Das licht ist für den weihnachtsstern weit mehr als nur eine energiequelle für die photosynthese; es ist der zentrale taktgeber für seine entwicklung und färbung. In seiner mexikanischen heimat ist das gewächs an hohe lichtintensitäten gewöhnt, was bei der zimmerhaltung oft zu problemen führt. Ein mangel an helligkeit ist eine der häufigsten ursachen für kümmerwuchs und den gefürchteten blattabfall während der wintermonate. Wer die lichtansprüche dieser pflanze versteht, kann ihre gesundheit und schönheit maßgeblich beeinflussen und steuern.
Lichtintensität in der dunklen jahreszeit
Während der wintermonate ist das natürliche tageslicht in unseren breitengraden oft nicht ausreichend für die bedürfnisse des weihnachtssterns. Ein platz direkt am fenster ist daher in dieser zeit absolut notwendig, um der pflanze genügend lichtenergie zur verfügung zu stellen. Man sollte darauf achten, dass keine vorhänge oder jalousien das wertvolle licht abschirmen, besonders während der wenigen sonnenstunden am tag. Ein süd- oder südwestfenster ist im winter die beste wahl, um die vitalität der pflanze zu erhalten.
Man sollte die pflanze regelmäßig um etwa 90 grad drehen, damit alle seiten gleichmäßig licht erhalten und die pflanze nicht schief wächst. Ohne diese maßnahme neigt das gewächs dazu, sich einseitig zum fenster zu strecken, was zu einer instabilen statik führen kann. Die blätter auf der schattenseite werden oft gelb und fallen ab, wenn sie dauerhaft zu wenig licht abbekommen. Ein gleichmäßiges lichtangebot fördert einen kompakten und harmonischen wuchs über die gesamte pflanze hinweg.
Künstliche zusatzbeleuchtung durch spezielle pflanzenlampen kann in besonders dunklen räumen ein wahrer lebensretter sein. Diese lampen emittieren das für die pflanze notwendige lichtspektrum und verlängern den gefühlten tag für das gewächs. Man sollte die lampe etwa 30 bis 50 zentimeter über der pflanze platzieren und sie täglich für mehrere stunden einschalten. Dies verhindert, dass die pflanze in einen stresszustand gerät und ihre blätter vorzeitig abwirft.
Man muss jedoch beachten, dass während der phase der farbentwicklung im herbst die beleuchtungsdauer streng kontrolliert werden muss. Zu viel künstliches licht am abend verhindert die bildung der farbpigmente in den hochblättern, da die pflanze dann keinen „kurztag“ wahrnimmt. Licht ist also ein werkzeug, das man je nach entwicklungsphase der pflanze gezielt und überlegt einsetzen muss. Die richtige balance zwischen helligkeit am tag und dunkelheit in der nacht ist der schlüssel zur perfekten färbung.
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Der einfluss von tageslicht auf die färbung
Die spektakuläre färbung der obersten blattreihen wird ausschließlich durch die tageslänge gesteuert, was botanisch als photoperiodismus bezeichnet wird. Sobald die tage im herbst kürzer werden und die nächte länger als 12 stunden dauern, stellt die pflanze ihren stoffwechsel um. Die produktion von grünem chlorophyll wird in den obersten blättern eingestellt und stattdessen werden rote, rosa oder weiße anthocyane eingelagert. Dieser prozess dient in der natur dazu, bestäuber für die eigentlich unscheinbaren blüten in der mitte anzulocken.
Ein standort, der im herbst natürlichem licht ausgesetzt ist, aber abends nicht durch zimmerlampen erhellt wird, ist für diesen prozess ideal. Oft reicht schon das einschalten des deckenlichts im wohnzimmer für wenige minuten aus, um den inneren timer der pflanze zurückzusetzen. Viele hobbygärtner wundern sich, warum ihre pflanze grün bleibt, obwohl sie gesund aussieht; meist ist störlicht die ursache. Eine konsequente dunkle phase ist für die farbpracht wichtiger als jede düngergabe.
Im sommer hingegen kann die pflanze gar nicht genug licht bekommen, um kräftiges gewebe für den winter aufzubauen. Nach der gewöhnungsphase verträgt sie sogar die pralle sonne im freien, sofern die wasserversorgung stets gewährleistet ist. Das ungefilterte uv-licht sorgt für kurze internodien und sehr feste, robuste blätter, die später weniger anfällig für schädlinge sind. Wer seinem weihnachtsstern einen sommerurlaub im garten gönnt, wird dies im winter an der qualität der pflanze merken.
Licht steuert auch die dicke der wachsschicht auf den blättern, die vor verdunstung und äußeren einflüssen schützt. Pflanzen, die an sehr hellen standorten gewachsen sind, haben eine viel höhere toleranz gegenüber trockenheit und zugluft. Das licht ist somit nicht nur für die optik, sondern für die gesamte physische konstitution der pflanze von zentraler bedeutung. Ein dunkler standort hingegen führt zu weichem, schwammigem gewebe, das bei der kleinsten belastung zusammenbricht.
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Vermeidung von lichtmangelerscheinungen
Eines der ersten anzeichen für lichtmangel ist das sogenannte vergeilen, bei dem die triebe sehr lang, dünn und schwach werden. Die pflanze versucht dabei buchstäblich, der dunkelheit zu entfliehen und nach oben zum licht zu wachsen. Dabei werden die abstände zwischen den blättern immer größer, was zu einem unschönen, sparrigen aussehen führt. Solche triebe sind meist nicht stabil genug, um später die schweren blütenstände zu tragen.
Ein weiteres deutliches symptom ist das verblassen der blattfarben, wobei das satte grün einem kränklichen gelbgrün weicht. Ohne ausreichendes licht kann die pflanze nicht genügend energie produzieren, um ihre zellstrukturen aufrechtzuerhalten. Sie beginnt dann, nährstoffe aus den älteren, unteren blättern abzuziehen, um die triebspitzen zu versorgen. Das ergebnis ist ein massiver blattverlust im unteren bereich der pflanze, der sie stammartig wirken lässt.
Um lichtmangel entgegenzuwirken, sollte man den standort der pflanze kritisch prüfen und gegebenenfalls optimieren. Manchmal reicht es schon aus, die fensterscheiben gründlich zu putzen, da eine staubschicht bis zu 20 prozent des lichts schlucken kann. Auch andere zimmerpflanzen, die den weihnachtsstern beschatten, sollten ein wenig zur seite gerückt werden. Jedes prozent an zusätzlichem licht verbessert die assimilationsrate und damit die allgemeine gesundheit.
Wenn ein hellerer standort nicht möglich ist, sollte man die temperatur im raum senken, um den stoffwechsel der pflanze zu verlangsamen. Bei weniger wärme verbraucht das gewächs weniger energie, wodurch es den lichtmangel etwas besser kompensieren kann. Dies ist jedoch nur eine übergangslösung und ersetzt langfristig nicht die notwendige helligkeit. Ein ausgewogenes verhältnis zwischen lichtangebot und raumtemperatur ist das fundament jeder erfolgreichen pflanzenkultur.