Eine an die mediterrane Herkunft angepasste Bewässerung und eine zurückhaltende Düngung sind die Grundpfeiler für einen gesunden und aromatischen Rosmarin. Viele gut gemeinte Pflegeversuche scheitern an einer übermäßigen Wasserversorgung, die zu der gefürchteten Wurzelfäule führt, dem wohl häufigsten Problem in der Rosmarinkultur. Die Pflanze hat sich im Laufe der Evolution an trockene, sonnige Standorte mit kargen Böden angepasst und signalisiert ihren Wasserbedarf eher durch ein leichtes Hängenlassen der Triebspitzen als durch gelbe Blätter. Das Verständnis für diesen grundlegenden Charakterzug des Rosmarins ist entscheidend, um ihn nicht zu „überpflegen“ und ihm genau das zu geben, was er für ein kräftiges Wachstum und die Ausbildung seiner wertvollen ätherischen Öle benötigt.

Das richtige Gießverhalten ist bei Rosmarin von entscheidender Bedeutung und orientiert sich am Prinzip des „kontrollierten Austrocknens“. Anstatt die Pflanze nach einem starren Zeitplan zu wässern, sollte man sich immer am Zustand des Substrats orientieren. Führe vor jeder Wassergabe die Fingerprobe durch: Stecke deinen Finger etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde. Nur wenn sich das Substrat in dieser Tiefe trocken anfühlt, ist es an der Zeit zu gießen. Diese Methode verhindert zuverlässig, dass die Wurzeln permanent im Nassen stehen, was sie nicht tolerieren.

Wenn gegossen wird, dann sollte dies durchdringend und gründlich geschehen, sodass der gesamte Wurzelballen vollständig durchfeuchtet wird. Gieße so lange, bis das Wasser aus den Abzugslöchern am Topfboden wieder austritt. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass auch die unteren Wurzelpartien erreicht werden und fördert ein tiefes Wurzelwachstum. Nach dem Gießen ist es jedoch unerlässlich, überschüssiges Wasser, das sich im Untersetzer oder Übertopf sammelt, nach einigen Minuten zu entfernen, um die tödliche Staunässe zu vermeiden.

Die Häufigkeit der Bewässerung variiert stark je nach Jahreszeit, Standort und Topfgröße. Im Hochsommer an einem vollsonnigen Platz kann es, besonders bei Pflanzen in kleineren Tontöpfen, notwendig sein, alle paar Tage zu gießen. Im Frühling und Herbst, bei kühleren Temperaturen und weniger intensivem Sonnenschein, verlängern sich die Gießintervalle entsprechend. Während der Überwinterung in einem kühlen Quartier wird die Wasserversorgung auf ein Minimum reduziert, sodass der Ballen gerade nicht vollständig austrocknet.

Eine gute Beobachtungsgabe hilft dabei, den Wasserbedarf der Pflanze richtig einzuschätzen. Ein gesunder, gut versorgter Rosmarin hat feste, aufrecht stehende Nadeln. Beginnen die Triebspitzen leicht zu hängen, ist dies oft das erste, zuverlässige Zeichen für Wassermangel. Reagiert man auf dieses Signal zeitnah mit einer gründlichen Wassergabe, erholt sich die Pflanze in der Regel schnell und ohne bleibende Schäden. Gelbe oder braune Nadeln hingegen sind oft ein Alarmsignal für zu viel Wasser und bereits einsetzende Wurzelschäden.

Die Qualität des Wassers

Neben der richtigen Menge spielt auch die Qualität des Gießwassers eine Rolle für das Wohlbefinden des Rosmarins. In seiner mediterranen Heimat wächst Rosmarin oft auf kalkhaltigen Böden und ist daher an einen gewissen Kalkgehalt im Wasser gewöhnt. Aus diesem Grund stellt normales, mittelhartes Leitungswasser für die Pflanze in der Regel kein Problem dar und wird gut vertragen. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen, die kalkempfindlich sind und mit weichem Regenwasser gegossen werden sollten, kommt der Rosmarin mit dem im Leitungswasser enthaltenen Kalk gut zurecht.

