Die erfolgreiche Überwinterung von Rosmarin stellt für viele Gärtner in kühleren Klimazonen eine besondere Herausforderung dar, da diese mediterrane Pflanze nur bedingt frosttolerant ist. Während einige neuere Züchtungen eine verbesserte Winterhärte aufweisen, benötigen die meisten traditionellen Sorten Schutz vor den strengen Frösten des mitteleuropäischen Winters. Ob im Freiland oder im Topf, eine sorgfältige Vorbereitung und die Wahl des richtigen Winterquartiers sind entscheidend, um die Pflanze sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen und sich auch im nächsten Jahr an ihrem aromatischen Laub erfreuen zu können. Die richtige Überwinterungsstrategie hängt dabei maßgeblich von der jeweiligen Rosmarinsorte, dem Klima der Region und der Kultivierungsform ab.

Die grundlegende Unterscheidung bei der Überwinterung von Rosmarin liegt zwischen winterharten und nicht winterharten Sorten. Sorten wie ‚Arp‘, ‚Hill Hardy‘ oder ‚Blue Winter‘ gelten als relativ frosttolerant und können in milderen Regionen mit entsprechendem Schutz im Freiland überwintern. Sie vertragen Temperaturen bis etwa -15 Grad Celsius, vorausgesetzt, sie sind gut etabliert und der Standort ist geschützt. Die meisten anderen, insbesondere die klassischen Sorten, sind jedoch deutlich empfindlicher und sollten in raueren Lagen grundsätzlich als Kübelpflanzen kultiviert und frostfrei überwintert werden.

Für im Freiland ausgepflanzte, winterharte Rosmarinsorten ist ein guter Winterschutz unerlässlich, um sie vor den schädlichsten Einflüssen des Winters zu bewahren. Das größte Problem ist oft nicht die reine Kälte, sondern die Kombination aus gefrorenem Boden und Wintersonne, die zur sogenannten Frosttrocknis führt. Die immergrüne Pflanze verdunstet auch im Winter Wasser über ihre Nadeln, kann aber aus dem gefrorenen Boden kein Wasser nachziehen und vertrocknet buchstäblich. Daher ist eine dicke Mulchschicht aus Laub, Stroh oder Reisig über dem Wurzelbereich entscheidend, um den Boden vor tiefem Durchfrieren zu schützen.

Zusätzlich zum Schutz des Wurzelbereichs sollte die Krone der Pflanze mit einem luftdurchlässigen Material wie Wintervlies, Jute oder Fichtenreisig umhüllt werden. Dies schützt die Pflanze vor eisigen Winden und der austrocknenden Wintersonne, lässt aber gleichzeitig eine ausreichende Luftzirkulation zu, um Fäulnis und Pilzbefall zu vermeiden. Keinesfalls sollte Plastikfolie verwendet werden, da sich darunter Kondenswasser bildet, das gefrieren oder zu Krankheiten führen kann. Der Winterschutz wird erst im Frühjahr nach den letzten starken Frösten wieder entfernt.

Auch an frostfreien Tagen im Winter ist es wichtig, den Wasserhaushalt des im Freiland überwinternden Rosmarins zu kontrollieren. Wenn der Boden nicht gefroren ist, sollte die Pflanze gelegentlich an milden Tagen sparsam gegossen werden, um die bereits erwähnte Frosttrocknis zu verhindern. Diese Wassergaben sind entscheidend für das Überleben der Pflanze, werden aber oft vergessen, da man im Winter seltener an das Gießen von Gartenpflanzen denkt. Eine gute Vorbereitung im Herbst und eine gelegentliche Kontrolle im Winter sind der Schlüssel zur erfolgreichen Freilandüberwinterung.

Die Überwinterung im Topf

Für die meisten Rosmarinsorten ist die Überwinterung im Topf in einem geschützten Quartier die sicherste Methode. Sobald die Temperaturen dauerhaft in den leichten Frostbereich sinken, in der Regel ab Oktober oder November, ist es an der Zeit, die Pflanze ins Haus zu holen. Ein zu frühes Einräumen sollte vermieden werden, da ein längerer Aufenthalt an der kühlen Herbstluft die Pflanze abhärtet und auf die Ruhephase vorbereitet. Vor dem Einräumen sollte der Rosmarin auf Schädlinge kontrolliert und abgestorbene oder kranke Triebe entfernt werden.

Das ideale Winterquartier für Rosmarin ist hell und kühl. Optimale Temperaturen liegen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Geeignete Orte sind beispielsweise ein unbeheiztes Treppenhaus, ein heller Keller, eine frostfreie Garage mit Fenster oder ein kühler Wintergarten. Je kühler der Standort, desto weniger Licht benötigt die Pflanze, da ihr Stoffwechsel heruntergefahren wird. Ein heller Standort ist jedoch immer vorzuziehen, um einen übermäßigen Blattabwurf zu vermeiden.

Eine Überwinterung in warmen, beheizten Wohnräumen ist für Rosmarin äußerst ungünstig und führt häufig zu Problemen. Die Kombination aus hohen Temperaturen und dem trockenen, lichtarmen Umfeld der Heizungsluft stresst die Pflanze enorm. Sie wird anfällig für Schädlinge wie Spinnmilben, die sich unter diesen Bedingungen explosionsartig vermehren können. Zudem kann die Pflanze vergeilen, das heißt, sie bildet lange, dünne und schwache Triebe auf der Suche nach Licht. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, sollte der Rosmarin an das hellste, kühlste Fenster (z.B. im Schlafzimmer) gestellt und die Luftfeuchtigkeit durch regelmäßiges Besprühen erhöht werden.

