Die Weiße Akazie ist im ausgewachsenen Zustand vollkommen winterhart und verträgt Temperaturen bis weit unter minus 20 Grad Celsius. Man muss sich also bei etablierten Bäumen keine Sorgen um Frostschäden am Stamm oder an den Hauptästen machen. Diese Kälteresistenz macht sie zu einem idealen Baum für weite Teile Mitteleuropas. Dennoch gibt es in jungen Jahren einige Besonderheiten, die man beachten sollte, um Ausfälle zu vermeiden.
Die Winterhärte entwickelt sich mit dem Alter der Pflanze und der Verholzung der Triebe. Ein Baum, der im Sommer zu viel Stickstoff erhalten hat, bildet oft weiche Triebe, die im Winter zurückfrieren können. Es ist daher entscheidend, die Düngung rechtzeitig einzustellen, damit das Gewebe ausreifen kann. Man erkennt die Reife an der braunen Färbung der jungen Zweige im Spätherbst. Gut verholztes Gewebe speichert weniger Wasser und ist somit weniger anfällig für Frostsprengung.
In Regionen mit sehr frühen oder sehr späten Frösten kann es dennoch zu Schäden kommen. Ein früher Frost im Herbst trifft den Baum eventuell noch im vollen Laub, was die Energieaufnahme für den Winter stört. Spätfröste im Frühjahr hingegen können die frisch ausgetriebenen Blätter und Blütenknospen zerstören. Die Weiße Akazie treibt jedoch recht spät im Jahr aus, was ein natürlicher Schutzmechanismus gegen Spätfröste ist. Dies zeigt, wie gut der Baum an wechselhafte klimatische Bedingungen angepasst ist.
Man sollte auch den Einfluss von winterlicher Trockenheit nicht unterschätzen. Bei Dauerfrost und gleichzeitigem Sonnenschein verdunsten die Zweige Wasser, das die Wurzeln aus dem gefrorenen Boden nicht nachliefern können. Man spricht hier von Frosttrocknis, die oft fälschlicherweise für Erfrierungen gehalten wird. Eine gute Wasserversorgung im späten Herbst hilft dem Baum, mit gefüllten Speichern in den Winter zu gehen. So ist er bestens gerüstet für die kalte und oft trockene Jahreszeit.
Schutzmaßnahmen für junge Setzlinge
Junge Akazien, die erst vor kurzem gepflanzt wurden, benötigen in ihren ersten Wintern etwas zusätzliche Aufmerksamkeit. Man sollte den Wurzelbereich mit einer dicken Schicht aus Laub oder Reisig abdecken, um den Boden vor tiefem Durchfrieren zu schützen. Dies hält die Restwärme im Boden und ermöglicht es den jungen Wurzeln, länger aktiv zu bleiben. Eine Mulchschicht von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern ist hierfür völlig ausreichend. Man kann diese Schicht im Frühjahr einfach in den Boden einarbeiten oder entfernen.
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Der Stamm von jungen Bäumen ist noch recht dünn und hat eine empfindliche Rinde, die durch starke Sonneneinstrahlung bei Frost reißen kann. Man spricht hier von Frostrissen, die entstehen, wenn sich die Sonnenseite erwärmt, während die Schattenseite gefroren bleibt. Ein Anstrich mit weißer Stammschutzfarbe reflektiert das Sonnenlicht und verhindert diese extremen Temperaturunterschiede. Alternativ kann man den Stamm auch mit einer Matte aus Schilf oder Jute umwickeln. Dies bietet zudem einen gewissen Schutz gegen hungriges Wild im Winter.
Man sollte junge Containerpflanzen, die noch nicht ausgepflanzt sind, besonders gut schützen. Die Wurzeln im Topf sind dem Frost wesentlich stärker ausgesetzt als im gewachsenen Boden. Man sollte die Töpfe an einem geschützten Ort zusammenstellen und mit isolierendem Material wie Noppenfolie oder Vlies umhüllen. Ein Styroporblock unter dem Topf verhindert, dass die Kälte direkt vom Boden in das Gefäß zieht. An frostfreien Tagen darf man das Gießen nicht vergessen, damit der Wurzelballen nicht austrocknet.
Sobald der Baum eine Höhe von zwei bis drei Metern erreicht hat, kann man die Schutzmaßnahmen meist einstellen. Die Rinde ist dann dick genug, um den Belastungen standzuhalten, und die Wurzeln reichen tief genug in frostfreie Schichten. Man sollte den Übergang jedoch beobachten und bei extremen Kältewellen lieber einmal mehr schützen als zu wenig. Ein erfahrener Gärtner entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, was seine Schützlinge brauchen. Die Akazie wird es mit einem kräftigen Austrieb im nächsten Frühjahr danken.
