Die fachgerechte Pflanzung des schwarzen Holunders legt den Grundstein für eine jahrelange Freude an diesem vielseitigen Gartenbewohner. Es ist entscheidend, den optimalen Zeitpunkt zu wählen und das Pflanzloch sorgfältig vorzubereiten. Ein guter Start ermöglicht es dem Strauch, schnell ein tiefes und stabiles Wurzelsystem zu entwickeln. Nur so kann er später Wind und Wetter trotzen und gleichzeitig hohe Erträge liefern.
Die ideale Pflanzzeit für den Holunder liegt im späten Herbst oder im zeitigen Frühjahr, bevor der Austrieb beginnt. Im Herbst gepflanzte Sträucher nutzen die Restwärme des Bodens, um erste Wurzeln zu bilden, bevor der Frost kommt. Dies gibt ihnen einen deutlichen Wachstumsvorsprung gegenüber Pflanzen, die erst im April gesetzt werden. Im Frühjahr hingegen muss verstärkt auf eine ausreichende Bewässerung geachtet werden, damit die Pflanze nicht austrocknet.
Bevor der Strauch in die Erde kommt, sollte der Wurzelballen gründlich in einem Eimer mit Wasser eingeweicht werden. Das Pflanzloch muss mindestens doppelt so groß und tief wie der Wurzelballen selbst sein. Die Sohle des Lochs sollte mit einer Grabgabel aufgelockert werden, um den Wurzeln das Eindringen in tiefere Schichten zu erleichtern. Eine Mischung aus Mutterboden und reifem Kompost dient als ideale Starthilfe für das junge Gehölz.
Beim Einsetzen ist darauf zu achten, dass die Pflanze nicht tiefer steht, als sie zuvor im Topf gewachsen ist. Zu tiefes Pflanzen kann zu Sauerstoffmangel an den Wurzeln und Fäulnis am Stammgrund führen. Nach dem Auffüllen des Lochs wird die Erde vorsichtig mit den Füßen angetreten, um Hohlräume zu schließen. Ein kleiner Gießrand aus Erde hilft dabei, das Wasser direkt zu den Wurzeln zu leiten und Abfließen zu verhindern.
Methoden der vegetativen Vermehrung
Die Vermehrung durch Steckhölzer ist eine der einfachsten und effektivsten Methoden, um neue Holundersträucher zu gewinnen. Hierfür werden im Spätwinter etwa 20 Zentimeter lange, einjährige Triebe geschnitten, die bereits leicht verholzt sind. Diese Stücke werden einfach zu zwei Dritteln in ein lockeres Erde-Sand-Gemisch oder direkt an den Zielort im Garten gesteckt. In den meisten Fällen bilden sich bereits nach wenigen Wochen die ersten neuen Wurzeln an den Augen.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Eine weitere beliebte Methode ist die Vermehrung durch Stecklinge im Frühsommer während der aktiven Wachstumsphase. Dabei werden halbverholzte Triebspitzen abgetrennt und unter gespannter Luft, beispielsweise in einem Minigewächshaus, bewurzelt. Diese jungen Pflanzen benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit und Schutz vor direkter Mittagssonne, um nicht zu welken. Sobald sie kräftige Wurzeln gebildet haben, können sie in größere Töpfe umgepflanzt werden.
Absenker bieten eine fast narrensichere Möglichkeit, wenn man nur wenige neue Pflanzen benötigt. Dabei wird ein langer, biegsamer Trieb des Mutterstrauches zum Boden gebogen und ein Teil davon mit Erde bedeckt. Die Stelle sollte leicht angeritzt werden, um die Kallusbildung und damit die Wurzelentstehung zu provozieren. Nach etwa einem Jahr kann die Verbindung zur Mutterpflanze getrennt und der neue Strauch eigenständig verpflanzt werden.
Die vegetative Vermehrung hat den großen Vorteil, dass die Eigenschaften der Mutterpflanze exakt erhalten bleiben. Wenn man einen besonders ertragreichen oder großfrüchtigen Strauch im Garten hat, lässt sich dieser so identisch klonen. Dies ist besonders für Hobbygärtner interessant, die gezielt bestimmte Qualitäten in ihrem Garten fördern möchten. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen lokale Krankheiten wird auf diese Weise oft eins zu eins weitergegeben.
