Die überwinterung und weiterpflege des weihnachtssterns über die festtage hinaus ist eine königsdisziplin für jeden hobbygärtner. Viele menschen entsorgen die pflanze, sobald die bunten hochblätter zu welken beginnen, doch mit dem richtigen wissen lässt sie sich problemlos über jahre erhalten. Der schlüssel zum erfolg liegt darin, den natürlichen jahreszyklus der pflanze zu verstehen und die pflege entsprechend anzupassen. Wer die ruhephase respektiert und den neuaustrieb fördert, wird mit einem immer schöner werdenden gewächs belohnt.
Die ruhephase nach den feiertagen
Sobald die prachtvollen roten oder cremefarbenen hochblätter im spätwinter abfallen, tritt der weihnachtsstern in seine natürliche ruhephase ein. Dies geschieht meist zwischen februar und märz und ist kein zeichen von krankheit, sondern ein biologischer rückzug. Man sollte in dieser zeit die wassergaben drastisch reduzieren, sodass der ballen gerade so nicht völlig austrocknet. Die pflanze benötigt nun kaum energie, da ihr stoffwechsel auf ein minimum heruntergefahren wird.
Ein kühlerer standort ist während dieser ruhewochen absolut vorteilhaft für die regeneration des gewächses. Temperaturen zwischen 12 und 15 grad celsius sind ideal, um die bildung von neuen trieben vorerst zu unterdrücken. Ein helles treppenhaus oder ein wenig beheiztes schlafzimmer bieten hierfür oft die besten bedingungen. In dieser phase darf man auf keinen fall düngen, da die nährstoffe von den ruhenden wurzeln nicht aufgenommen werden könnten.
Man sollte die pflanze in dieser zeit möglichst wenig stören und auch nicht unnötig bewegen. Das abfallen der letzten bunten blätter ist völlig normal und macht platz für die zukünftige entwicklung im frühjahr. Es ist wichtig, dass die erde zwischen den spärlichen gießvorgängen gut abtrocknen kann, um wurzelschäden zu vermeiden. Diese zeit der entspannung ist für das gewächs essenziell, um im sommer wieder kräftig wachsen zu können.
Beobachte den zustand der stängel genau, denn diese sollten prall und grün bleiben, auch wenn kein laub mehr vorhanden ist. Wenn die stängel einschrumpfen oder braun werden, könnte dies ein zeichen für zu wenig restfeuchte oder einen kälteschaden sein. Ein gesunder stamm ist die lebensversicherung für den späteren austrieb und sollte daher pfleglich behandelt werden. Mit geduld und zurückhaltung legt man jetzt den grundstein für die kommende saison.
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Reduzierung der pflegeintensität
In der übergangszeit vom winter zum frühling ist weniger pflege oft der beste weg zum ziel. Viele pflanzenbesitzer machen den fehler, die kahle pflanze durch vermehrtes gießen retten zu wollen, was jedoch oft das gegenteil bewirkt. Die verdunstungsfläche ist ohne blätter minimal, weshalb das wasser im topf stehen bleibt und die wurzeln erstickt. Ein kleiner schluck wasser alle zwei wochen reicht in dieser kühlen phase meist völlig aus.
Man sollte auch darauf verzichten, die pflanze während der ruhezeit umzutopfen oder chemisch zu behandeln. Das wurzelsystem ist inaktiv und reagiert sehr empfindlich auf mechanische störungen oder veränderungen der bodenchemie. Erst wenn die tage wieder deutlich länger werden und die temperaturen steigen, erwacht das leben in der pflanze von neuem. Bis dahin ist absolute ruhe das oberste gebot für einen erfolgreichen gärtner.
Staub auf den nackten trieben kann man vorsichtig mit einem weichen tuch entfernen, um die poren für den späteren austrieb freizuhalten. Es ist ratsam, den standort regelmäßig auf schädlinge wie wollläuse zu kontrollieren, die sich gerne in den blattknoten verstecken. Da die pflanze keine blätter hat, sind diese parasiten jetzt besonders leicht zu entdecken und mechanisch zu entfernen. Eine frühe intervention erspart später massive probleme bei der neubelaubung.
In räumen mit sehr trockener luft kann ein gelegentliches benebeln der stängel mit kalkfreiem wasser helfen, das gewebe geschmeidig zu halten. Man sollte jedoch darauf achten, dass das wasser nicht in die topferde läuft und dort zu nässe führt. Ein gesundes mikroklima schützt die pflanze vor dem austrocknen durch die restliche heizungsperiode. Der weihnachtsstern sammelt in dieser zeit seine kräfte im inneren für den explosionsartigen start im frühjahr.