Vorbeugung von Frostrissen und Rindenschäden
Frostrisse sind lange vertikale Spalten im Stamm, die entstehen, wenn das Holz durch ungleichmäßige Erwärmung unter Spannung gerät. Man sollte diese Risse unbedingt vermeiden, da sie dauerhafte Schwachstellen im Baumgefüge darstellen und Krankheitserreger einladen. Besonders an sonnigen Wintertagen nach kalten Nächten ist die Gefahr am größten. Wer keine Schutzfarbe verwenden möchte, kann auch einfache Fichtenzweige an die Südseite des Stammes lehnen. Dies bricht die direkte Sonneneinstrahlung und sorgt für einen sanfteren Temperaturverlauf.
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Man sollte auch darauf achten, dass im Winter keine mechanischen Belastungen auf den gefrorenen Baum einwirken. Gefrorenes Holz ist wesentlich spröder als im Sommer und bricht bei Belastung wie Glas. Man sollte daher davon absehen, im Winter schwere Leitern an den Baum zu lehnen oder Äste grob zu biegen. Falls Schnittmaßnahmen nötig sind, sollten diese an frostfreien Tagen mit sehr scharfem Werkzeug durchgeführt werden. Ein sauberer Schnitt verhindert, dass die Rinde im Frost weiter einreißt.
Der Einsatz von Streusalz in der Nähe der Akazie ist im Winter absolut zu vermeiden. Das Salz dringt mit dem Schmelzwasser in den Boden ein und schädigt die Wurzeln massiv durch osmotischen Stress. Dies kann im nächsten Frühjahr zu kümmerlichem Wachstum oder sogar zum Absterben von Ästen führen. Man sollte lieber Sand oder Splitt als Streumittel verwenden, wenn der Baum an einem Weg steht. Falls dennoch Salz an den Baum gelangt ist, sollte man den Boden bei Tauwetter kräftig wässern, um das Salz auszuspülen.
Man kann die Winterhärte auch indirekt durch die richtige Pflege im Sommer beeinflussen. Ein Baum, der gesund und schädlingsfrei in den Winter geht, hat wesentlich mehr Energiereserven in Form von Stärke eingelagert. Diese Reserven dienen als natürliches Frostschutzmittel in den Zellen der Pflanze. Eine ausgewogene Kaliumversorgung im Spätsommer stärkt zudem die Zellwände und erhöht die Frosttoleranz deutlich. Man sieht also, dass die Wintervorbereitung bereits Monate vor dem ersten Frost beginnt.
Vorbereitung auf den Frühjahrsaustrieb
Gegen Ende des Winters bereitet sich die Weiße Akazie langsam auf das Erwachen vor, auch wenn man es von außen noch nicht sieht. Man sollte nun beginnen, die Winterschutzmaßnahmen schrittweise zu entfernen, sobald keine Dauerfröste mehr zu erwarten sind. Ein zu langes Verbleiben unter Vlies oder Folie kann bei warmer Witterung zu Pilzbildung führen. Der Baum braucht nun wieder Licht und Luft an seinem Stamm und im Wurzelbereich. Man nutzt die Zeit auch, um den Baum auf eventuelle Winterschäden zu untersuchen.
Wenn man Frostrisse entdeckt hat, sollte man diese im zeitigen Frühjahr beobachten, ob sie sich von selbst schließen. Kleinere Risse heilen meist gut aus, wenn das Kambium im Frühling wieder aktiv wird. Man sollte die Wundränder nicht unnötig bearbeiten, es sei denn, es hat sich loses Rindenmaterial gebildet. In den meisten Fällen ist die Selbstheilungskraft der Akazie so groß, dass sie solche Schäden innerhalb einer Vegetationsperiode überwallt. Ein gesunder Saftfluss ist das beste Heilmittel für den Baum.
Man kann im späten Winter auch die ersten vorsichtigen Schnittmaßnahmen durchführen, um totes oder beschädigtes Holz zu entfernen. Man sollte jedoch warten, bis die härtesten Fröste vorbei sind, damit die Schnittstellen nicht austrocknen. Die Weiße Akazie blutet im Frühjahr kaum, was den Schnitt zu diesem Zeitpunkt sehr unproblematisch macht. Man fördert durch das Auslichten die Luftzirkulation in der Krone, was Krankheiten im Sommer vorbeugt. Ein guter Start in die Saison beginnt mit einer sauberen Struktur.
Sobald der Boden aufgetaut ist, kann man eine erste Gabe von Kompost oberflächlich einarbeiten. Dies gibt dem Baum die nötigen Nährstoffe für den energieintensiven Austrieb der Blätter und Blüten. Man sollte darauf achten, den Boden dabei nicht zu tief umzugraben, um die oberflächennahen Saugwurzeln nicht zu verletzen. Ein vorsichtiges Lockern der Erdoberfläche reicht völlig aus. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im April wird die Akazie dann schnell ihre volle Pracht entfalten.