Generative Vermehrung durch Aussaat
Die Vermehrung über Samen ist beim Holunder zwar möglich, erfordert aber deutlich mehr Geduld und Vorbereitung. Da die Samen eine natürliche Keimhemmung besitzen, müssen sie vor der Aussaat einer Kältebehandlung unterzogen werden. Dieser Prozess, auch Stratifikation genannt, simuliert den Winter und signalisiert dem Samen, dass die Zeit zum Keimen gekommen ist. In der Natur übernehmen oft Vögel diese Aufgabe, indem sie die Beeren fressen und die Samen wieder ausscheiden.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Die Aussaat erfolgt am besten im Herbst in Schalen, die über den Winter im Freien oder in einem kalten Kasten stehen. Die feine Aussaaterde sollte stets feucht gehalten werden, darf aber niemals völlig durchnässen. Im Frühjahr zeigen sich dann die ersten Keimlinge, die zunächst sehr empfindlich auf direkte Sonne reagieren. Sobald sie das zweite Blattpaar gebildet haben, können die kleinen Holunderpflanzen in Einzeltöpfe pikiert werden.
Ein Nachteil dieser Methode ist die genetische Variabilität der Nachkommen, da sie nicht identisch mit der Mutterpflanze sind. Man weiß also nie genau, wie groß die Beeren oder wie intensiv das Aroma der Blüten sein wird. Oft entstehen jedoch interessante neue Varianten, die für Überraschungen im Garten sorgen können. Für professionelle Ertragsanlagen wird die Aussaat daher eher selten genutzt, im naturnahen Garten ist sie jedoch ein schönes Experiment.
Man sollte zudem beachten, dass aus Samen gezogene Pflanzen länger brauchen, bis sie das erste Mal blühen und fruchten. Während Steckhölzer oft schon im zweiten Jahr Ertrag bringen, vergehen bei Sämlingen meist drei bis vier Jahre. Wer jedoch Zeit hat und die natürliche Vielfalt schätzt, findet in der Aussaat eine faszinierende Beschäftigung. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, die biologische Dynamik des Holunders hautnah mitzuerleben.
Pflege nach der Pflanzung
In den ersten Wochen nach dem Setzen des Strauches ist die Wasserversorgung das kritischste Element für den Erfolg. Der Boden darf niemals ganz austrocknen, da die jungen Wurzeln noch nicht tief genug reichen, um sich selbst zu versorgen. Man sollte lieber seltener, aber dafür durchdringend gießen, damit das Wasser auch die tieferen Erdschichten erreicht. Tägliches oberflächliches Wässern fördert hingegen nur die Bildung von Oberflächenwurzeln, was die Pflanze anfällig macht.
Ein leichter Rückschnitt der Triebe nach der Pflanzung hilft dem Holunder, das Gleichgewicht zwischen Wurzelmasse und Blattwerk zu finden. Durch das Einkürzen wird die Verdunstungsfläche reduziert, was den Stress für die junge Pflanze minimiert. Gleichzeitig wird dadurch die Verzweigung von der Basis her angeregt, was zu einem buschigeren Wuchs führt. Man sollte jedoch nicht zu radikal vorgehen, um dem Strauch noch genügend Blattmasse für die Photosynthese zu lassen.
Eine Düngung ist im ersten Jahr meist nicht notwendig, wenn das Pflanzloch gut vorbereitet wurde. Zu viele Nährstoffe könnten die zarten neuen Wurzeln sogar schädigen oder zu einem mastigen Wachstum führen. Erst im zweiten Standjahr kann man im Frühjahr mit einer moderaten Gabe von organischem Dünger beginnen. Eine Mulchschicht aus Gartenabfällen liefert meist genügend Energie für einen gesunden Start in die neue Saison.
Schließlich sollte man die junge Pflanze vor mechanischen Einflüssen wie starkem Wind oder spielenden Haustieren schützen. Ein stabiler Holzpfahl kann in windigen Lagen für die nötige Sicherheit sorgen und ein Schiefwachsen verhindern. Es empfiehlt sich auch, den Bereich um den Stamm frei von Rasen zu halten, um die Konkurrenz zu minimieren. Mit diesen Schritten steht einer gesunden Entwicklung des schwarzen Holunders nichts mehr im Weg.