Obwohl der Meerrettich kein klassisches Gehölz ist, das einen jährlichen Formschnitt benötigt, spielen gezielte Schnittmaßnahmen eine wichtige Rolle für die Erntequalität. Durch das Entfernen bestimmter Pflanzenteile zu den richtigen Zeitpunkten kann der Gärtner das Wachstum steuern und die Ausbildung der Hauptwurzel optimieren. Diese Eingriffe erfordern etwas Wissen über die Physiologie der Pflanze, sind aber leicht umsetzbar. In diesem Artikel erfährst du, wann und wie du zur Schere greifen solltest, um das Beste aus deinem Meerrettich herauszuholen.
Das entfernen der blütenstände zur kraftbündelung Im Frühsommer neigen viele Meerrettichpflanzen dazu, lange Blütenstiele mit weißen, duftenden Blüten auszubilden. Obwohl diese Blüten hübsch anzusehen sind und Insekten anlocken, kosten sie die Pflanze enorme Mengen an Energie. Da wir bei dieser Kultur primär an der Wurzel interessiert sind, ist es ratsam, diese Blütenstände konsequent und frühzeitig zu entfernen. Sobald sich die ersten Knospen zeigen, sollten sie knapp über dem Blattansatz abgeschnitten werden.
Durch diesen rückschnitt wird der Energiefluss der Pflanze unterbrochen, der normalerweise in die Samenbildung fließen würde. Die so eingesparten Reservestoffe stehen stattdessen für das Dickenwachstum der Pfahlwurzel zur Verfügung. In der Regel treibt die Pflanze nach dem ersten Schnitt keine weiteren Blüten mehr nach und konzentriert sich voll auf das Blatt- und Wurzelwachstum. Es ist ein einfacher Eingriff mit großer Wirkung auf den späteren Ernteertrag.
Man sollte für diesen schnitt eine saubere, scharfe Gartenschere verwenden, um keine Quetschungen am Stängel zu verursachen. Glatte Schnittflächen heilen schneller ab und bieten weniger Angriffsfläche für Krankheitserreger. Es ist auch möglich, die jungen Blütenstiele einfach mit den Fingern auszubrechen, solange sie noch weich und krautig sind. In jedem Fall sollte man den Zeitpunkt nicht verpassen, bevor die Pflanze bereits zu viel Kraft investiert hat.
Wer den insekten im Garten etwas Gutes tun möchte, kann einige wenige Blütenstände stehen lassen. Der Duft des Meerrettichs ist für Bienen und Schwebfliegen sehr attraktiv und bereichert die Artenvielfalt im Garten. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Wurzel dieser speziellen Pflanze am Ende der Saison wahrscheinlich etwas kleiner ausfallen wird. Ein Kompromiss zwischen ökologischem Nutzen und Ertragsoptimierung ist hier oft der goldene Mittelweg.
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Das beschneiden der seitenwurzeln im sommer Eine der wichtigsten Schnittmaßnahmen beim Meerrettich findet unter der Erde statt und wird als „Heben“ bezeichnet. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Wurzelschnitt, bei dem die oberen Seitenwurzeln der Hauptstange entfernt werden. Dieser Vorgang sorgt dafür, dass die Pflanze eine glatte, dicke und gerade Hauptwurzel bildet, die sich später hervorragend verarbeiten lässt. Ohne diesen Eingriff neigt der Meerrettich dazu, sich stark zu verzweigen und viele dünne Nebenwurzeln zu bilden.
Für diesen schnitt legt man vorsichtig den oberen Teil der Wurzel frei, ohne die gesamte Pflanze auszugraben. Mit einem scharfen Messer werden alle dünnen Wurzeln, die seitlich aus der Hauptstange austreten, direkt am Stamm abgeschnitten. Man arbeitet sich dabei etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter in die Tiefe vor. Danach wird die Erde wieder fest angedrückt und die Pflanze gut gewässert, damit sie sich schnell von dem Eingriff erholt.
Der ideale zeitpunkt für diesen wurzelschnitt ist der Monat Juni oder Juli, wenn die Pflanze bereits kräftig im Wuchs steht. Zu frühes Schneiden kann die Pflanze zu stark schwächen, während ein zu später Schnitt kaum noch Einfluss auf die Form der Wurzel hat. Es erfordert ein wenig Mut, die Wurzel freizulegen, aber das Ergebnis in Form einer makellosen Meerrettichstange belohnt die Mühe. Profis wiederholen diesen Vorgang manchmal sogar ein zweites Mal im August.
Nach dem schnitt ist eine gute Wasserversorgung besonders wichtig, um die Regeneration zu fördern. Die Pflanze schließt die Schnittwunden unter der Erde in der Regel sehr schnell, sofern keine Staunässe herrscht. Dieser traditionelle Pflegeschritt ist das Geheimnis hinter den prachtvollen Wurzeln, die man oft auf Märkten oder in Fachgeschäften bewundern kann. Es macht aus einer wild wuchernden Pflanze eine hochwertige Kulturpflanze.
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Herbstlicher rückschnitt und erntevorbereitung Gegen Ende der Vegetationsperiode, meist nach den ersten Frösten im Oktober oder November, beginnt das Laub des Meerrettichs zu vergilben. Dies ist das Zeichen, dass die Pflanze die Nährstoffe in die Wurzel zurückgezogen hat und nun in die Ruhephase geht. Jetzt kann das gesamte oberirdische Laub bodennah abgeschnitten und entfernt werden. Dies erleichtert nicht nur die spätere Ernte, sondern sorgt auch für Ordnung im herbstlichen Gemüsebeet.
Das abgeschnittene laub sollte man genau auf Krankheiten untersuchen, bevor man es entsorgt. Bei Anzeichen von Weißem Rost oder anderen Pilzen gehört das Material nicht auf den Kompost, sondern in den Hausmüll. Gesunde Blätter hingegen können gehäckselt und als Mulch oder Kompostkomponente wiederverwendet werden. Das Abräumen des Beetes minimiert zudem die Versteckmöglichkeiten für Schädlinge, die sonst gerne unter dem alten Laub überwintern.
Wenn man die wurzeln erst im Laufe des Winters oder im zeitigen Frühjahr ernten möchte, dient ein kleiner Rest der Blattstiele als Markierung. Man schneidet das Laub etwa zwei bis drei Zentimeter über dem Boden ab, sodass der Wurzelkopf gerade noch erkennbar bleibt. Dies schützt das Herz der Pflanze vor direkter Nässe und hilft dabei, den Standort im verschneiten Garten wiederzufinden. Ein sauberer Rückschnitt verhindert zudem das Faulen von Blattresten direkt über dem Wurzelkopf.
Der frühjahrsaustrieb beginnt oft schon, bevor der Gärtner die letzte Ernte abgeschlossen hat. Sobald die ersten grünen Spitzen im März aus dem Boden schauen, sollte man die restlichen Wurzeln zügig ausgraben. Ein Rückschnitt des frischen Austriebs ist nicht sinnvoll, wenn man die Wurzel noch verwenden möchte, da sie dann bereits an Qualität verliert. Die Natur gibt durch das neue Wachstum den Takt vor, wann die Zeit der Ernte endgültig vorbei ist.