Obwohl Auberginen in unseren Gärten meist als einjährige Pflanzen gezogen werden, handelt es sich botanisch gesehen um mehrjährige Halbsträucher. Mit der richtigen Strategie und etwas Aufwand ist es durchaus möglich, die wertvollen Pflanzen über die kalte Jahreszeit zu retten. Dies bietet den großen Vorteil, dass du im nächsten Jahr mit einer bereits etablierten Pflanze startest, die viel früher blüht und fruchtet. In diesem Ratgeber erfährst du Schritt für Schritt, wie du deine Auberginen sicher durch den Winter bringst und sie im Frühjahr wieder zum Leben erweckst.

Aubergine
Solanum melongena
Hoher Pflegeaufwand
Südostasien
Einjähriges Gemüse
Umgebung & Klima
Lichtbedarf
Volle Sonne
Wasserbedarf
Viel (gleichmäßig)
Luftfeuchtigkeit
Mäßig bis hoch
Temperatur
Warm (21-30°C)
Frosttoleranz
Frostempfindlich (0°C)
Überwinterung
Nicht winterhart (Einjährig)
Wachstum & Blüte
Höhe
60-120 cm
Breite
40-60 cm
Wachstum
Schnell
Schnitt
Entspitzen und Stützen
Blütekalender
Juni - September
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Boden & Pflanzung
Bodenansprüche
Fruchtbar, gut durchlässig
Boden-pH
Leicht sauer (5,5-6,8)
Nährstoffbedarf
Hoch (alle zwei Wochen)
Idealer Standort
Gewächshaus oder sonniger Platz
Merkmale & Gesundheit
Zierwert
Früchte und lila Blüten
Laubwerk
Groß, behaart, grün
Duft
Keiner
Toxizität
Blätter giftig (Solanin)
Schädlinge
Blattläuse, Spinnmilben
Vermehrung
Samen

Die Vorbereitung auf den Frost

Der Prozess der Überwinterung beginnt bereits, bevor die ersten richtigen Nachtfröste die Pflanze im Freiland schädigen können. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter zehn Grad sinken, wird es Zeit, die Aubergine für den Umzug ins Winterquartier vorzubereiten. Du solltest alle noch hängenden Früchte ernten, auch wenn sie vielleicht noch nicht ihre volle Größe erreicht haben. Die Pflanze braucht nun ihre gesamte verbleibende Energie für die Umstellung des Stoffwechsels und nicht mehr für die Versorgung von Früchten.

Ein drastischer Rückschnitt ist vor dem Einwintern absolut notwendig, um die Verdunstungsfläche der Pflanze massiv zu reduzieren. Du kannst die Haupttriebe um etwa zwei Drittel einkürzen, sodass nur noch ein kompaktes Gerüst der Pflanze übrig bleibt. Entferne dabei alle weichen, grünen Triebspitzen und lassen nur die bereits leicht verholzten Teile stehen. Auch das Laub sollte weitgehend entfernt werden, da es im dunklen Winterquartier ohnehin meist nur ein Angriffspunkt für Pilze oder Schädlinge wäre.

Das Ausgraben der Pflanzen aus dem Gartenbeet erfordert besondere Vorsicht, um das empfindliche Wurzelsystem nicht zu stark zu verletzen. Verwende eine Grabegabel, um die Erde weiträumig zu lockern und den Wurzelballen vorsichtig aus dem Boden zu heben. Schüttle überschüssige Erde nur ganz leicht ab und setze die Pflanze sofort in einen ausreichend großen Topf mit frischer, lockerer Erde. Dieser Topf sollte über Abzugslöcher verfügen, damit überschüssiges Wasser im Winterquartier jederzeit problemlos abfließen kann.

