Obwohl die Schwarzäugige Susanne für ihr schnelles und üppiges Wachstum bekannt ist, sind gezielte Schnittmaßnahmen ein wertvolles Werkzeug, um ihre Form zu beeinflussen, die Blütenpracht zu maximieren und die Pflanze gesund zu erhalten. Viele Gärtner zögern, die Schere anzusetzen, aus Angst, der Pflanze zu schaden. Doch bei der Thunbergia alata ist das Gegenteil der Fall: Regelmäßige kleine Eingriffe fördern einen buschigeren Wuchs und eine reichere Blüte. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Schnitt kein radikaler Akt sein muss, sondern eine kontinuierliche Pflegemaßnahme während der gesamten Saison darstellt.
Die grundlegenden Ziele des Schnitts lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen: das Entspitzen zur Förderung der Verzweigung, das Ausputzen zur Anregung der Blütenbildung und der Rückschnitt zur Vorbereitung auf die Überwinterung oder am Ende der Saison. Jede dieser Maßnahmen hat einen spezifischen Zweck und wird zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt. Mit ein wenig Übung werden dir diese Handgriffe schnell zur Routine und du kannst das Wachstum deiner Pflanze gezielt nach deinen Wünschen lenken und ihre Vitalität fördern.
Für alle Schnittmaßnahmen ist die Verwendung von sauberem und scharfem Werkzeug unerlässlich. Eine kleine, handliche Gartenschere, eine Blumenschere oder sogar eine scharfe Haushaltsschere sind gut geeignet. Scharfes Werkzeug sorgt für glatte Schnittflächen, die schnell verheilen und das Eindringen von Krankheitserregern erschweren. Reinige die Klingen vor dem Gebrauch, insbesondere wenn du zuvor kranke Pflanzen geschnitten hast, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.
Der richtige Schnittpunkt ist immer kurz über einem Blattknoten oder einem Blattpaar. An diesen Stellen, den sogenannten Nodien, sitzen schlafende Augen, die durch den Schnitt aktiviert werden und neue Seitentriebe bilden. Ein Schnitt mitten auf einem Stängelabschnitt (Internodium) würde nur einen unschönen, eintrocknenden Stummel hinterlassen und keinen neuen Austrieb an dieser Stelle fördern. Diese einfache Regel ist der Schlüssel zu fast allen erfolgreichen Schnittmaßnahmen bei krautigen Pflanzen.
Pinzieren für einen buschigen Wuchs
Eine der wichtigsten Schnittmaßnahmen, die bereits bei der jungen Pflanze durchgeführt werden sollte, ist das sogenannte Pinzieren oder Entspitzen. Dabei werden die Spitzen der Haupt- und Seitentriebe mit den Fingernägeln oder einer Schere abgeknipst. Dieser Eingriff entfernt die oberste Triebknospe, die wachstumshemmende Hormone produziert, welche die Entwicklung der seitlichen Knospen unterdrücken. Durch das Entfernen dieser Spitze wird die sogenannte Apikaldominanz gebrochen und die Pflanze wird angeregt, aus den Blattachseln darunter neue Seitentriebe zu bilden.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Beginne mit dem Pinzieren, wenn die jungen Pflanzen eine Höhe von etwa 15 bis 20 Zentimetern erreicht haben und bereits einige Blattpaare ausgebildet sind. Wiederhole diesen Vorgang bei den neu entstehenden Seitentrieben, sobald diese ebenfalls eine gewisse Länge erreicht haben. Dieses mehrmalige Entspitzen in der frühen Wachstumsphase führt zu einer deutlich buschigeren und besser verzweigten Pflanze mit einer Vielzahl von Trieben. Eine solche Pflanze wird später nicht nur dichter und kompakter aussehen, sondern auch eine wesentlich größere Anzahl an Blüten hervorbringen, da Blüten an den Triebenden gebildet werden.
Das Pinzieren ist besonders bei Pflanzen in Hängeampeln oder Balkonkästen empfehlenswert, um eine dichte, volle Form zu erzielen und ein Verkahlen der Basis zu verhindern. Aber auch bei Kletterpflanzen am Spalier sorgt es für eine bessere Verzweigung und somit für eine schnellere und lückenlosere Begrünung der Rankhilfe. Auch wenn es anfangs vielleicht schwerfällt, die jungen Triebe zu kürzen, zahlt sich diese Maßnahme im weiteren Verlauf der Saison durch eine üppigere und gesündere Pflanze vielfach aus.
Du kannst das Pinzieren während der gesamten Wachstumsperiode fortsetzen, wenn du feststellst, dass die Pflanze zu lange, einzelne Triebe bildet. Indem du diese „Ausreißer“ einkürzt, lenkst du die Wachstumsenergie wieder in die Basis der Pflanze und sorgst für ein harmonisches Gesamtbild. Dieser leichte Formschnitt hält die Pflanze kompakt und verhindert, dass sie unordentlich oder sparrig wächst, was besonders bei der Kübelkultur von Vorteil ist.
Ausputzen für eine längere Blütezeit
Das regelmäßige Entfernen verwelkter Blüten, auch „Deadheading“ genannt, ist die effektivste Methode, um die Blütezeit der Schwarzäugigen Susanne zu verlängern und die Bildung immer neuer Knospen anzuregen. Sobald eine Blüte bestäubt ist, steckt die Pflanze ihre gesamte Energie in die Produktion von Samen, um ihre Vermehrung zu sichern. Indem du die verblühten Teile entfernst, unterbrichst du diesen Zyklus und signalisierst der Pflanze, dass sie weitere Blüten zur Fortpflanzung bilden muss.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Nimm dir alle zwei bis drei Tage kurz Zeit, um deine Pflanze nach verblühten Exemplaren abzusuchen. Diese erkennst du daran, dass sie ihre leuchtende Farbe verloren haben, schlaff sind und zusammenfallen. Zwicke oder schneide die verwelkte Blüte mitsamt dem kurzen Blütenstiel direkt am Ansatz des nächsten Blattes oder Seitentriebs ab. Diese einfache Pflegemaßnahme verhindert nicht nur die Samenbildung, sondern sorgt auch für ein sauberes und gepflegtes Erscheinungsbild der Pflanze.
Die positive Wirkung des Ausputzens ist oft schon nach kurzer Zeit sichtbar. Die Pflanze wird angeregt, in den Blattachseln neue Knospen zu bilden und treibt unermüdlich weiter Blüten bis in den Herbst hinein. Pflanzen, die nicht regelmäßig ausgeputzt werden, stellen die Blütenproduktion oft schon im Hochsommer ein, sobald sie genügend Samen angesetzt haben. Der geringe Zeitaufwand für diese Maßnahme wird also reichlich mit einer wochenlang verlängerten Blütenpracht belohnt.
Gegen Ende der Saison kannst du bewusst einige Blüten an der Pflanze belassen, wenn du Samen für das nächste Jahr gewinnen möchtest. Wähle dafür besonders kräftige und gesunde Blüten aus und lasse sie vollständig ausreifen, bis sich trockene, braune Samenkapseln gebildet haben. So kombinierst du eine lange Blütezeit mit der Möglichkeit, deine eigenen Pflanzen für die nächste Gartensaison zu vermehren.
📷 Forest & Kim Starr, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons