Eine an die jeweiligen Entwicklungsphasen angepasste Wasser- und Nährstoffversorgung ist das Fundament für eine gesunde und blühfreudige Amaryllis. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Wasser oder Dünger kann zu erheblichen Problemen führen, die von Wurzelfäule über Schädlingsbefall bis hin zum Ausbleiben der Blüte reichen. Das Geheimnis liegt darin, den wechselnden Bedarf der Pflanze im Laufe ihres Jahreszyklus zu verstehen und die Pflege entsprechend anzupassen. Während der Ruhephase benötigt die Zwiebel absolute Trockenheit, wohingegen sie in der Hauptwachstumszeit nach der Blüte einen regelmäßigen Nachschub an Wasser und Nährstoffen fordert, um Kraft für die nächste Saison zu sammeln. Ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Pflanze ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg.
Der Gießzyklus beginnt äußerst verhalten nach der Pflanzung oder dem Ende der Ruhephase. In dieser Anfangsphase, in der die Zwiebel erst Wurzeln bilden muss, ist ein Überschuss an Wasser die größte Gefahr. Staunässe würde die frisch austreibenden Wurzeln unweigerlich faulen lassen und die Zwiebel schädigen. Daher wird erst dann wieder gegossen, wenn die Erdoberfläche gut abgetrocknet ist und sich der erste Austrieb des Blüten- oder Blattschaftes zeigt. Diese anfängliche Zurückhaltung fördert ein kräftiges und tiefreichendes Wurzelwachstum.
Mit fortschreitendem Wachstum des Blütenschaftes und später der Blätter steigt der Wasserbedarf der Pflanze kontinuierlich an. Nun muss regelmäßig gegossen werden, sodass der Wurzelballen nicht vollständig austrocknet. Die Düngung beginnt ebenfalls erst, wenn die Pflanze aktiv wächst. Ein zu früher Düngebeginn könnte die empfindlichen neuen Wurzeln verbrennen. Die richtige Balance zu finden, also die Pflanze weder dürsten zu lassen noch sie zu ertränken, erfordert etwas Übung und Beobachtungsgabe, wird aber mit kräftigem Wuchs belohnt.
Die Phase nach der Blüte ist entscheidend für die Nährstoffeinlagerung in die Zwiebel und damit für die Blütenpracht des Folgejahres. In diesen Monaten, vom Frühling bis in den Spätsommer, benötigt die Amaryllis die intensivste Versorgung mit Wasser und Dünger. Ein Versäumnis in dieser Zeit lässt sich später nicht mehr korrigieren und führt oft zu Enttäuschungen. Das Verständnis für diesen Zyklus und die konsequente Umsetzung der entsprechenden Pflegemaßnahmen machen den Unterschied zwischen einer einmalig blühenden und einer jährlich wiederkehrenden Schönheit aus.
Grundlagen der bewässerung
Die richtige Gießtechnik ist bei der Amaryllis von entscheidender Bedeutung, um die gefürchtete Wurzelfäule zu vermeiden. Grundsätzlich gilt die Regel, lieber einmal durchdringend zu gießen und die Erde danach wieder gut abtrocknen zu lassen, als ständig kleine Mengen zu verabreichen. Bevor man zur Gießkanne greift, sollte man stets mit dem Finger prüfen, ob die oberste Erdschicht, etwa zwei bis drei Zentimeter tief, bereits trocken ist. Dies ist das zuverlässigste Signal, dass die Pflanze wieder Wasser benötigt.
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Beim Gießen selbst sollte das Wasser direkt auf die Erde und nicht über die Zwiebel oder in das Herz der Pflanze gegeben werden. Wasser, das sich zwischen den Zwiebelschalen sammelt, kann zu Fäulnis am Zwiebelhals führen. Ideal ist es, den Topf so lange zu wässern, bis das Wasser aus den Abzugslöchern am Topfboden austritt. Nach etwa 15 bis 20 Minuten sollte überschüssiges Wasser, das sich im Untersetzer oder Übertopf gesammelt hat, unbedingt entfernt werden, denn „nasse Füße“ sind der größte Feind der Amaryllis.
Eine alternative und sehr schonende Gießmethode ist die Bewässerung von unten. Hierbei wird der Topf für etwa 20 bis 30 Minuten in einen mit Wasser gefüllten Untersetzer gestellt. Die Erde saugt sich dann durch die Kapillarwirkung von unten voll, ohne dass die Zwiebel selbst nass wird. Sobald die Erdoberfläche sichtbar feucht wird, ist der Wurzelballen ausreichend durchtränkt und der Topf kann aus dem Wasser genommen und gut abtropfen gelassen werden.
Die Qualität des Gießwassers spielt ebenfalls eine Rolle. Am besten eignet sich zimmerwarmes, abgestandenes Leitungswasser oder Regenwasser. Hartes, kalkhaltiges Wasser kann auf Dauer den pH-Wert des Substrats verändern und die Nährstoffaufnahme der Pflanze beeinträchtigen. Zimmerwarmes Wasser vermeidet zudem einen Kälteschock für die Wurzeln, was insbesondere in der sensiblen Wachstumsphase wichtig ist, um die Pflanze nicht unnötig zu stressen und ihre Entwicklung zu fördern.
