Obwohl die becherblume in ihrer südamerikanischen heimat mehrjährig wächst, wird sie in unseren breiten oft nur als einjährige sommerblume behandelt. Dabei ist es mit ein wenig aufwand durchaus möglich, die pflanze erfolgreich über den winter zu bringen und im nächsten jahr von ihrer vollen größe zu profitieren. Da sie absolut frostempfindlich ist, muss die strategie zur überwinterung rechtzeitig vor den ersten frostnächsten geplant und umgesetzt werden. Ein kühles, helles winterquartier und eine angepasste pflege sind die schlüsselkomponenten, um die lebensdauer dieser attraktiven zierpflanze deutlich zu verlängern. Wer diese herausforderung annimmt, wird im frühjahr mit einem besonders kräftigen austrieb belohnt.

Vorbereitungen auf die kalte jahreszeit

Sobald die nächte im herbst spürbar kühler werden und die temperaturen unter zehn grad sinken, beginnt die kritische phase. Man sollte die wettervorhersage genau im auge behalten, um nicht von einem plötzlichen bodenfrost überrascht zu werden. Die pflanzen werden nun gründlich auf schädlinge untersucht, da man keine ungebetenen gäste mit in das winterquartier schleppen möchte. Es empfiehlt sich, die wassergaben bereits jetzt leicht zu reduzieren, um den stoffwechsel der pflanze langsam herunterzufahren.

Ein vorsichtiger rückschnitt um etwa ein drittel der trieblänge erleichtert den umzug und spart platz im winterquartier. Man entfernt dabei vor allem die weichen, grünen triebspitzen, die ohnehin anfällig für fäulnis und schädlinge wären. Alle verblühten reste und gelbe blätter sollten sorgfältig ausgeputzt werden, um eine gute luftzirkulation zwischen den verbleibenden trieben zu gewährleisten. Das werkzeug sollte vor dem schnitt desinfiziert werden, um keine krankheiten von anderen pflanzen zu übertragen.

Pflanzen, die im beet wachsen, müssen vorsichtig mit einem großzügigen wurzelballen ausgegraben und in passende töpfe gesetzt werden. Dabei sollte man darauf achten, die hauptwurzeln so wenig wie möglich zu beschädigen, um den umpflanzschock gering zu halten. Das neue substrat für die überwinterung sollte eher nährstoffarm und sehr gut durchlässig sein. Nach dem eintopfen wird die pflanze nur leicht angegossen, damit die erde einen guten kontakt zu den wurzeln bekommt.

Wenn man sich für eine überwinterung entscheidet, sollte man nur die gesündesten und kräftigsten exemplare auswählen. Schwache oder bereits von krankheiten gezeichnete pflanzen haben eine deutlich geringere überlebenschance und beanspruchen unnötig ressourcen. Man kann diesen zeitpunkt auch nutzen, um stecklinge für die sicherheitskopie im haus zu ziehen, falls die mutterpflanze den winter nicht übersteht. Eine gute vorbereitung ist die wichtigste grundlage für ein erfolgreiches überwintern ohne große verluste.

Anforderungen an das ideale winterquartier

Der perfekte ort für die überwinterung der becherblume ist hell, aber frostfrei und verfügt über temperaturen zwischen fünf und zehn grad celsius. Ein unbeheiztes treppenhaus, ein heller kellerraum mit fenster oder ein frostsicheres gewächshaus sind dafür hervorragend geeignet. Zu warme temperaturen im winterquartier würden die pflanze zu einem vorzeitigen austrieb anregen, der mangels licht zu schwachen, vergeilten trieben führt. Die kühle ruhephase ist hingegen essenziell, damit die pflanze ihre reserven für das kommende jahr schonen kann.

Eine gute belüftung des raumes ist wichtig, um die entstehung von schimmel oder anderen pilzerkrankungen durch stehende luft zu verhindern. Man sollte jedoch darauf achten, dass die pflanzen nicht direkt im kalten zugwind stehen, wenn gelüftet wird. Die lichtintensität sollte so hoch wie möglich sein, da die becherblume auch im winter ihre grünen blätter teilweise behält. Ein dunkler keller ist nur dann eine option, wenn die temperaturen konstant knapp über dem gefrierpunkt liegen und die pflanze ihr laub fast vollständig abwirft.

Man sollte die töpfe nicht direkt auf den kalten steinboden stellen, sondern eine isolierende schicht aus styropor oder holz unterlegen. Dies schützt den wurzelballen vor bodenkälte, die selbst in frostfreien räumen die feinwurzeln schädigen könnte. Auch der abstand zwischen den einzelnen pflanzen sollte groß genug sein, damit sich kein feuchtes mikroklima bildet. Eine regelmäßige kontrolle des raumklimas mit einem thermometer hilft dabei, böse überraschungen während extremer kälteperioden zu vermeiden.

