Die weiße Kalla ist in unseren Breitengraden nicht winterhart und verträgt keine Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, was eine geschützte Überwinterung unumgänglich macht. Sobald die ersten Nachtfröste drohen, musst du handeln und die Pflanze auf ihren Umzug in das Winterquartier vorbereiten. Im Freiland gepflanzte Exemplare sollten vorsichtig mit einer Grabgabel ausgehoben werden, wobei darauf zu achten ist, dass die fleischigen Rhizome nicht beschädigt werden. Eine Beschädigung des Speicherorgans kann während der langen Ruhephase leicht zu Fäulnis führen und das Überleben der Pflanze gefährden.
Bevor die Rhizome eingelagert werden, solltest du das verbliebene Laub etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Knollenansatz abschneiden, sofern es nicht schon von selbst eingetrocknet ist. Schüttle die anhaftende Erde grob ab, aber vermeide es, die Rhizome mit Wasser zu waschen, da die Feuchtigkeit die Schimmelbildung im Lager begünstigen könnte. Lass die Knollen für einige Tage an einem luftigen, schattigen Platz abtrocknen, damit die Schnittstellen gut verheilen und eine schützende Haut bilden können. Dieser Trocknungsprozess ist ein entscheidender Schritt, um die Kalla sicher durch die dunklen und kalten Monate zu bringen.
Die ideale Lagertemperatur während der Winterruhe liegt konstant zwischen 5 und 12 Grad Celsius, wobei der Raum absolut frostfrei sein muss. Ein kühler Keller, eine frostgeschützte Garage oder ein unbeheiztes Treppenhaus eignen sich hervorragend für diesen Zweck. Du kannst die Rhizome in Kisten mit trockenem Sand, Torf oder Sägespänen einbetten, was einen leichten Luftaustausch ermöglicht und gleichzeitig ein vollständiges Austrocknen verhindert. Dunkelheit ist im Winterquartier von Vorteil, da sie verhindert, dass die Pflanze bei verfrühten Wärmeperioden zu zeitig mit dem Austreiben beginnt.
Wenn du deine weiße Kalla als Kübelpflanze kultivierst, kannst du sie theoretisch im Topf belassen und diesen einfach an einen kühlen Ort stellen. In diesem Fall musst du das Gießen fast vollständig einstellen und das Substrat nur ganz leicht feucht halten, damit das Rhizom nicht zusammenschrumpft. Es ist wichtig, die Töpfe regelmäßig auf Schädlinge wie Wollläuse zu kontrollieren, die sich im Winterquartier gerne im Schutz der trockenen Blattscheiden ausbreiten. Eine gute Belüftung des Raumes ist auch hier wichtig, um die Entstehung von Muffigkeit oder Pilzbefall im Substrat zu unterdrücken.
Vorbereitung auf das neue gartenjahr
Gegen Ende des Winters, meist ab Februar oder März, kannst du damit beginnen, deine Kallas langsam aus ihrem Winterschlaf zu wecken. Hole die Rhizome aus ihrem Lager und untersuche sie gründlich auf weiche oder eingetrocknete Stellen, die eventuell entfernt werden müssen. Falls du die Knollen in Sand gelagert hast, ist nun der richtige Zeitpunkt, sie in frische, nährstoffreiche Erde einzutopfen und an einen helleren Ort zu stellen. Die ersten vorsichtigen Wassergaben signalisieren der Pflanze, dass die Wachstumsperiode wieder beginnt und sie nun ihre Reserven mobilisieren kann.
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Ein sanfter Start bei Zimmertemperatur auf der Fensterbank gibt der Kalla einen wertvollen Vorsprung, bevor sie nach den Eisheiligen wieder ins Freiland darf. Du wirst bemerken, dass die ersten grünen Spitzen oft schon nach wenigen Tagen sichtbar werden, wenn die Bedingungen stimmen. Achte darauf, die Pflanze in dieser frühen Phase noch nicht direkter, brennender Mittagssonne auszusetzen, da das junge Gewebe noch keine Schutzmechanismen gegen UV-Strahlung entwickelt hat. Die Düngung sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn sich die ersten vollständigen Blätter entfaltet haben und ein stetiges Wachstum erkennbar ist.
Das schrittweise Abhärten der Pflanzen ist ein oft vernachlässigter, aber extrem wichtiger Prozess beim Übergang vom Winterquartier nach draußen. Du solltest die Kallas an milden Tagen für einige Stunden an einen geschützten Platz im Freien stellen und sie abends wieder ins Haus holen. Diese Prozedur über etwa ein bis zwei Wochen kräftigt die Zellstruktur und bereitet die Blätter auf Wind und direktes Sonnenlicht vor. Erst wenn die Nächte stabil über 10 Grad Celsius bleiben, kann die weiße Kalla dauerhaft an ihren sommerlichen Standort im Garten oder auf der Terrasse ziehen.
In Regionen mit sehr mildem Klima und Weinbauwetter kann man mit einer dicken Mulchschicht aus Laub und Reisig experimentieren, um die Kalla im Boden zu lassen. Dies ist jedoch immer mit einem gewissen Risiko verbunden, da ein ungewöhnlich harter Winter oder langanhaltende Nässe das Rhizom dennoch zerstören können. Wer auf Nummer sicher gehen will, entscheidet sich immer für die frostfreie Auswinterung, da die weiße Kalla zu kostbar ist, um sie dem Zufall zu überlassen. Die Mühe der Einlagerung wird im nächsten Sommer mit einer umso prachtvolleren und gesünderen Blüte belohnt werden.