteht. Die bodentemperatur sollte bereits so weit angestiegen sein, dass die wurzeln sofort mit dem wachstum beginnen können und nicht in kaltem substrat verharren. Man sollte der pflanze genügend zeit geben, sich bis zum herbst an ihren neuen standort zu gewöhnen und ein stabiles wurzelsystem zu etablieren. Ein früher start in die saison garantiert oft eine erste blütenpracht noch im selben jahr.

Die vorbereitung des bodens sollte mit großer sorgfalt erfolgen, um den jungen pflanzen den bestmöglichen start zu ermöglichen. Es empfiehlt sich, das pflanzloch etwa doppelt so groß wie den wurzelballen auszuheben und die sohlenstruktur gründlich aufzulockern. Eine mischung aus reifem kompost und einer handvoll hornspänen bietet eine langfristige nährstoffbasis für die erste wachstumsphase. Durch die zugabe von grobem sand oder feinem kies wird die drainage verbessert, was für die empfindlichen wurzeln lebensnotwendig ist.

Beim einsetzen der pflanze ist darauf zu achten, dass sie genau so tief im boden sitzt, wie sie zuvor im topf gestanden hat. Ein zu tiefes einpflanzen kann zu fäulnis am stammgrund führen, während ein zu flaches einsetzen die wurzeln austrocknen lässt. Man sollte die erde vorsichtig andrücken, um hohlräume zu vermeiden, ohne dabei das feine wurzelgeflecht zu zerdrücken. Ein großzügiges angießen direkt nach dem pflanzen sorgt für den nötigen bodenschluss und aktiviert die wurzelaktivität.

In den ersten wochen nach dem pflanzen ist eine regelmäßige beobachtung unerlässlich, da die pflanze in dieser phase besonders vulnerabel ist. Man sollte darauf achten, dass das substrat gleichmäßig feucht bleibt, aber niemals klatschnass wird, um sauerstoffmangel zu vermeiden. Eine leichte schattierung während der heißesten mittagsstunden kann den pflanzschock erheblich mildern und das anwachsen beschleunigen. Sobald die ersten neuen triebspitzen erscheinen, weiß man, dass die pflanze erfolgreich am neuen standort angekommen ist.

Techniken der samenvermehrung

Die vermehrung über samen ist ein spannendes unterfangen, das jedoch aufgrund der harten schale der samen eine gewisse vorbehandlung erfordert. Man sollte die samen vor der aussaat für etwa 24 stunden in lauwarmem wasser oder sogar in etwas orangensaft einweichen, um die keimruhe zu brechen. Die darin enthaltenen säuren helfen dabei, die schale aufzuweichen und den keimvorgang chemisch zu stimulieren. Geduld ist hierbei eine tugend, da die keimung je nach art und bedingungen mehrere wochen oder sogar monate dauern kann.

Als substrat für die aussaat eignet sich eine spezielle, nährstoffarme anzuchterde, die fein gesiebt und frei von krankheitserregern sein sollte. Die samen werden nur leicht mit erde bedeckt, etwa in der doppelten stärke des samenkorns, um ihnen den weg ans licht nicht zu erschweren. Eine gleichmäßige bodentemperatur von etwa 20 bis 25 grad celsius ist für den keimerfolg von entscheidender bedeutung. Eine abdeckung mit einer transparenten folie oder einer glasplatte hilft dabei, die luftfeuchtigkeit konstant hoch zu halten.

Sobald sich die ersten keimblätter zeigen, muss die belüftung schrittweise erhöht werden, um schimmelbildung und umfallkrankheiten zu vermeiden. Die jungen sämlinge benötigen nun viel helles licht, sollten aber noch vor direkter, brennender sonne geschützt werden. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich nach den einfachen keimblättern die ersten charakteristisch geformten laubblätter entwickeln. In dieser phase ist eine sehr vorsichtige bewässerung mit einer feinen sprühflasche ratsam, um die zarten pflänzchen nicht umzuknicken.

Das pikieren, also das vereinzeln der sämlinge in eigene töpfe, erfolgt, sobald das zweite paar echter laubblätter voll entwickelt ist. Man sollte dabei äußerst vorsichtig mit den empfindlichen wurzeln umgehen und die pflanzen am besten nur an den blättern anfassen. Nach dem umtopfen benötigen sie eine kurze ruhephase im schatten, um sich von dem eingriff zu erholen und neue wurzeln zu bilden. Ab diesem zeitpunkt kann man langsam mit einer sehr schwach dosierten flüssigdüngung beginnen, um das wachstum zu fördern.

Stecklinge und ablegermethoden

Die vermehrung durch stecklinge ist die bevorzugte methode für alle, die eine genetisch identische kopie ihrer lieblingspflanze erhalten möchten. Man schneidet dazu im frühsommer etwa 10 bis 15 zentimeter lange triebspitzen ab, die bereits leicht verholzt, aber noch biegsam sein sollten. Die unteren blätter werden entfernt, und der schnitt erfolgt direkt unterhalb eines blattknotens, da dort die konzentration an wachstumshormonen am höchsten ist. Ein eintauchen der schnittstelle in bewurzelungspulver kann die erfolgsrate signifikant erhöhen.

Die vorbereiteten stecklinge werden in ein gemisch aus torffreier erde und viel perlite oder sand gesteckt, um eine maximale belüftung der schnittstelle zu gewährleisten. Eine gespannte luft, wie sie in einem minigewächshaus oder unter einer plastikhaube herrscht, verhindert das austrocknen der blätter, solange noch keine wurzeln vorhanden sind. Die temperatur sollte konstant warm sein, und direktes sonnenlicht ist in dieser phase unbedingt zu vermeiden. Nach etwa drei bis sechs wochen zeigen sich meist die ersten anzeichen von neuem austrieb, was auf eine erfolgreiche wurzelbildung hindeutet.

Eine alternative und sehr sichere methode ist das absenken von trieben, die noch fest mit der mutterpflanze verbunden sind. Man biegt einen bodennahen trieb vorsichtig zum boden, ritzt die rinde an einer stelle leicht an und fixiert diesen bereich mit einem erdhaken unter der erde. Die spitze des triebes sollte dabei wieder aus der erde herausragen und nach oben geleitet werden. Da der ableger weiterhin von der mutterpflanze versorgt wird, ist das risiko eines fehlschlags bei dieser methode sehr gering.

Sobald der ableger ein eigenes, kräftiges wurzelsystem entwickelt hat, kann die verbindung zur mutterpflanze mit einer scharfen schere gekappt werden. Man sollte jedoch noch einige wochen warten, bevor man die neue pflanze endgültig ausgräbt und an ihren neuen bestimmungsort versetzt. Diese methode eignet sich besonders gut für arten, die sich über stecklinge nur schwer vermehren lassen. Es ist eine natürliche und schonende art, den bestand im eigenen garten zu erweitern, ohne die pflanzen großem stress auszusetzen.

Umtopfen und wurzelmanagement

Ein regelmäßiger wechsel des pflanzgefäßes ist für die gesundheit der kletterpflanzen von großer bedeutung, besonders wenn sie in kübeln gehalten werden. Man erkennt den richtigen zeitpunkt meist daran, dass die wurzeln bereits aus den abzugslöchern herauswachsen oder das substrat sehr schnell austrocknet. Das frühjahr, kurz vor dem neuen austrieb, ist der beste moment für diesen eingriff, um die pflanze in ihrer aktivitätsphase zu unterstützen. Ein frisches substrat liefert zudem neue nährstoffe und verbessert die bodenstruktur für das kommende jahr.

Beim umtopfen sollte man den alten ballen vorsichtig lockern und verfilzte oder abgestorbene wurzeln mit einer sauberen schere entfernen. Dies regt die pflanze dazu an, neue, feinere saugwurzeln zu bilden, die die nährstoffe effizienter aufnehmen können. Das neue gefäß sollte nur etwa zwei bis drei nummern größer sein als das alte, um ein ausgewogenes verhältnis zu wahren. Eine gute drainageschicht am boden des topfes ist absolut obligatorisch, um staunässe dauerhaft auszuschließen.

Das wurzelmanagement beinhaltet auch die kontrolle auf eventuelle schädlinge, die im verborgenen im boden leben könnten. Wenn man ungewöhnliche knoten oder verfärbungen an den wurzeln bemerkt, sollte man dem auf den grund gehen, bevor man die pflanze neu eintopft. Ein gesundes wurzelsystem hat meist eine helle, weißliche bis bräunliche farbe und riecht angenehm nach frischer erde. Durch das gezielte kürzen der wurzeln kann man bei bedarf auch das oberirdische wachstum etwas bremsen, falls der platz begrenzt ist.

Nach dem umtopfen ist eine kurze schutzphase im halbschatten ratsam, damit die wurzeln sich im neuen substrat festsetzen können. Man sollte mit dem düngen etwa vier bis sechs wochen warten, da die frische erde meist schon ausreichend mit nährstoffen angereichert ist. Ein gleichmäßiges feuchthalten des ballens unterstützt die regeneration des wurzelsystems in dieser kritischen zeit. Mit einem gut gepflegten fundament unter der erde steht einer prachtvollen entfaltung über dem boden nichts mehr im wege.

Häufig gestellte Fragen