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Vorbereitung auf die neue saison
Wenn im april die ersten kleinen grünen spitzen an den trieben sichtbar werden, ist es zeit, die pflege wieder hochzufahren. Man sollte die pflanze nun in frisches, nährstoffreiches substrat umtopfen, um ihr einen optimalen start zu ermöglichen. Dabei kann man den wurzelballen vorsichtig auflockern und alte, abgestorbene wurzeln mit einer scharfen schere entfernen. Ein etwas größerer topf gibt raum für neues wachstum und eine bessere wasser- und nährstoffaufnahme.
Ein kräftiger rückschnitt nach dem umtopfen sorgt für eine kompakte form und regt die verzweigung der neuen triebe an. Man kürzt die alten stängel etwa auf eine länge von 10 bis 15 zentimetern zurück, wobei man immer über einem nach außen gerichteten auge schneidet. Trage dabei unbedingt handschuhe, da der austretende milchsaft die haut reizen kann und auf kleidung hässliche flecken hinterlässt. Dieser schritt ist mutig, aber für ein schönes aussehen der pflanze im nächsten winter unerlässlich.
Nach dem schneiden und umtopfen sollte die pflanze an einen sehr hellen und warmen ort umziehen. Die wassermenge wird nun schrittweise erhöht, da mit jedem neuen blatt auch die verdunstung zunimmt. Sobald das wachstum richtig in fahrt gekommen ist, beginnt man auch wieder mit der regelmäßigen düngung alle zwei wochen. Die pflanze reagiert nun sehr schnell auf die verbesserte versorgung und bildet innerhalb kurzer zeit ein schönes grünes blätterdach.
Ab ende mai kann der weihnachtsstern an einen geschützten platz im freien ziehen, was seine widerstandskraft enorm stärkt. Man muss ihn jedoch langsam an die direkte sonne gewöhnen, um blattverbrennungen zu vermeiden. Ein platz im halbschatten, geschützt vor wind und starkregen, ist ideal für die sommermonate. Im freien wächst die pflanze oft viel kräftiger und kompakter als auf der fensterbank im haus.
Die kurztagbehandlung zur farbbildung
Damit der weihnachtsstern pünktlich zur adventszeit wieder bunte hochblätter bildet, muss man ihn im herbst gezielt überlisten. Als kurztagpflanze benötigt er für die farbentwicklung eine tägliche dunkelphase von mindestens 12 bis 14 stunden über einen zeitraum von etwa acht wochen. Schon geringstes störlicht, etwa durch eine straßenlaterne oder eine zimmerlampe, kann den prozess der blütenbildung unterbrechen. Man beginnt mit dieser behandlung am besten ab anfang oder mitte oktober.
In der praxis hat es sich bewährt, ab 17 uhr einen lichtdichten karton über die pflanze zu stülpen und diesen erst am nächsten morgen gegen 8 uhr wieder zu entfernen. Alternativ kann man die pflanze jeden abend in einen völlig dunklen raum stellen, der auch nicht zwischendurch betreten wird. Diese disziplin ist entscheidend, da jede unterbrechung der dunkelheit die pflanze dazu bringt, nur grünes laub zu produzieren. Nach etwa sechs wochen zeigen sich meist die ersten farbveränderungen an den obersten blättern.
Während der kurztagbehandlung sollte man die temperatur moderat bei etwa 18 bis 20 grad halten. Zu hohe temperaturen können die farbausprägung verzögern, während zu kühle temperaturen das wachstum insgesamt hemmen. Die düngung sollte nun auf kaliumbetonte mittel umgestellt werden, um die farbintensität der brakteen zu unterstützen. Sobald die färbung weit fortgeschritten ist, kann man die dunkelbehandlung beenden und die pflanze wieder normal dekorieren.
Ein selbstgezogener weihnachtsstern ist oft viel robuster als die frisch gekauften pflanzen aus dem gewächshaus. Er ist bereits an das wohnzimmerklima angepasst und verliert nicht so leicht seine blätter bei kleinen schwankungen. Die freude über die erste selbst herbeigeführte färbung ist für jeden pflanzenfreund ein besonderes highlight im gartenjahr. Mit diesen schritten wird der weihnachtsstern zu einem treuen begleiter, der jedes jahr aufs neue sein wunderbares farbspiel zeigt.