Der wasserbedarf in den verschiedenen phasen
Der Wasserbedarf der Amaryllis variiert im Laufe ihres Jahreszyklus erheblich, und die Anpassung der Gießmenge an diese Phasen ist entscheidend für eine erfolgreiche Kultur. Unmittelbar nach dem Einpflanzen oder dem Umtopfen am Ende der Ruhephase wird die Zwiebel nur einmalig leicht angegossen. Danach herrscht eine Phase der Trockenheit, bis sich die erste grüne Spitze des Austriebs zeigt. Diese anfängliche Wasserknappheit regt die Zwiebel an, ein starkes Wurzelsystem zu entwickeln, bevor sie ihre Energie in das oberirdische Wachstum steckt.
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Sobald der Blütenschaft zu wachsen beginnt, steigt der Wasserbedarf langsam an. In dieser Phase wird mäßig gegossen, wobei das Substrat zwischen den Wassergaben immer wieder gut abtrocknen sollte. Während der Blüte selbst bleibt der Wasserbedarf moderat. Ein zu nasses Substrat während der Blüte kann die Haltbarkeit der Blüten sogar negativ beeinflussen und das Risiko von Fäulnis an der Zwiebelbasis erhöhen. Es gilt also, eine gleichmäßige, aber nicht übermäßige Feuchtigkeit zu halten.
Nach der Blüte beginnt die Hauptwachstumsphase der Blätter, die vom Frühling bis in den Spätsommer andauert. In dieser Zeit ist der Wasserbedarf der Amaryllis am höchsten. Die Pflanze benötigt nun regelmäßig und reichlich Wasser, um ihre großen Blätter zu versorgen und durch Photosynthese die Nährstoffe für die nächste Blütensaison zu produzieren und in der Zwiebel einzulagern. Der Wurzelballen sollte in dieser Periode nie vollständig austrocknen, Staunässe ist aber weiterhin unbedingt zu vermeiden.
Gegen Ende des Sommers, meist ab August, beginnt die Vorbereitung auf die Ruhephase. Dies ist das Signal, die Wassergaben schrittweise und konsequent zu reduzieren. Die Pflanze stellt ihr Wachstum langsam ein, und die Blätter beginnen zu vergilben. Schließlich wird das Gießen vollständig eingestellt. Während der gesamten, etwa zwei- bis dreimonatigen Ruhephase in einem kühlen und dunklen Quartier erhält die Zwiebel überhaupt kein Wasser. Absolute Trockenheit ist nun erforderlich, um die Blüteninduktion zu fördern.
Die richtige düngung für kräftiges wachstum
Die Düngung spielt eine zentrale Rolle, um die Amaryllis mit den notwendigen Nährstoffen für ein kräftiges Wachstum und eine reiche Blüte zu versorgen. Wichtig ist jedoch der richtige Zeitpunkt, denn eine Düngung zur falschen Zeit kann mehr schaden als nutzen. Grundsätzlich wird mit der Düngung erst begonnen, wenn die Pflanze aktiv wächst, das heißt, wenn sich der Blütenschaft oder die ersten Blätter deutlich entwickelt haben. Eine zu frühe Düngung kann die neu gebildeten, empfindlichen Wurzeln schädigen.
Während des Wachstums des Blütenschaftes und der Blüte selbst ist der Nährstoffbedarf noch moderat. In dieser Phase zehrt die Pflanze hauptsächlich von den in der Zwiebel gespeicherten Reserven. Eine leichte Düngergabe alle vier Wochen ist in dieser Zeit ausreichend, um die Pflanze zu unterstützen. Verwendet wird am besten ein handelsüblicher flüssiger Blühpflanzendünger, der dem Gießwasser in der vom Hersteller empfohlenen Konzentration beigemischt wird.
Die wichtigste Düngeperiode beginnt direkt nach der Blüte und erstreckt sich über den gesamten Sommer. In dieser Phase des Blattwachstums muss die Zwiebel ihre Nährstoffspeicher wieder vollständig auffüllen, um im nächsten Jahr erneut blühen zu können. Während dieser Zeit wird die Düngung intensiviert. Alle zwei Wochen sollte die Amaryllis nun eine Gabe Flüssigdünger erhalten. Ein ausgewogener Volldünger, der Stickstoff, Phosphor und Kalium sowie wichtige Spurenelemente enthält, ist hierfür ideal.
Mit der Einleitung der Ruhephase im Spätsommer wird nicht nur das Gießen, sondern auch die Düngung schrittweise reduziert und schließlich komplett eingestellt. Die Pflanze benötigt während ihrer Dormanz keinerlei Nährstoffe. Eine Düngung während der Ruhephase wäre kontraproduktiv und könnte die Zwiebel sogar schädigen. Der Düngezyklus beginnt erst wieder von Neuem, wenn die Pflanze im nächsten Winter aus ihrem Schlaf erwacht und neues Wachstum zeigt.