Nach dem Eintopfen solltest du die Aubergine einmal mäßig angießen, um den Kontakt zwischen Wurzeln und neuer Erde herzustellen. Vermeide es jedoch, den Ballen komplett zu durchnässen, da die Pflanze im Ruhezustand nur sehr wenig Wasser verbraucht. Ein heller, aber kühler Standort für die ersten Tage hilft der Pflanze, den Schock des Umtopfens besser zu verarbeiten. Achte darauf, dass keine Schädlinge mit ins Haus wandern, indem du die Pflanze vor dem Einzug gründlich auf Blattläuse oder Spinnmilben kontrollierst.

Das ideale Winterquartier

Der perfekte Ort für die Überwinterung einer Aubergine ist hell und kühl, wobei die Temperaturen idealerweise zwischen 10 und 15 Grad Celsius liegen sollten. Ein leicht beheizter Wintergarten, ein helles Treppenhaus oder ein frostfreies Gewächshaus sind für diesen Zweck hervorragend geeignet. Ist es zu warm, treibt die Pflanze vorzeitig aus und bildet schwache, vergeilte Triebe, die im Frühjahr wieder absterben. Ist es hingegen zu dunkel, kann die Aubergine keine Photosynthese mehr betreiben und verliert ihre Lebenskraft.

Die Lichtverhältnisse sind im Winter der limitierende Faktor, da die Sonne in unseren Breiten nur wenige Stunden am Tag scheint. Platziere den Topf so nah wie möglich an einem Südfenster, um jedes verfügbare Photon Licht für die Pflanze einzufangen. Sollte kein ausreichend heller Platz vorhanden sein, kann eine spezielle Pflanzenlampe mit dem richtigen Lichtspektrum für einige Stunden am Tag Wunder wirken. Die Zusatzbeleuchtung hilft der Pflanze, ihr Immunsystem stabil zu halten und den Winter ohne größere Schäden an der Substanz zu überstehen.

Die Luftfeuchtigkeit im Winterquartier sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein, um Krankheiten und Schädlinge zu vermeiden. Trockene Heizungsluft begünstigt die Ausbreitung von Spinnmilben, die den geschwächten Pflanzen im Winter den Rest geben können. Eine Schale mit Wasser auf der Heizung oder regelmäßiges, feines Besprühen mit kalkfreiem Wasser kann das Raumklima deutlich verbessern. Achte jedoch darauf, dass die Blätter nach dem Besprühen schnell wieder abtrocknen können, um Pilzinfektionen an den Schnittstellen zu verhindern.

Vermeide es unbedingt, die Töpfe direkt auf einen kalten Steinboden zu stellen, da kalte Füße für die Aubergine tödlich sein können. Eine Unterlage aus Styropor oder Holz isoliert den Topf nach unten hin und hält die Wurzeln in einem angenehmen Temperaturbereich. Auch Zugluft durch geöffnete Fenster bei klirrender Kälte draußen muss unter allen Umständen vermieden werden. Ein stabiles und ruhiges Mikroklima ist die beste Garantie dafür, dass deine Aubergine den Winter unbeschadet übersteht und im Frühling wieder kraftvoll austreibt.

Reduzierte Pflege im Winter

Während der Ruhephase benötigt die Aubergine nur ein Minimum an Aufmerksamkeit, was die Bewässerung und Düngung betrifft. Die Pflanze befindet sich in einer Art Winterschlaf und hat ihren Stoffwechsel auf das Nötigste heruntergefahren. Du solltest erst dann wieder gießen, wenn sich die oberste Erdschicht im Topf deutlich trocken anfühlt. Staunässe im Winter führt unweigerlich zu Wurzelfäule, die meist erst bemerkt wird, wenn es für die Rettung der Pflanze bereits zu spät ist.

Auf Düngemittel solltest du während der gesamten Überwinterungszeit komplett verzichten, um keine unzeitgemäßen Wachstumsschübe zu provozieren. Die Nährstoffe im frischen Substrat der Eintopfung reichen völlig aus, um die Pflanze über die kargen Monate zu bringen. Ein Zuviel an Nährstoffen würde die Salzkonzentration im Wurzelbereich unnötig erhöhen und die feinen Saugwurzeln schädigen. Erst wenn im Frühjahr die Tage spürbar länger werden und der erste Neuaustrieb sichtbar ist, wird die Düngung langsam wieder aufgenommen.