In modernen, gut gedämmten häusern ist es oft schwierig, einen ausreichend kühlen ort zu finden. In solchen fällen kann eine zusatzbelichtung mit speziellen pflanzenlampen helfen, den stoffwechsel auch bei etwas höheren temperaturen im gleichgewicht zu halten. Man sollte dann jedoch die pflege etwas intensiver gestalten und häufiger nach schädlingen schauen. Dennoch bleibt ein kühlerer standort immer die erste wahl für eine naturnahe und stressfreie überwinterung der becherblume.

Reduzierte pflege während der winterruhe

Während der wintermonate befindet sich die becherblume in einer ausgeprägten ruhephase, in der ihr wasserbedarf minimal ist. Man gießt nur so viel, dass der wurzelballen nicht vollständig austrocknet, was meist alle zwei bis drei wochen ausreicht. Es ist ratsam, vor jedem gießen die feuchtigkeit mit dem finger tief im substrat zu prüfen. Zu viel wasser in dieser phase führt unweigerlich zu wurzelfäulnis, da die pflanze kaum wasser verdunstet.

Düngergaben sind während der gesamten überwinterungszeit absolut tabu und würden der pflanze eher schaden als nützen. Die nährstoffe könnten in der ruhephase nicht verarbeitet werden und würden zu einer versalzung des bodens führen. Erst wenn im frühjahr die tage länger werden und der neue austrieb deutlich sichtbar ist, beginnt man wieder mit vorsichtigen nährstoffgaben. Man respektiert so den natürlichen rhythmus der pflanze, die nun all ihre kraft in die regeneration steckt.

Eine wöchentliche kontrolle auf schädlinge wie spinnmilben oder blattläuse sollte trotz der ruhezeit zur routine gehören. In der trockenen winterluft vermehren sich diese plagegeister oft unbemerkt und können die geschwächte pflanze schnell überrennen. Bei einem fund sollte man sofort handeln und die pflanze eventuell isolieren, um eine ausbreitung auf andere wintergäste zu verhindern. Ein vorsichtiges abbrausen der triebe mit lauwarmem wasser kann bei einem leichten befall oft schon wunder wirken.

Gelegentliches entfernen von vertrockneten blättern sorgt nicht nur für eine bessere optik, sondern dient auch der gesundheit der pflanze. Es verhindert, dass sich auf absterbendem gewebe krankheitserreger ansiedeln, die später auf die gesunden teile überreifen könnten. Man sollte die pflanze während dieser zeit ansonsten weitgehend in ruhe lassen und keine größeren schnitte oder umtopfaktionen durchführen. Die winterruhe ist eine zeit der stagnation, die man mit geduld und beobachtung begleiten sollte.

Wiedereingewöhnung im kommenden frühjahr

Ab märz, wenn die sonnenintensität zunimmt, bereitet man die becherblume langsam auf das ende der winterruhe vor. Man stellt sie etwas wärmer und erhöht schrittweise die wassermengen, um den austrieb anzuregen. Sobald die ersten frischen triebe erscheinen, ist der ideale zeitpunkt für das umtopfen in frisches, nährstoffreiches substrat gekommen. Ein kräftiger rückschnitt der alten triebe fördert nun eine kompakte verzweigung und sorgt für eine reiche blütenbildung im sommer.

Die ersten ausflüge ins freie sollten sehr vorsichtig und nur an milden tagen erfolgen, um die pflanze nicht zu schocken. Das frische laub ist besonders empfindlich gegenüber der uv-strahlung der sonne und kann leicht verbrennungen erleiden. Man wählt daher zunächst einen schattigen platz für die stundenweise gewöhnung an die außenwelt. Erst nach etwa zwei wochen kann die pflanze dauerhaft an ihren sonnigen sommerstandort umziehen, sofern keine fröste mehr drohen.

Sollten nach dem ausräumen noch einmal spätfröste angekündigt werden, muss die pflanze unbedingt kurzzeitig wieder nach drinnen oder unter ein dickes vlies. Die mühsam überwinterte pracht ist in dieser phase besonders anfällig, da das neue gewebe noch sehr weich ist. Ein rückschlag durch kälte kann die blütezeit um viele wochen verzögern oder die pflanze sogar ganz absterben lassen. Die geduld bis nach den eisheiligen zahlt sich hier definitiv aus und sichert den erfolg.

Mit dem einsetzen der regelmäßigen düngung im mai ist die überwinterung erfolgreich abgeschlossen und die pflanze startet voll durch. Man wird feststellen, dass überwinterte exemplare oft deutlich kräftiger wachsen und früher blühen als neu gezogene sämlinge. Es ist ein schönes gefühl, die eigene pflanze über die jahre wachsen und gedeihen zu sehen. Diese nachhaltige form der gartenpflege schont nicht nur den geldbeutel, sondern vertieft auch die bindung zur natur.