Regenwasser ist selbstverständlich ebenfalls eine gute Option, insbesondere wenn das lokale Leitungswasser extrem hart oder gechlort ist. Gesammeltes Regenwasser ist von Natur aus weich, kalkarm und hat eine für Pflanzen ideale Temperatur. Wer die Möglichkeit hat, Regenwasser zu sammeln, kann dieses bedenkenlos für seinen Rosmarin verwenden. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, und die Pflanze wird bei der Verwendung von Leitungswasser keine Nachteile erleiden, solange die grundsätzlichen Bewässerungsregeln beachtet werden.

Die Temperatur des Gießwassers sollte idealerweise nicht eiskalt sein, um einen Kälteschock für die Wurzeln zu vermeiden. Am besten ist es, Wasser zu verwenden, das Zimmertemperatur hat. Lasse dafür das Wasser einfach einige Stunden in der Gießkanne stehen, bevor du es verwendest. Dies ermöglicht nicht nur eine Temperaturanpassung, sondern auch das Ausgasen von eventuell enthaltenem Chlor, was die Wasserqualität zusätzlich verbessert.

Der beste Zeitpunkt zum Gießen ist am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Das Gießen in der prallen Mittagssonne sollte vermieden werden, da Wassertropfen auf den Blättern wie kleine Brenngläser wirken und zu unschönen Verbrennungen führen können. Zudem ist die Verdunstung zu dieser Tageszeit am höchsten, sodass ein großer Teil des Wassers verloren geht, bevor es die Wurzeln überhaupt erreichen kann. Ein Gießen am Morgen ermöglicht es der Pflanze, das Wasser über den Tag hinweg aufzunehmen und gut versorgt in die heißen Mittagsstunden zu gehen.

Die Grundsätze der Düngung

Rosmarin ist eine Pflanze der kargen Böden und benötigt daher nur sehr wenige Nährstoffe. Eine Überdüngung ist einer der häufigsten Pflegefehler und schadet der Pflanze mehr, als sie nützt. Zu viele Nährstoffe, insbesondere Stickstoff, führen zu einem schnellen, aber weichen und instabilen Wachstum. Solche „mastigen“ Triebe sind anfälliger für Schädlingsbefall und Pilzkrankheiten und neigen dazu, bei Wind oder Regen leicht umzuknicken. Zudem leidet das Aroma, da die Pflanze ihre Energie in die Produktion von Blattmasse statt in die Konzentration von ätherischen Ölen investiert.

Für Rosmarin, der im Gartenbeet ausgepflanzt ist, ist in den meisten Fällen überhaupt keine zusätzliche Düngung erforderlich. Der Nährstoffvorrat in einem normalen Gartenboden ist für diese genügsame Pflanze vollkommen ausreichend. Eine Ausnahme kann bei sehr sandigen und extrem nährstoffarmen Böden bestehen. Hier kann eine einmalige Gabe von reifem Kompost im Frühjahr, der flach in die oberste Bodenschicht eingearbeitet wird, sinnvoll sein, um das Bodenleben zu aktivieren und eine langsame, kontinuierliche Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Bei der Haltung im Topf ist die Situation etwas anders, da das Nährstoffreservoir im begrenzten Erdvolumen nach einiger Zeit erschöpft ist. Hier empfiehlt sich eine sehr sparsame Düngung während der Hauptwachstumsphase von April bis August. Ein flüssiger organischer Kräuterdünger oder ein anderer schwach konzentrierter Dünger ist die beste Wahl. Dieser sollte nur etwa alle vier bis sechs Wochen und in halber Konzentration der Herstellerangabe mit dem Gießwasser verabreicht werden.

Ab Ende August sollte die Düngung vollständig eingestellt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Pflanze auf den Winter vorzubereiten. Eine späte Düngung würde die Bildung neuer, weicher Triebe anregen, die vor dem Einsetzen des Frosts nicht mehr ausreichend verholzen können. Diese Triebe wären dem Frost schutzlos ausgeliefert und würden erfrieren, was die Pflanze unnötig schwächt und Eintrittspforten für Krankheitserreger schaffen kann.

Organische versus mineralische Dünger

Bei der Wahl des Düngers für Rosmarin sollte organischen Düngemitteln immer der Vorzug gegeben werden. Organische Dünger wie Kompost, Hornspäne oder flüssige Kräuterdünger auf pflanzlicher Basis setzen ihre Nährstoffe langsam und kontinuierlich frei, was der Gefahr einer Überdüngung vorbeugt. Sie wirken nicht nur als Nährstoffquelle, sondern verbessern auch die Bodenstruktur, fördern die Humusbildung und unterstützen ein gesundes und aktives Bodenleben. Diese ganzheitliche Wirkung kommt der Gesundheit und Widerstandsfähigkeit des Rosmarins sehr zugute.

