Der Rosmarin ist ein Kind der Sonne, dessen gesamtes Wesen und Aroma untrennbar mit der intensiven Lichteinstrahlung seiner mediterranen Heimat verbunden ist. Ein tiefes Verständnis für diesen ausgeprägten Lichtbedarf ist die grundlegendste Voraussetzung für eine erfolgreiche Kultivierung. Ohne ausreichend direktes Sonnenlicht wird die Pflanze nie ihr volles Potenzial entfalten können; sie wird kümmerlich wachsen, ihr Aroma wird schwach sein und ihre Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge wird steigen. Die Wahl eines vollsonnigen Standortes ist daher keine bloße Empfehlung, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um die Vitalität und den charakteristischen Duft dieser wunderbaren Pflanze zu gewährleisten.

Für ein optimales Gedeihen benötigt Rosmarin mindestens sechs, besser noch acht oder mehr Stunden direkte Sonneneinstrahlung pro Tag. Je mehr Sonne die Pflanze erhält, desto kompakter und buschiger wird ihr Wuchs und desto intensiver wird die Produktion der ätherischen Öle, die für ihr unverwechselbares Aroma verantwortlich sind. Standorte, die nur vormittags oder nachmittags für wenige Stunden Sonne bieten, sind für Rosmarin ungeeignet. Ein Mangel an Licht führt unweigerlich zu langen, dünnen und schwachen Trieben, einem Prozess, der als Vergeilung oder Etiolement bekannt ist. Diese Triebe sind nicht nur unansehnlich, sondern auch anfälliger für das Umknicken und für Schädlingsbefall.

Der ideale Standort im Garten ist daher ein nach Süden oder Südwesten ausgerichtetes Beet, idealerweise vor einer wärmespeichernden Mauer oder Hauswand. Diese reflektiert nicht nur das Licht, sondern gibt auch nachts Wärme ab, was das mediterrane Mikroklima perfektioniert. Auch in einem Hochbeet oder auf einer Kräuterspirale in der obersten, trockensten Zone fühlt sich Rosmarin sehr wohl, da hier sowohl die Sonneneinstrahlung als auch die Drainage optimal sind. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Rosmarin nicht von höheren Pflanzen oder Sträuchern beschattet wird.

Auf dem Balkon oder der Terrasse gelten dieselben Prinzipien. Ein Südbalkon ist der perfekte Ort für einen Rosmarin im Topf. Hier kann die Pflanze den ganzen Tag über die maximale Sonneneinstrahlung genießen. Auch ein Westbalkon, der die intensive Nachmittags- und Abendsonne erhält, ist gut geeignet. Ein Ostbalkon mit reiner Morgensonne ist grenzwertig und oft nicht ausreichend, während ein Nordbalkon für die Kultur von Rosmarin gänzlich ungeeignet ist. Die Pflanze würde hier nur kümmern und über kurz oder lang eingehen.

Die Intensität des Lichts hat auch direkten Einfluss auf die Winterhärte der Pflanze. Ein Rosmarin, der den ganzen Sommer über in der vollen Sonne stand, konnte viel Energie in Form von Zucker und anderen Stoffen einlagern. Dies macht seine Triebe widerstandsfähiger und hilft ihm, den Stress des Winters besser zu überstehen. Eine Pflanze, die im Halbschatten gewachsen ist, geht geschwächt und mit weicheren Trieben in den Winter, was ihre Überlebenschancen, selbst bei winterharten Sorten, deutlich reduziert. Der Lichtgenuss im Sommer ist also eine direkte Investition in die Gesundheit der Pflanze im Winter.

Lichtmangel erkennen

Die Anzeichen von Lichtmangel sind bei Rosmarin recht eindeutig und sollten als Alarmsignal verstanden werden, den Standort der Pflanze dringend zu überdenken. Das offensichtlichste Symptom ist das bereits erwähnte Vergeilen. Die Pflanze streckt sich förmlich dem Licht entgegen, was zu unnatürlich langen Abständen zwischen den einzelnen Nadelbüscheln an den Stängeln führt. Die Triebe sind weich, blassgrün und haben nicht die Kraft, aufrecht zu wachsen, sondern neigen dazu, sich zu biegen oder herabzuhängen.

Ein weiteres klares Zeichen für unzureichende Sonneneinstrahlung ist ein spärlicher, lichter Wuchs. Anstatt sich buschig zu verzweigen, bildet die Pflanze nur wenige, lange Triebe. Die Benadelung ist insgesamt weniger dicht, und die Pflanze wirkt „durchsichtig“ und kraftlos. Oftmals verliert der Rosmarin bei starkem Lichtmangel auch seine unteren Blätter, was zu einer unschönen Verkahlung von der Basis her führt. Die Pflanze konzentriert ihre gesamte verbleibende Energie auf die obersten Triebspitzen, in der Hoffnung, dort mehr Licht zu erreichen.

Der vielleicht für den Gärtner enttäuschendste Effekt von Lichtmangel ist der drastische Aromaverlust. Die Produktion der duftenden ätherischen Öle ist ein energieintensiver Prozess, der direkt an die Photosyntheseleistung und damit an die Lichtintensität gekoppelt ist. Ein Rosmarin, der im Schatten wächst, riecht und schmeckt nur noch wie ein schwacher Abglanz seines sonnenverwöhnten Pendants. Das Reiben der Nadeln zwischen den Fingern setzt kaum noch den charakteristischen, intensiven Duft frei, was den Hauptzweck der Pflanze als Würz- und Duftkraut zunichtemacht.

Schließlich führt Lichtmangel zu einer generellen Schwächung der Pflanze und macht sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Das weiche, mastige Gewebe der vergeilten Triebe bietet Pilzkrankheiten wie dem Echten Mehltau eine ideale Angriffsfläche. Auch saugende Schädlinge wie Blattläuse bevorzugen solche geschwächten Pflanzen. Ein Standortwechsel an einen sonnigeren Platz ist die einzig wirksame Maßnahme, um diese Probleme zu beheben und der Pflanze zu neuer Vitalität zu verhelfen.

Lichtbedarf im Winter

Der hohe Lichtbedarf des Rosmarins bleibt auch während der Überwinterung bestehen, was diese Phase besonders anspruchsvoll macht. Das ideale Winterquartier ist nicht nur kühl, sondern vor allem auch so hell wie möglich. Ein unbeheizter Wintergarten, ein Gewächshaus oder ein sehr helles, nach Süden ausgerichtetes Fenster in einem kühlen Raum sind optimale Standorte. Das Licht ist notwendig, damit die immergrüne Pflanze auch im Winter in geringem Maße Photosynthese betreiben und ihre Lebensfunktionen aufrechterhalten kann.

Ein häufiger Fehler ist die Überwinterung in einem zu dunklen Raum, wie zum Beispiel einem fensterlosen Keller. Auch wenn die Temperaturen kühl sind, führt der extreme Lichtmangel unweigerlich zu einem starken Abwurf der Nadeln. Die Pflanze versucht, ihre Verdunstungsoberfläche zu reduzieren, da sie ohne Licht keine Energie produzieren kann. Oftmals überlebt der Rosmarin eine solche dunkle Überwinterung nicht oder ist im Frühjahr so geschwächt, dass er sich kaum noch erholt.

Wenn kein idealer heller und kühler Ort zur Verfügung steht, muss ein Kompromiss gefunden werden. Dabei gilt die Regel: Je wärmer der Überwinterungsstandort, desto heller muss er sein. Eine Überwinterung in einem warmen Wohnzimmer ist, wie bereits erwähnt, sehr problematisch. Sollte es unumgänglich sein, muss die Pflanze an das absolut hellste verfügbare Fenster gestellt werden, und selbst dann kann der Einsatz einer speziellen Pflanzenlampe notwendig sein, um den Lichtmangel auszugleichen und ein Vergeilen zu verhindern.

Pflanzenlampen oder LED-Wachstumslampen können eine effektive Lösung sein, um Rosmarin über den Winter zu bringen, wenn natürliche Lichtquellen nicht ausreichen. Diese Lampen bieten ein Lichtspektrum, das auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt ist und die Photosynthese anregt. Eine tägliche Beleuchtungsdauer von etwa 10 bis 12 Stunden kann helfen, den Lichtmangel der kurzen Wintertage auszugleichen und die Pflanze gesund zu erhalten. Dies ist eine Investition, die sich besonders bei wertvollen, alten Rosmarinpflanzen lohnen kann.