Die erfolgreiche Überwinterung ist die größte Herausforderung und zugleich der entscheidende Schlüssel für eine mehrjährige Kultur der frostempfindlichen Engelstrompete in unseren Breitengraden. Da die Brugmansia aus subtropischen Regionen stammt, verträgt sie keinerlei Frost und muss die kalte Jahreszeit in einem geschützten Quartier verbringen. Eine sorgfältige Vorbereitung der Pflanze und die Wahl des richtigen Winterquartiers sind dabei von größter Bedeutung, um sicherzustellen, dass sie die Ruhephase gut übersteht und im nächsten Frühjahr wieder kräftig austreiben kann. Viele Gärtner scheitern an dieser Hürde, doch mit dem richtigen Wissen und einer guten Planung lässt sich die Überwinterung problemlos meistern. Die Mühe wird belohnt, wenn die Pflanze von Jahr zu Jahr größer, kräftiger und blütenreicher wird.

Der Prozess der Überwinterung beginnt nicht erst mit dem Einräumen der Pflanze, sondern bereits im Spätsommer durch eine angepasste Pflege. Das langsame Reduzieren der Dünger- und Wassergaben signalisiert der Pflanze, ihr Wachstum einzustellen und das Holz für den Winter ausreifen zu lassen. Dieser Übergang von der aktiven Wachstumsphase in die Ruhephase ist ein natürlicher Prozess, den der Gärtner durch seine Pflegemaßnahmen aktiv unterstützen muss. Eine Pflanze, die bis in den späten Herbst hinein stark gedüngt wird, bildet weiche, frostanfällige Triebe und ist schlecht auf die Strapazen des Winters vorbereitet.

Die Wahl des Überwinterungsortes ist der nächste kritische Punkt. Die idealen Bedingungen hängen davon ab, ob man die Pflanze „kalt und dunkel“ oder „kühl und hell“ überwintern möchte. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile und erfordern eine unterschiedliche Pflege während der Wintermonate. Die Entscheidung für eine der Methoden hängt von den individuellen räumlichen Gegebenheiten ab, sei es ein Keller, eine Garage, ein Treppenhaus oder ein Wintergarten. Unabhängig von der Methode ist eine regelmäßige Kontrolle der Pflanze während des Winters unerlässlich.

Das erfolgreiche Auswintern im Frühjahr ist der letzte Schritt, der die Überwinterung abschließt. Der Übergang vom geschützten Winterquartier zurück ins Freie muss schrittweise erfolgen, um die Pflanze nicht zu schocken. Zu frühes Ausräumen birgt die Gefahr von Spätfrösten, während ein zu plötzlicher Wechsel von Dunkelheit zu praller Sonne zu Blattverbrennungen führen kann. Wer diesen gesamten Zyklus – von der Vorbereitung im Herbst über die Pflege im Winter bis zum behutsamen Start im Frühling – meistert, wird viele Jahre Freude an seiner majestätischen Engelstrompete haben.

Vorbereitung auf die winterruhe

Die Vorbereitung auf die Winterruhe beginnt bereits im Spätsommer, etwa ab Ende August oder Anfang September. Zu diesem Zeitpunkt ist es entscheidend, die Düngung langsam zu reduzieren und schließlich ganz einzustellen. Insbesondere stickstoffhaltige Dünger, die das vegetative Wachstum fördern, sollten vermieden werden. Eine letzte Gabe eines kaliumbetonten Düngers kann helfen, die Triebe zu stärken und das Holz besser ausreifen zu lassen, was die Winterhärte der Pflanze verbessert. Diese Umstellung im Nährstoffangebot signalisiert der Engelstrompete, sich auf die bevorstehende Ruhephase vorzubereiten.

Parallel zur Düngung werden auch die Wassergaben allmählich reduziert. Die Pflanze benötigt mit den kühler werdenden Temperaturen und der abnehmenden Lichtintensität weniger Wasser. Das Substrat sollte zwischen den Gießvorgängen nun deutlicher abtrocknen. Diese Maßnahme fördert ebenfalls das Ausreifen der Triebe und verringert das Risiko von Fäulnis im Wurzelbereich, was besonders bei kühler und feuchter Herbstwitterung eine Gefahr darstellt. Die Pflanze wird so langsam in einen Zustand reduzierter Aktivität versetzt.