Eine regelmäßige Kontrolle auf Schädlinge ist auch im Winterquartier alle paar Tage dringend zu empfehlen. Da natürliche Feinde im Haus fehlen, können sich kleine Populationen von Blattläusen oder Schildläusen sehr schnell zu einer echten Plage ausweiten. Entdeckst du Schädlinge, solltest du sie sofort mechanisch mit einem Tuch abwischen oder mit einer milden Seifenlösung behandeln. Je früher du eingreifst, desto geringer ist der Stress für die ohnehin beanspruchte Pflanze.

Sollten sich trotz des Rückschnitts neue, lange und dünne Triebe bilden, kannst du diese ruhig direkt wieder einkürzen. Diese sogenannten Geiltriebe verbrauchen nur die wertvollen Reserven der Pflanze und haben keine Kraft für eine spätere Blütenbildung. Konzentriere dich darauf, das kompakte Grundgerüst der Aubergine zu erhalten und die Pflanze so ruhig wie möglich durch die dunkle Zeit zu führen. Geduld ist in diesen Monaten die wichtigste Eigenschaft des Gärtners, denn weniger Pflege ist hier oft mehr.

Die Rückkehr in die Wachstumsphase

Sobald die Tage ab März wieder länger werden und die Intensität der Sonne zunimmt, beginnt die Aubergine langsam wieder zu erwachen. Du kannst nun die Temperaturen im Standort leicht erhöhen und auch die Wassergaben vorsichtig Schritt für Schritt steigern. Ein erster vorsichtiger Rückschnitt der Spitzen regt die Verzweigung an und bereitet die Pflanze auf eine buschige Form vor. Achte darauf, dass das neue Grün nun besonders viel Licht bekommt, um kompakte und kräftige Internodien zu bilden.

Ein Umtopfen in frisches, nährstoffreiches Substrat ist jetzt ideal, um der Pflanze einen neuen Energieschub für die kommende Saison zu geben. Entferne dabei vorsichtig alte Erde vom äußeren Rand des Wurzelballens, ohne die Hauptwurzeln zu beschädigen. Der neue Topf darf gerne eine Nummer größer sein, damit die Wurzeln genügend Platz für die Expansion im Sommer haben. Mische dem Substrat bereits jetzt etwas organischen Langzeitdünger unter, um die Grundversorgung für die nächsten Wochen sicherzustellen.

Ab Mitte April kannst du damit beginnen, die Aubergine an milden Tagen stundenweise nach draußen an einen geschützten Platz zu stellen. Dies gewöhnt das junge Laub langsam an die UV-Strahlung und die frische Luft, was die Pflanze insgesamt deutlich abhärtet. Achte jedoch peinlich genau darauf, sie vor Sonnenuntergang wieder ins Haus zu holen, da späte Nachtfröste immer noch drohen können. Dieser langsame Übergang sorgt dafür, dass die Pflanze beim endgültigen Auspflanzen im Mai keinen Schock erleidet und sofort weiterwachsen kann.

Wenn die Eisheiligen vorüber sind und der Boden sich aufgewärmt hat, darf deine überwinterte Aubergine wieder an ihren endgültigen Platz im Garten. Du wirst feststellen, dass diese Pflanze einen enormen Vorsprung gegenüber neu ausgesäten Sämlingen hat. Sie wird schneller eine stattliche Größe erreichen und meist schon Wochen früher die ersten violetten Blüten öffnen. Die Mühe der Überwinterung zahlt sich spätestens dann aus, wenn du die ersten reifen Früchte ernten kannst, während andere Gärtner noch auf die Blüte warten.