Nährstoffmangel und überdüngung erkennen
Ein geschultes Auge kann Anzeichen von Nährstoffmangel oder Überdüngung an einer Amaryllis erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Ein typisches Symptom für Nährstoffmangel, insbesondere Stickstoffmangel, sind hellgrüne bis gelbliche Blätter und ein allgemein schwacher, kümmerlicher Wuchs. Wenn die Pflanze nach der Blüte nicht ausreichend gedüngt wird, kann sie nicht genügend Reserven für das nächste Jahr anlegen, was oft zu einem Ausbleiben der Blüte führt. In einem solchen Fall sollte die Düngefrequenz und -konzentration den Empfehlungen entsprechend angepasst werden.
Auch ein Mangel an anderen Nährstoffen kann sich bemerkbar machen. So kann beispielsweise ein Kaliummangel zu braunen, trockenen Blatträndern führen, während ein Eisenmangel, oft durch einen zu hohen pH-Wert im Substrat verursacht, zu einer Chlorose führt, bei der die Blattadern grün bleiben, das Blattgewebe dazwischen sich aber gelb verfärbt. Die Verwendung eines hochwertigen Volldüngers, der auch Spurenelemente enthält, beugt solchen spezifischen Mangelerscheinungen in der Regel effektiv vor.
Genau wie ein Mangel kann auch eine Überdüngung der Pflanze schaden. Anzeichen hierfür sind oft braune, verbrannt aussehende Blattspitzen und -ränder. Eine zu hohe Salzkonzentration im Substrat, verursacht durch übermäßiges Düngen, schädigt die Wurzeln und behindert die Wasseraufnahme. Im Extremfall kann dies zum Absterben der Wurzeln und der gesamten Pflanze führen. Oft bilden sich auch weiße, kristalline Ablagerungen auf der Erdoberfläche oder am Topfrand.
Sollten Anzeichen einer Überdüngung sichtbar werden, muss die Düngung sofort eingestellt werden. Als Erste-Hilfe-Maßnahme kann der Topfballen gründlich mit lauwarmem Wasser durchgespült werden, um überschüssige Salze aus dem Substrat zu waschen. Dazu stellt man den Topf in die Spüle oder Badewanne und lässt eine größere Menge Wasser langsam durch die Erde laufen. Danach wird eine Düngepause von mehreren Wochen eingelegt und die Düngung anschließend in einer niedrigeren Konzentration und Frequenz wieder aufgenommen.
Häufige fehler vermeiden
Der häufigste Fehler bei der Pflege der Amaryllis ist zweifellos das übermäßige Gießen, insbesondere in der Anfangsphase nach dem Pflanzen. Die Sorge, die Zwiebel könnte vertrocknen, führt oft dazu, dass zu früh und zu viel Wasser gegeben wird. Dies resultiert fast immer in Wurzelfäule und dem Absterben der Zwiebel. Es ist entscheidend zu verstehen, dass die Zwiebel in dieser Phase zunächst ein gesundes Wurzelsystem etablieren muss, was am besten in einem nur leicht feuchten bis eher trockenen Substrat geschieht.
Ein weiterer verbreiteter Fehler ist das Vernachlässigen der Pflanze nach der Blüte. Viele betrachten die Amaryllis als Wegwerfprodukt, das nach dem Verblühen entsorgt wird. Wer sie jedoch weiterkultivieren möchte, muss gerade jetzt die meiste Aufmerksamkeit auf die Pflege verwenden. Das Abschneiden der gesunden, grünen Blätter nach der Blüte ist ein fataler Fehler, denn ohne diese Blätter kann die Zwiebel keine Energie für die nächste Blütensaison sammeln. Die Blätter müssen so lange an der Pflanze bleiben, bis sie von selbst vergilben.
Die Missachtung der Ruhephase ist ein weiterer Garant für das Ausbleiben der Blüte im Folgejahr. Die Amaryllis einfach auf der Fensterbank durchkultivieren zu wollen, funktioniert nicht. Die kühle, trockene und dunkle Ruheperiode von mindestens zwei Monaten ist für die Induktion der Blütenknospen unerlässlich. Wird dieser Zyklus ignoriert, wird die Pflanze zwar weiterhin Blätter produzieren, aber keine Blüten ansetzen.
Auch bei der Düngung werden Fehler gemacht. Eine zu frühe oder zu hoch konzentrierte Düngung kann die Wurzeln verbrennen. Umgekehrt führt eine fehlende oder unzureichende Düngung während der Hauptwachstumsphase im Sommer unweigerlich zu einer geschwächten Zwiebel, die im nächsten Jahr nicht blühen kann. Die richtige Balance und das richtige Timing bei der Nährstoffgabe sind daher von großer Bedeutung für den langfristigen Erfolg und die jährliche Blütenpracht dieser faszinierenden Pflanze.