Bevor die Pflanze ins Winterquartier kommt, sollte sie gründlich auf Schädlinge untersucht werden. Insbesondere Blattläuse, Spinnmilben oder die Weiße Fliege neigen dazu, sich in der trockenen Luft des Winterquartiers massenhaft zu vermehren und die geschwächte Pflanze stark zu schädigen. Eine präventive Behandlung mit einem geeigneten Pflanzenschutzmittel oder einer Seifenlauge kann viele Probleme von vornherein verhindern. Es ist auch ratsam, alle noch vorhandenen Blätter zu entfernen, da diese im Winterquartier ohnehin meist abfallen und ein Nährboden für Pilzkrankheiten sein können.

Kurz vor dem Einräumen, das vor dem ersten Nachtfrost erfolgen muss, wird die Engelstrompete kräftig zurückgeschnitten. Der Rückschnitt reduziert die Größe der Pflanze, macht sie handlicher für den Transport und verringert die Verdunstungsfläche während des Winters. Man kann die Krone um etwa ein Drittel bis zur Hälfte einkürzen, wobei darauf zu achten ist, dass die Y-förmige Verzweigung, an der sich die Blüten bilden, erhalten bleibt. Dieser Schnitt erleichtert nicht nur die Überwinterung, sondern fördert auch einen buschigen Wuchs im nächsten Jahr.

Das ideale winterquartier

Die Wahl des richtigen Winterquartiers ist entscheidend für den Überwinterungserfolg. Grundsätzlich gibt es zwei bewährte Methoden: die kühle, helle Überwinterung und die kalte, dunkle Überwinterung. Die ideale Variante hängt von den verfügbaren Räumlichkeiten ab. Beide Methoden erfordern jedoch, dass das Quartier absolut frostfrei ist, da Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für die Engelstrompete tödlich sind. Eine konstante Temperatur ist dabei besser als starke Schwankungen.

Für eine kühle und helle Überwinterung eignet sich ein unbeheizter Wintergarten, ein helles Treppenhaus oder ein kühles Gästezimmer. Die optimalen Temperaturen liegen hier zwischen 5 und 12 Grad Celsius. Bei dieser Methode behält die Pflanze oft einen Teil ihrer Blätter und das Wachstum ist nur stark reduziert, kommt aber nicht vollständig zum Erliegen. Der Vorteil ist, dass die Pflanze im Frühjahr schneller wieder austreibt. Der Nachteil ist, dass sie weiterhin, wenn auch sehr sparsam, gegossen werden muss und anfälliger für Schädlinge wie Spinnmilben bleibt.

Die kalte und dunkle Überwinterung findet typischerweise in einem frostfreien Keller oder einer Garage statt. Hier sollten die Temperaturen konstant zwischen 2 und 8 Grad Celsius liegen. Vor dem Einräumen werden bei dieser Methode alle Blätter entfernt und die Pflanze wird stark zurückgeschnitten. In der Dunkelheit stellt die Engelstrompete ihr Wachstum komplett ein und wirft alle verbliebenen Blätter ab. Der Vorteil dieser Methode ist der geringe Pflegeaufwand, da die Pflanze kaum gegossen werden muss. Der Nachteil ist, dass sie im Frühjahr mehr Zeit benötigt, um wieder auszutreiben.

Unabhängig von der gewählten Methode ist eine gute Luftzirkulation im Winterquartier wichtig, um Pilzkrankheiten wie Grauschimmel vorzubeugen. Regelmäßiges Lüften an frostfreien Tagen ist daher sehr zu empfehlen. Die Pflanzen sollten nicht zu eng beieinander stehen, damit die Luft zwischen ihnen zirkulieren kann. Eine regelmäßige Kontrolle der überwinternden Engelstrompeten auf Schädlinge oder Anzeichen von Fäulnis ist bei beiden Methoden unerlässlich, um bei Problemen rechtzeitig eingreifen zu können.

Pflege während der überwinterung

Die Pflege während der Überwinterung ist minimalistisch, aber dennoch entscheidend. Der häufigste Fehler ist zu viel Wasser. In der Ruhephase ist der Wasserbedarf der Engelstrompete extrem gering. Bei der dunklen und kalten Überwinterung reicht es oft aus, den Wurzelballen alle vier bis sechs Wochen mit einer kleinen Menge Wasser zu versorgen, gerade so viel, dass er nicht vollständig austrocknet. Der Ballen sollte sich die meiste Zeit über trocken anfühlen. Zu viel Feuchtigkeit führt unweigerlich zu Wurzelfäulnis und zum Absterben der Pflanze.

