Das einpflanzen der knollen und die anschließende vermehrung neuer jungpflanzen gehören zu den spannendsten tätigkeiten für jeden liebhaber dieser blühpflanze. Es erfordert ein gewisses maß an geduld und die richtige technik, um aus einer unscheinbaren knolle eine prachtvolle pflanze zu ziehen. Wenn du die biologischen grundlagen verstehst, kannst du deine sammlung ganz einfach selbst vergrößern und sogar an freunde weitergeben. Der erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie sorgfältig du in den ersten wochen nach dem pflanzen vorgehst.
Der richtige zeitpunkt zum pflanzen
Der optimale zeitpunkt für das einpflanzen der gloxinienknollen liegt im späten winter oder im zeitigen frühjahr, meist zwischen februar und märz. Wenn die tage wieder länger werden, spürt die knolle den natürlichen drang, neu auszutreiben und blätter zu bilden. Du solltest die knolle vor dem einsetzen genau untersuchen und auf festigkeit sowie gesundheit prüfen. Weiche stellen oder dunkle flecken können ein hinweis auf fäulnis sein und sollten vorab behandelt werden.
Beim einsetzen in den topf ist die richtige tiefe entscheidend für den späteren erfolg deiner bemühungen. Die knolle sollte so platziert werden, dass die oberseite nur hauchdünn mit erde bedeckt ist oder sogar minimal herausschaut. Es ist wichtig, die hohle seite der knolle nach oben zu richten, da dort die neuen triebe entstehen werden. Ein zu tiefes einpflanzen kann dazu führen, dass die jungen triebe verrotten, bevor sie das licht erreichen.
Nach dem pflanzen benötigt die knolle viel wärme, um den stoffwechsel anzuregen und die wurzelbildung zu starten. Temperaturen um die 22 grad celsius sind ideal, um der pflanze einen guten start in die neue saison zu ermöglichen. Du solltest die erde anfangs nur sehr sparsam befeuchten, damit die knolle nicht im nassen substrat liegt. Erst wenn sich die ersten grünen spitzen zeigen, kann die wasserzufuhr langsam und stetig erhöht werden.
Es empfiehlt sich, einen topf zu wählen, der nicht zu groß ist, da die gloxinie ein eher kompaktes wurzelsystem besitzt. Ein durchmesser von zwölf bis fünfzehn zentimetern ist für eine durchschnittlich große knolle meist völlig ausreichend. In einem zu großen gefäß besteht die gefahr, dass die erde zu lange feucht bleibt und die knolle schädigt. Mit der richtigen topfgröße kontrollierst du die feuchtigkeit besser und förderst ein gesundes wachstum.
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Vermehrung durch blattstecklinge
Die vermehrung über blattstecklinge ist eine der faszinierendsten methoden, um identische kopien deiner lieblingspflanze zu erzeugen. Du wählst dafür ein gesundes, voll entwickeltes blatt aus und schneidest es mit einem sauberen messer an der basis ab. Der schnitt sollte glatt sein, um die eintrittsgefahr für krankheitserreger so gering wie möglich zu halten. Es ist ratsam, ein blatt aus der mittleren region der pflanze zu nehmen, da dieses die meiste energie besitzt.
Es gibt verschiedene techniken, wie du das blatt nun zur wurzelbildung anregen kannst, wobei die wasser- oder erdmethode am gängigsten sind. Bei der erdmethode steckst du den blattstiel schräg in ein lockeres substrat und hältst dieses gleichmäßig leicht feucht. Eine abdeckung mit einer transparenten folie oder einer haube hilft dabei, die nötige luftfeuchtigkeit für die bildung neuer wurzeln zu halten. Schon nach wenigen wochen bilden sich an der basis des stiels kleine knollen und winzige blättchen.
Eine alternative ist die sogenannte blattader-methode, bei der du die hauptadern auf der unterseite des blattes vorsichtig einschneidest. Das blatt wird dann flach auf die erde gelegt und leicht angedrückt, damit die schnittstellen kontakt zum substrat haben. Aus jeder verletzten ader kann theoretisch eine neue kleine pflanze entstehen, was die ausbeute erheblich erhöht. Diese methode erfordert jedoch eine sehr hohe luftfeuchtigkeit und konstante wärme, um erfolgreich zu sein.
