Der regelmäßige Schnitt ist eine der fundamentalsten Pflegemaßnahmen, um Fuchsien zu kompakten, buschigen und überreich blühenden Pflanzen zu erziehen. Ohne gezielte Schnittmaßnahmen neigen Fuchsien dazu, lange, kahle Triebe zu bilden und ihre Blühfreudigkeit lässt nach. Dies liegt daran, dass Fuchsien ihre Blüten fast ausschließlich am neuen, diesjährigen Holz bilden. Der Schnitt fördert die Verzweigung und somit die Bildung zahlreicher junger Triebe, was wiederum zu einer Fülle von Blüten führt. Das Wissen um den richtigen Zeitpunkt und die richtige Technik des Schneidens ist daher unerlässlich für jeden, der das volle Potenzial seiner Fuchsien ausschöpfen möchte.
Der herbstschnitt zur wintervorbereitung
Der erste wichtige Schnitt des Jahres erfolgt im Herbst, bevor die Fuchsien in ihr Winterquartier umziehen. Dieser Schnitt dient weniger der Formgebung als vielmehr praktischen Zwecken. Er reduziert die Gesamtmasse der Pflanze, was den Transport und die Lagerung im oft begrenzten Raum des Winterquartiers erheblich erleichtert. Zudem wird die Verdunstungsfläche über die Blätter verringert, was den Wasserbedarf während der Ruhephase reduziert und das Risiko des Austrocknens minimiert.
Bei diesem Herbstschnitt werden alle Triebe der Pflanze um etwa ein Drittel ihrer Länge zurückgeschnitten. Man verwendet dafür eine saubere und scharfe Gartenschere, um glatte Schnitte zu erzeugen und die Triebe nicht zu quetschen. Kranke, abgestorbene oder sehr dünne, schwache Triebe können bei dieser Gelegenheit vollständig an der Basis entfernt werden. Das Ziel ist eine aufgeräumte, luftige Grundstruktur, die weniger anfällig für Pilzkrankheiten im Winterquartier ist.
Nach dem groben Rückschnitt werden alle verbliebenen Blätter, Blüten und Fruchtansätze von den Zweigen entfernt. Dies ist eine wichtige hygienische Maßnahme. An altem Laub und verblühten Teilen können Pilzsporen oder die Eier von Schädlingen haften, die man nicht mit ins Winterquartier nehmen möchte. Eine „entlaubte“ Pflanze ist zudem weniger anfällig für Grauschimmel (Botrytis), der sich in der feuchten, stehenden Luft des Winterquartiers leicht ausbreitet.
Bei winterharten Fuchsien, die im Beet überwintern, wird der Herbstschnitt etwas anders gehandhabt. Hier schneidet man die Triebe erst nach den ersten leichten Frösten auf etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter über dem Boden zurück. Die verbleibenden Stummel und der Wurzelbereich werden dann mit einer dicken Schicht aus Laub, Reisig oder Mulch vor starkem Frost geschützt. Ein zu früher Schnitt würde die Pflanze daran hindern, Nährstoffe aus den Trieben zurück in die Wurzeln zu ziehen.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Der frühjahrsschnitt für form und blüte
Der wichtigste Schnitt für die Formgebung und die Blütenfülle ist der Frühjahrsschnitt. Er erfolgt, nachdem die Pflanze aus dem Winterquartier geholt wurde und die ersten zarten, neuen Austriebe sichtbar werden, meist im Februar oder März. Dieser Schnitt mag zunächst radikal erscheinen, ist aber entscheidend für einen kräftigen und buschigen Neuaufbau der Pflanze. Man sollte davor nicht zurückschrecken, denn die Fuchsie ist äußerst schnittverträglich.
Bei diesem Formschnitt werden alle Triebe des Vorjahres nochmals kräftig eingekürzt. Als Faustregel gilt, dass man pro Trieb nur ein bis zwei gesunde Augenpaare (Knospen) stehen lässt. Aus diesen wenigen verbleibenden Knospen entwickelt die Pflanze besonders kräftige neue Triebe. Würde man mehr stehen lassen, wäre der Austrieb zwar üppiger, aber die einzelnen Triebe wären schwächer und die Pflanze würde von innen heraus verkahlen.
Während dieses Schnitts wird auch die endgültige Form der Pflanze festgelegt. Man achtet darauf, nach innen wachsende oder sich kreuzende Triebe zu entfernen, um eine offene und luftige Kronenstruktur zu schaffen. Ziel ist es, eine gleichmäßige, gut verzweigte Pflanze zu erhalten, die von allen Seiten gut belichtet wird. Bei hängenden Fuchsien schneidet man die Triebe so, dass sie etwa zwei Zentimeter über den Topfrand ragen, um eine Verkahlung der Basis zu verhindern.
Das für den Schnitt verwendete Werkzeug, sei es eine Schere oder ein scharfes Messer, muss absolut sauber und scharf sein. Dies verhindert die Übertragung von Krankheiten und sorgt für saubere Schnittwunden, die schnell verheilen. Nach dem Umtopfen und dem kräftigen Rückschnitt wird die Pflanze an einen hellen, warmen Platz gestellt, um den Austrieb zu fördern.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Das pinzieren für mehr verzweigung
Neben den beiden Hauptschnitten im Herbst und Frühjahr gibt es eine weitere wichtige Schnitttechnik, die während der Wachstumsperiode angewendet wird: das Pinzieren oder Entspitzen. Diese Methode dient dazu, eine noch feinere Verzweigung und damit eine noch größere Blütenfülle zu erzielen. Sie wird vor allem bei jungen Pflanzen oder nach dem Frühjahrsaustrieb angewendet, um eine dichte, kompakte Form aufzubauen.
Beim Pinzieren werden die weichen, jungen Triebspitzen nach dem zweiten oder dritten Blattpaar mit den Fingernägeln oder einer kleinen Schere entfernt. An der Stelle des Schnitts, in den Blattachseln der verbliebenen Blätter, wird die Pflanze angeregt, zwei neue Seitentriebe zu bilden, wo zuvor nur einer gewachsen wäre. So verdoppelt sich an dieser Stelle die Anzahl der Triebe.
Dieser Vorgang kann mehrmals wiederholt werden, bis die gewünschte Dichte und Form der Pflanze erreicht ist. Jedes Pinzieren verzögert die Blüte an dem jeweiligen Trieb um einige Wochen, da die Pflanze zunächst neue Triebe bilden muss. Daher sollte man das Pinzieren etwa sechs bis acht Wochen vor dem gewünschten Hauptblütetermin einstellen. Der Lohn für diese Geduld ist eine Pflanze, die über und über mit Blüten bedeckt ist.
Das Pinzieren ist besonders wichtig bei der Erziehung von Fuchsien zu besonderen Formen wie Hochstämmen oder Pyramiden. Hier wird durch gezieltes Entspitzen der Seitentriebe die gewünschte Kronenform modelliert. Aber auch bei normalen Busch- oder Ampelfuchsien führt diese Technik zu einem sichtbar volleren und üppigeren Erscheinungsbild.