Mineralische Dünger, oft als „Kunstdünger“ bezeichnet, liefern Nährstoffe in Form von Salzen, die für die Pflanze schnell verfügbar sind. Dies birgt jedoch die große Gefahr einer Überdosierung und Versalzung des Bodens, worauf Rosmarin sehr empfindlich reagiert. Eine zu hohe Salzkonzentration im Substrat kann die Wurzeln schädigen („verbrennen“) und die Wasseraufnahme der Pflanze blockieren, selbst wenn die Erde feucht ist. Zudem tragen mineralische Dünger nicht zur Verbesserung der Bodenqualität bei.

Für die Topfkultur sind organische Flüssigdünger ideal, da sie einfach mit dem Gießwasser ausgebracht werden können. Achte auf eine stickstoffarme Formulierung, die speziell auf die Bedürfnisse von Kräutern abgestimmt ist. Viele dieser Dünger enthalten neben den Hauptnährstoffen auch wichtige Spurenelemente, die für verschiedene Stoffwechselfunktionen der Pflanze unerlässlich sind. Eine sparsame Anwendung in größeren Abständen ist, wie bereits erwähnt, vollkommen ausreichend.

Eine weitere ausgezeichnete Möglichkeit der organischen Langzeitdüngung im Topf ist die Beimischung von Hornspänen oder Schafwolldünger beim Umtopfen. Diese Materialien zersetzen sich sehr langsam und geben ihre Nährstoffe über einen langen Zeitraum bedarfsgerecht an die Pflanze ab. Dies stellt eine schonende und nachhaltige Grundversorgung sicher, die oft für eine ganze Saison ausreicht. Eine zusätzliche Flüssigdüngung ist dann nur noch in seltenen Fällen bei sehr stark zehrenden Pflanzen notwendig.

Mangelerscheinungen erkennen

Obwohl Rosmarin sehr genügsam ist, können in seltenen Fällen, insbesondere bei langjähriger Topfkultur ohne Umtopfen, Mangelerscheinungen auftreten. Ein allgemeiner Nährstoffmangel zeigt sich oft durch ein verlangsamtes oder stagnierendes Wachstum und eine allgemeine Blässe der Nadeln. Die Pflanze wirkt kraftlos und bildet kaum neue Triebe, obwohl die Standortbedingungen wie Licht und Wasser optimal sind. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass der Nährstoffvorrat im Substrat aufgebraucht ist.

Eine Gelbfärbung der Nadeln, die sogenannte Chlorose, kann auf einen spezifischen Mangel hindeuten, ist aber bei Rosmarin häufiger ein Symptom für Pflegefehler. Beginnen sich die älteren, unteren Nadeln gelb zu färben, während die Triebspitzen noch grün sind, kann dies auf einen Stickstoffmangel hindeuten. Färben sich hingegen die jungen Triebe gelb, während die älteren Nadeln grün bleiben, ist eher ein Eisenmangel wahrscheinlich. Dieser tritt oft in Böden mit einem zu hohen pH-Wert auf, was die Eisenaufnahme blockiert.

Bevor jedoch aufgrund von gelben Nadeln gedüngt wird, müssen unbedingt andere Ursachen ausgeschlossen werden. In den allermeisten Fällen ist eine Gelbfärbung beim Rosmarin kein Zeichen von Nährstoffmangel, sondern ein Alarmsignal für zu viel Wasser und beginnende Wurzelfäule. Überprüfe daher immer zuerst die Feuchtigkeit des Substrats und die Drainage. Erst wenn Staunässe als Ursache sicher ausgeschlossen werden kann, sollte eine Mangelernährung in Betracht gezogen werden.

Bei festgestelltem Nährstoffmangel sollte die Düngung gezielt, aber vorsichtig erfolgen. Beginne mit einer schwach dosierten Gabe eines organischen Flüssigdüngers. Eine zu schnelle und hoch konzentrierte Düngung würde die bereits geschwächte Pflanze überfordern. Besser ist es, die Nährstoffzufuhr langsam zu steigern und die Reaktion der Pflanze zu beobachten. Langfristig ist bei Mangelerscheinungen in Topfkultur das Umtopfen in frisches, nährstoffreiches Substrat oft die beste und nachhaltigste Lösung.