Sobald die jungpflanzen kräftig genug sind und eigene kleine knollen gebildet haben, kannst du sie vorsichtig von dem mutterblatt trennen. Jede kleine gloxinie bekommt nun ihren eigenen topf mit nährstoffreicher erde und wird wie eine erwachsene pflanze gepflegt. Es dauert zwar einige zeit, bis diese stecklinge zum ersten mal blühen, aber das ergebnis ist umso befriedigender. Diese art der vermehrung ist ideal, um seltene farben oder muster dauerhaft in deinem besitz zu sichern.
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Aussaat von gloxinien samen
Wer die ganz große herausforderung sucht, kann sich an der aussaat von gloxinien-samen versuchen, was jedoch viel geduld erfordert. Die samen sind extrem fein, fast wie staub, und sollten daher sehr vorsichtig gehandhabt werden. Da gloxinien lichtkeimer sind, darfst du die samen nach der aussaat auf keinen fall mit erde bedecken. Ein leichtes andrücken auf die feuchte oberfläche reicht völlig aus, damit sie den nötigen kontakt haben.
Das ansaatgefäß muss unbedingt an einem sehr hellen und warmen ort stehen, damit die keimung erfolgreich verläuft. Eine temperatur von konstant 24 grad ist ideal, um den keimprozess innerhalb von zwei bis drei wochen auszulösen. Du solltest das gefäß mit einer glasscheibe oder folie abdecken, um ein austrocknen der oberfläche zu verhindern. Regelmäßiges lüften ist wichtig, um die bildung von schimmel auf dem feuchten substrat zu vermeiden.
Sobald die winzigen sämlinge ihre ersten echten blätter zeigen, müssen sie vorsichtig pikiert, also vereinzelt werden. Dies ist eine sehr filigrane arbeit, da die kleinen pflanzen in diesem stadium noch extrem zerbrechlich sind. Verwende ein kleines hölzchen oder eine pinzette, um sie sanft in neue gefäße mit etwas mehr platz umzusetzen. Ab diesem zeitpunkt können die jungen pflanzen langsam an eine etwas geringere luftfeuchtigkeit gewöhnt werden.
Die anzucht aus samen ermöglicht es dir, eine große anzahl an pflanzen gleichzeitig zu ziehen und vielleicht sogar neue kreuzungen zu entdecken. Es dauert in der regel etwa sechs bis neun monate, bis eine aus samen gezogene pflanze ihre erste blüte zeigt. Dieser weg ist lang, aber er bietet die tiefste einsicht in die entwicklung dieser wunderbaren gewächse. Für leidenschaftliche züchter ist die samenaussaat die königsdisziplin in der kultivierung von zimmerpflanzen.
Teilung der knollen
Eine weitere bewährte methode zur vermehrung ist die teilung älterer und bereits sehr großer knollen im frühjahr. Wenn eine knolle über die jahre einen stattlichen durchmesser erreicht hat, weist sie oft mehrere austriebspunkte auf. Du kannst diese knolle mit einem scharfen, desinfizierten messer vorsichtig in zwei oder mehr stücke zerschneiden. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass jedes teilstück mindestens ein gesundes „auge“ oder einen triebansatz besitzt.
Die schnittflächen sind nach der teilung sehr anfällig für fäulnis und sollten daher unbedingt vorbehandelt werden. Du kannst die wunden mit holzkohlepulver bestreichen, um sie zu desinfizieren und den heilungsprozess zu beschleunigen. Es ist ratsam, die teilstücke vor dem einpflanzen für ein bis zwei tage an der luft antrocknen zu lassen. Diese kurze pause hilft der knolle, eine schutzschicht über der schnittstelle zu bilden.
Beim anschließenden einpflanzen gehst du genauso vor wie bei einer ganzen knolle und achtest auf die richtige tiefe. Da die teilstücke anfangs etwas geschwächt sind, solltest du beim gießen besonders vorsichtig sein. Zu viel nässe würde die frischen schnittstellen sofort angreifen und die knolle zerstören. Wenn alles gut geht, entwickeln sich aus den teilen innerhalb kurzer zeit kräftige, eigenständige pflanzen.
Die teilung hat den vorteil, dass du bereits im selben jahr mit einer blüte rechnen kannst, da die knolle schon ein gewisses alter hat. Es ist eine effektive weise, eine überalterte pflanze zu verjüngen und gleichzeitig ihren bestand zu verdoppeln. Achte darauf, diese prozedur nur bei wirklich gesunden und kräftigen exemplaren durchzuführen. So stellst du sicher, dass die pflanzen die strapazen der teilung gut überstehen und schnell wieder zu ihrer alten pracht zurückfinden.