Auch bei der hellen und kühlen Überwinterung muss die Bewässerung stark reduziert werden. Da die Pflanze hier noch Blätter hat und etwas Photosynthese betreibt, ist der Wasserbedarf etwas höher als im dunklen Quartier, aber immer noch deutlich geringer als im Sommer. Man gießt erst dann wieder sparsam, wenn die oberste Erdschicht gut abgetrocknet ist. Ein vollständiges Austrocknen des Ballens sollte aber auch hier vermieden werden. Gedüngt wird während der gesamten Winterruhe, egal bei welcher Methode, überhaupt nicht.

Eine regelmäßige Kontrolle der Pflanze, etwa alle ein bis zwei Wochen, ist während des Winters unerlässlich. Achte dabei besonders auf Schädlingsbefall. Spinnmilben und Wollläuse können sich in der oft trockenen Luft des Winterquartiers gut entwickeln. Kontrolliere die Triebe und eventuell verbliebene Blätter genau. Bei einem Befall sollten die Schädlinge umgehend mit einem feuchten Tuch abgewischt oder mit einer geeigneten Sprühlösung auf Seifen- oder Ölbasis behandelt werden.

Achte ebenfalls auf Anzeichen von Krankheiten, insbesondere auf Grauschimmel (Botrytis), der sich als grauer, pelziger Belag auf den Trieben oder am Stammgrund bilden kann. Befallene Stellen müssen sofort großzügig bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Eine gute Belüftung des Raumes ist die beste Vorbeugung. Das Entfernen von herabgefallenen Blättern vom Topfballen hilft ebenfalls, Fäulnis und Pilzbefall vorzubeugen.

Das auswintern im frühjahr

Das Auswintern markiert den Übergang von der Ruhe- zur Wachstumsphase und erfordert Fingerspitzengefühl. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind, was je nach Region meist ab Mitte April bis Anfang Mai der Fall ist. Ein zu frühes Ausräumen birgt das Risiko, dass die Pflanze durch Spätfröste geschädigt wird. Es ist besser, die Pflanze an frostfreien Tagen zunächst nur stundenweise ins Freie zu stellen und nachts wieder hereinzuholen, um sie langsam an die kühleren Außentemperaturen zu gewöhnen.

Bevor die Pflanze an ihren endgültigen Sommerstandort kommt, ist das Frühjahr der ideale Zeitpunkt für das Umtopfen und einen eventuellen Formschnitt. Die Pflanze wird aus dem alten Topf genommen, der Wurzelballen wird auf abgestorbene Wurzeln kontrolliert und leicht aufgelockert, und die Pflanze wird in frisches, nährstoffreiches Substrat getopft. Gleichzeitig können zu lang gewordene oder im Winter abgestorbene Triebe zurückgeschnitten werden, um einen kompakten und buschigen Wuchs zu fördern. Dieser „Frühjahrsputz“ gibt der Pflanze einen optimalen Start in die neue Saison.

Die Gewöhnung an die Sonne ist ein besonders wichtiger Schritt. Eine Engelstrompete, die monatelang dunkel oder bei diffusem Licht überwintert wurde, erleidet schnell einen Sonnenbrand, wenn sie sofort in die pralle Sonne gestellt wird. Wähle für die ersten ein bis zwei Wochen einen schattigen bis halbschattigen, windgeschützten Platz im Freien. Die Dauer der direkten Sonneneinstrahlung kann dann schrittweise erhöht werden, bis die Pflanze schließlich an ihrem vollsonnigen Sommerstandort stehen kann. Diese Abhärtungsphase ist entscheidend für die Gesundheit der Blätter.

Mit dem Auswintern und dem beginnenden Austrieb wird auch die Pflege wieder intensiviert. Die Wassergaben werden langsam gesteigert, angepasst an das Wachstum und die Witterung. Mit der Düngung sollte man erst beginnen, wenn die Pflanze deutlich neues Wachstum zeigt und die ersten neuen Blätter vollständig entfaltet sind. Man beginnt zunächst mit einer halben Konzentration und steigert diese dann langsam auf die volle Dosis. Ein behutsamer Übergang in allen Bereichen sorgt dafür, dass die Engelstrompete gesund und kräftig in die neue Gartensaison startet.