Die erfolgreiche Kultivierung von Rosmarin beginnt mit dem richtigen Start, nämlich der fachgerechten Pflanzung und der Kenntnis über effektive Vermehrungsmethoden. Ob man sich für den Kauf einer Jungpflanze entscheidet oder das Abenteuer wagt, Rosmarin selbst aus Stecklingen oder Samen zu ziehen, die grundlegenden Prinzipien bleiben dieselben: Es gilt, die natürlichen Bedingungen seiner mediterranen Heimat bestmöglich nachzuahmen. Ein sonniger Standort, ein durchlässiger Boden und der richtige Zeitpunkt sind entscheidende Faktoren, die über Gedeih oder Verderb der jungen Pflanze entscheiden. Die Vermehrung bietet zudem die wunderbare Möglichkeit, aus einer Mutterpflanze zahlreiche Nachkommen zu ziehen und so den Duft des Südens im eigenen Garten zu vervielfachen.

Der ideale Zeitpunkt für die Pflanzung von Rosmarin im Freiland ist das späte Frühjahr, nachdem die letzten Fröste vorüber sind und der Boden sich bereits erwärmt hat. Dies ist in der Regel nach den Eisheiligen Mitte Mai der Fall. Ein zu frühes Auspflanzen setzt die junge, noch empfindliche Pflanze dem Risiko von Spätfrösten aus, die zu erheblichen Schäden oder sogar zum Absterben führen können. Eine Pflanzung im Frühjahr gibt dem Rosmarin zudem ausreichend Zeit, sich über den Sommer gut zu etablieren und ein kräftiges Wurzelsystem zu entwickeln, was seine Chancen, den ersten Winter im Freien zu überstehen, deutlich erhöht. Die Pflanzung in einen Topf kann hingegen während der gesamten frostfreien Periode erfolgen.

Die Vorbereitung des Pflanzlochs und des Bodens ist ein entscheidender Schritt für ein erfolgreiches Anwachsen. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß sein wie der Wurzelballen der Pflanze. Ist der Gartenboden eher schwer und lehmig, ist es unerlässlich, die Erde im Pflanzloch großzügig mit Sand, Splitt oder feinem Kies zu mischen, um die Drainage zu verbessern und Staunässe vorzubeugen. Eine Schicht Kies am Boden des Pflanzlochs kann ebenfalls hilfreich sein. Vor dem Einsetzen wird der Wurzelballen des Rosmarins vorsichtig aus dem Topf gelöst, und verfilzte Wurzeln werden an den Seiten leicht aufgerissen, um das Wurzelwachstum in die neue Umgebung anzuregen.

Nachdem die Pflanze in das vorbereitete Loch gesetzt wurde, füllt man die Hohlräume mit der angereicherten Erde auf und drückt diese leicht an, um einen guten Bodenschluss zu gewährleisten. Die Pflanze sollte dabei genauso tief in der Erde stehen wie zuvor im Topf. Anschließend wird der frisch gepflanzte Rosmarin kräftig angegossen, damit sich die Erde um die Wurzeln setzt und keine Lufteinschlüsse verbleiben. In den ersten Wochen nach der Pflanzung ist es wichtig, den Boden leicht feucht zu halten, um der Pflanze das Anwachsen zu erleichtern, jedoch sollte auch hier Staunässe unbedingt vermieden werden.

Bei der Pflanzung im Kübel gelten ähnliche Prinzipien, wobei hier die Wahl des richtigen Gefäßes und Substrats von zentraler Bedeutung ist. Der Topf muss über ausreichende Abzugslöcher verfügen, und eine Drainageschicht am Boden ist obligatorisch. Als Substrat eignet sich eine hochwertige Kräutererde, die zu etwa einem Drittel mit Sand oder Perlit vermischt wird, um die notwendige Durchlässigkeit zu gewährleisten. Die Größe des Topfes sollte an die Größe der Pflanze angepasst sein, um ein gesundes Verhältnis zwischen Wurzelmasse und Erdvolumen sicherzustellen.

Die Vermehrung durch Stecklinge

Die Vermehrung von Rosmarin durch Stecklinge ist die einfachste, schnellste und zuverlässigste Methode, um neue, genetisch identische Pflanzen zu erhalten. Der beste Zeitpunkt für die Gewinnung von Stecklingen ist der späte Frühling oder der Sommer, wenn die Pflanze in vollem Wachstum steht und die Triebe weder zu weich noch zu stark verholzt sind. Für die Stecklinge wählt man gesunde, kräftige Triebspitzen, die noch nicht geblüht haben, da diese am besten bewurzeln. Die so gewonnenen Pflanzen sind zudem robuster und wachsen schneller als aus Samen gezogene Exemplare.

Für die Stecklingsgewinnung schneidet man etwa 10 bis 15 Zentimeter lange Triebspitzen mit einer sauberen, scharfen Schere oder einem Messer direkt unter einem Blattknoten ab. Anschließend werden die unteren Blätter bzw. Nadeln im unteren Drittel des Stecklings sorgfältig entfernt, da an diesen Blattknoten später die neuen Wurzeln gebildet werden. Das Belassen der Blätter in diesem Bereich würde im feuchten Substrat nur zu Fäulnis führen. Die Schnittfläche kann optional in ein Bewurzelungspulver getaucht werden, um die Wurzelbildung zu beschleunigen, ist aber bei Rosmarin in der Regel nicht zwingend erforderlich.

Die vorbereiteten Stecklinge werden nun in ein geeignetes Anzuchtsubstrat gesteckt, beispielsweise eine Mischung aus Anzuchterde und Sand oder Perlit. Es ist wichtig, dass das Substrat nährstoffarm und vor allem sehr durchlässig ist, um Fäulnis zu vermeiden. Die Stecklinge werden etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde gesteckt und das Substrat wird leicht angedrückt. Mehrere Stecklinge können zusammen in einen Topf oder eine Anzuchtschale gesetzt werden, sollten sich aber nicht gegenseitig berühren, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten.

Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen, die für die Bewurzelung förderlich ist, kann man eine transparente Plastiktüte oder eine abgeschnittene Plastikflasche über den Topf stülpen. Dieser „Mini-Gewächshaus“-Effekt verhindert das Austrocknen der Stecklinge, bevor sie eigene Wurzeln gebildet haben. Der Standort sollte hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung sein, und das Substrat muss gleichmäßig feucht, aber nicht nass gehalten werden. Nach einigen Wochen, wenn sich die ersten Wurzeln gebildet haben und die Stecklinge neues Wachstum zeigen, kann die Abdeckung entfernt und die jungen Pflanzen können pikiert, also in einzelne Töpfe, umgesetzt werden.

Die Vermehrung durch Samen

Die Anzucht von Rosmarin aus Samen ist eine weitere Möglichkeit der Vermehrung, die jedoch deutlich langwieriger und oft weniger erfolgreich ist als die Stecklingsvermehrung. Rosmarinsamen sind sogenannte Lichtkeimer, was bedeutet, dass sie zur Keimung Licht benötigen und daher nicht oder nur sehr dünn mit Erde bedeckt werden dürfen. Zudem ist die Keimrate oft unregelmäßig und niedrig, und die Samen benötigen eine relativ lange Zeit von mehreren Wochen bis zur Keimung. Diese Methode ist daher eher für geduldige Gärtner mit Experimentierfreude geeignet.

Der beste Zeitpunkt für die Aussaat ist das zeitige Frühjahr, etwa von Februar bis April, auf einer hellen Fensterbank im Haus. Verwende eine flache Anzuchtschale, die mit einer nährstoffarmen und gut durchlässigen Anzuchterde gefüllt ist. Die Samen werden auf die angefeuchtete Erde gestreut und nur leicht angedrückt, um einen guten Erdkontakt zu gewährleisten, aber nicht mit Erde bedeckt. Anschließend wird die Aussaat vorsichtig mit einem Zerstäuber befeuchtet, um die feinen Samen nicht wegzuschwemmen.

Um die für die Keimung erforderliche hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme zu gewährleisten, sollte die Anzuchtschale mit einer transparenten Haube oder Frischhaltefolie abgedeckt werden. Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Es ist wichtig, die Abdeckung täglich kurz zu lüften, um Schimmelbildung vorzubeugen, und das Substrat konstant feucht zu halten. Die Keimung kann zwischen drei und acht Wochen dauern, also ist hier Geduld gefragt.

Sobald die Keimlinge die ersten richtigen Blätter nach den Keimblättern entwickelt haben und kräftig genug sind, können sie vorsichtig pikiert werden. Das bedeutet, sie werden einzeln in kleine Töpfe mit Kräutererde umgesetzt, wo sie weiterwachsen können. Die jungen Rosmarinpflanzen sind anfangs noch sehr zart und sollten langsam an die Bedingungen im Freien gewöhnt werden, bevor sie an ihren endgültigen Standort im Garten oder auf dem Balkon umziehen.

Weitere Vermehrungsmethoden

Eine weniger verbreitete, aber ebenfalls effektive Methode zur Vermehrung von Rosmarin ist die Vermehrung durch Absenker, die besonders gut bei größeren, im Freiland wachsenden Pflanzen funktioniert. Bei dieser Methode wird ein langer, biegsamer Seitentrieb der Mutterpflanze vorsichtig zum Boden heruntergebogen. An der Stelle, die den Boden berührt, wird die Rinde leicht angeritzt und der Trieb wird mit einem Haken oder einem Stein am Boden fixiert und mit Erde bedeckt. Die Spitze des Triebes sollte dabei aus der Erde herausschauen.

Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass der Absenker während des gesamten Bewurzelungsprozesses weiterhin von der Mutterpflanze versorgt wird, was die Erfolgschancen deutlich erhöht. Es ist wichtig, die Erde um den Absenker herum gleichmäßig feucht zu halten, um die Wurzelbildung zu fördern. Nach einigen Monaten, oft erst in der nächsten Saison, hat der Absenker an der verletzten Stelle eigene Wurzeln gebildet und kann von der Mutterpflanze abgetrennt werden. Die neue, nun eigenständige Pflanze kann dann vorsichtig ausgegraben und an ihren neuen Standort verpflanzt werden.

Eine weitere Möglichkeit, die sich vor allem beim Umtopfen älterer, großer Rosmarinpflanzen anbietet, ist die Teilung des Wurzelballens. Wenn eine Pflanze sehr groß und dicht gewachsen ist, kann der Wurzelballen vorsichtig mit einem scharfen Messer oder Spaten in zwei oder mehr Teile geteilt werden. Jedes Teilstück muss über ausreichend Wurzeln und Triebe verfügen, um als eigenständige Pflanze überleben zu können. Diese Methode ist jedoch mit einem gewissen Stress für die Pflanze verbunden und sollte nur bei sehr kräftigen und gesunden Exemplaren angewendet werden.

Nach der Teilung werden die einzelnen Stücke wie eigenständige Pflanzen in separate Töpfe oder an neue Standorte im Garten gepflanzt. Es ist ratsam, die oberirdischen Triebe nach der Teilung etwas einzukürzen, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren und das Gleichgewicht zwischen Wurzelmasse und Blattmasse wiederherzustellen. Dies erleichtert den geteilten Pflanzen das Anwachsen und die Bildung neuer Wurzeln. Wie nach jedem Umpflanzen ist auch hier eine gute anfängliche Bewässerung und ein vorübergehend schattigerer Standort förderlich.