Während der Überwinterung im kühlen Quartier befindet sich der Rosmarin in einer Vegetationsruhe und benötigt nur sehr wenig Pflege. Die Bewässerung muss drastisch reduziert werden. Es wird nur so viel gegossen, dass der Wurzelballen nicht vollständig austrocknet, was oft bedeutet, dass nur alle paar Wochen eine kleine Wassergabe notwendig ist. Gedüngt wird während der Wintermonate überhaupt nicht. Eine regelmäßige Kontrolle auf Schädlinge und das Entfernen von abgefallenen Blättern sind die einzigen weiteren Pflegemaßnahmen.

Die Vorbereitung auf den Winter

Eine gute Vorbereitung auf die Überwinterung beginnt bereits im Spätsommer. Ab Ende August sollte die Düngung des Rosmarins komplett eingestellt werden. Dies gibt den neu gewachsenen Trieben ausreichend Zeit, um bis zum Winterbeginn vollständig auszureifen und zu verholzen. Weiche, unausgereifte Triebe sind extrem frostempfindlich und würden den Winter nicht überstehen. Ein letzter leichter Formschnitt kann ebenfalls bis spätestens Anfang September erfolgen, um die Pflanze kompakt zu halten.

Vor dem Einräumen ins Winterquartier ist es ratsam, die Pflanze gründlich zu inspizieren und zu säubern. Entferne alle abgestorbenen, beschädigten oder kranken Pflanzenteile, da diese eine Eintrittspforte für Krankheitserreger sein können. Überprüfe die Pflanze sorgfältig auf Schädlinge, insbesondere auf den Blattunterseiten und in den Blattachseln. Ein präventives Abduschen der gesamten Pflanze mit Wasser kann helfen, eventuell vorhandene Schädlinge zu entfernen, bevor sie sich im Winterquartier ausbreiten können.

Der Topf und der Untersetzer sollten ebenfalls gereinigt werden, um die Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden. Es ist auch ein guter Zeitpunkt, um die oberste Erdschicht im Topf zu entfernen und durch frisches Substrat zu ersetzen. Dies entfernt Unkrautsamen und eventuelle Schädlingslarven, die sich in der Erde befinden könnten. Das Umtopfen in einen größeren Behälter sollte jedoch erst im Frühjahr erfolgen, nicht direkt vor der Winterruhe.

Stelle sicher, dass das Winterquartier vorbereitet, sauber und aufgeräumt ist, bevor die Pflanze einzieht. Eine gute Luftzirkulation ist auch im Winterquartier wichtig, um Pilzkrankheiten wie Grauschimmel vorzubeugen. Stelle die Pflanzen daher nicht zu eng zusammen und lüfte den Raum an frostfreien, milden Tagen regelmäßig für kurze Zeit. Diese vorbereitenden Maßnahmen tragen maßgeblich dazu bei, potenzielle Probleme während der Überwinterung zu minimieren.

Das Ausräumen im Frühjahr

Das Ende der Winterruhe und das Ausräumen der Pflanze ins Freie müssen schrittweise und mit Bedacht erfolgen, um den Rosmarin nicht zu schocken. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind, was je nach Region meist im April oder Anfang Mai der Fall ist. Ein zu frühes Ausräumen kann die Pflanze Spätfrösten aussetzen, die die zarten, an das geschützte Quartier gewöhnten Triebe schädigen können.

Die Pflanze darf nicht sofort an ihren endgültigen, vollsonnigen Platz gestellt werden. Nach den langen, lichtarmen Monaten im Winterquartier sind die Blätter nicht an die intensive UV-Strahlung der Frühlingssonne gewöhnt und würden einen Sonnenbrand erleiden. Stelle den Rosmarin daher für die ersten ein bis zwei Wochen an einen halbschattigen, geschützten Platz. In dieser Zeit kann er sich langsam an die veränderten Licht- und Temperaturbedingungen gewöhnen.

Während dieser Abhärtungsphase kann man auch damit beginnen, die Bewässerung langsam zu steigern, da die Pflanze mit zunehmendem Licht und wärmeren Temperaturen wieder aktiver wird und mehr Wasser benötigt. Auch die erste Düngergabe der Saison kann erfolgen, sobald die Pflanze deutliche Anzeichen von neuem Wachstum zeigt. Dieser Zeitpunkt ist auch ideal für den jährlichen Rückschnitt, um die Pflanze in Form zu bringen und einen buschigen Wuchs anzuregen.

Nach der Eingewöhnungsphase von ein bis zwei Wochen kann der Rosmarin an seinen endgültigen sonnigen Standort für den Sommer umziehen. Die schrittweise Anpassung an die Außenbedingungen ist entscheidend für einen gesunden Start in die neue Vegetationsperiode. Dieser Prozess, auch als „Abhärten“ bekannt, minimiert den Stress für die Pflanze und stellt sicher, dass sie ihre ganze Energie in ein kräftiges Wachstum und die Entwicklung ihres unvergleichlichen Aromas stecken kann.